Kleiner Wohnen

In Woltmershausen könnten bald Tiny Houses entstehen

Auf einem Grundstück an der Stromer Straße könnten zehn bis zwölf Tiny Houses entstehen. Die Initiative Tiny House-Kultur hat ihre Pläne dem Beirat Woltmershausen vorgestellt.
01.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus
In Woltmershausen könnten bald Tiny Houses entstehen

Ein Tiny House – wie dieses, das in Tübingen steht – soll zum Vorbild für die angedachte Siedlung werden.

Initiative Tiny House-Kultur

„Wohne klein, lebe groß“, so lautet das Motto der Initiative Tiny House-Kultur. Das Teilen von Ressourcen steht dabei im Fokus sowie die Suche nach bezahlbarem Wohnraum und ökologischer Nachhaltigkeit. Und auch um die Reduzierung an sich: Wer weniger Wohnraum zur Verfügung hat, muss sich zwangsläufig Gedanken darüber machen, was dort Platz finden kann, und was zum Leben notwendig ist.

Was das mit Woltmershausen zu tun hat? Das erläuterten Andrea Birr und Mark Christiansen von der Initiative Tiny House-Kultur dem Beirat Woltmershausen bei seiner jüngsten Sitzung im Heizwerk. Denn an der Stromer Straße 34 steht ein Grundstück seit mehr als 30 Jahren leer, inzwischen haben sich dort allerlei Gehölze und Bäume angesiedelt und – wenn es nach der Initiative geht, sollen dort zehn bis zwölf Tiny Houses ihren Platz finden. „Die Ideen sind grenzenlos“, sagt Mark Christiansen zu den Plänen, das Grundstück in dieser Form zu entwickeln. Das Bauamt sei auf das Gelände gestoßen, meint er noch, und insgesamt sei das Projekt, wenn es denn verwirklicht wird, „ein Gewinn für den Stadtteil.“ Und Andrea Birr ist sich sicher: „Das ist ein Vorzeigeprojekt und kann auch eine Imagesteigerung für Woltmershausen sein.“

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Tiny Houses stünden aber nicht alleine für sich in der Gegend herum, vielmehr gehe es bei dieser Wohnform um ein konstruktives Miteinander: „Bei uns melden sich Studierende und junge Familien mit wenig Geld. Und Frauen über 50 Jahre, die sich Gedanken machen wie sie im Alter leben wollen“, erzählt Andrea Birr. Für Familien stehe die Überlegung im Raum, ein Woltmershauser Modell zu entwickeln, „zum Beispiel mit Anbaumöglichkeiten aufgrund neu hinzukommender Kinder.“ Es soll einen Gemeinschaftsgarten und ein Gemeinschaftshaus geben, Wissen und Güter sollen geteilt werden – Carsharing, Bikesharing, Räume für Coworking. „Mittlerweile ist die Tiny-House-Kultur ein Lebensgefühl, Downsizing ist unsere Verantwortung für ein enkelgerechtes Leben“, konstatiert Mark Christiansen.

Karin Bohle-Lawrenz von der FDP zeigte sich bei der Sitzung erfreut über die Initiative: „Sie passt in die Zeit und ich glaube, dass das Projekt ein Erfolg werden kann.“ Auch Ole Lindemann von der CDU kann sich vorstellen, das Projekt unterstützen, sorgt sich jedoch um die Wasserversorgung, denn nach Angaben Mark Christiansens sei eine Kanalisation erst einmal nicht geplant. Die Initiative setzt daher sowohl auf Trockentoiletten als auch auf Filteranlagen für das sogenannte Grauwasser.

Fläche gehört der Stadt Bremen

„Es gibt strenge Auflagen, die wir einhalten“, sagt Andrea Birr. Da die Fläche der Stadt Bremen gehöre, sei dies ein guter Standort, um solch ein Projekt einfach mal auszuprobieren, meint Edith Wangenheim von der SPD: „Eine gute Idee, eine andere Wohnform nach Woltmershausen zu bringen.“

Im Anschluss an die Präsentation von Tiny House-Kultur stellten die Akteurinnen und Akteure des Stadtteil-Musikprojektes „Ohren auf – Pusdorf zeigt, was es kann“ ihre Pläne vor. „Es wird eine musikalische Stadtteilbespielung“, erklärt Projektleiterin Claudia Beißwanger den musikalischen Spaziergang durch den Stadtteil. „Die Aufführung ist im Jahr 2022.“ Die Pusdorfer Akteure, bestehend aus dem Kulturladen Pusdorf als Veranstalter, die Bremer Philharmoniker und die soziokulturelle Einrichtung Quartier, wollen dann den öffentlichen Raum bespielen. „Um mehr gesehen zu werden und um uns mit den Menschen zu mischen“, sagt dann auch Ute Steineke vom Kulturhaus Pusdorf.

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Wie bei dem Projekt „Sehnsucht Ankommen“ aus dem Jahr 2018 solle die Geschichte des Stadtteils hörbar gemacht werden, und es gehe darum, das Tabakquartier zu beleben. Alte Geschichte Pusdorfs sei das Tabakquartier nämlich. Das Projekt sei dann eine gute Gelegenheit, sich mit den Menschen im Stadtteil bekannt zu machen. „Eine musikalische Begegnung mit Profis, Amateuren und Laien“, sagt Marko Gartelmann von den Bremer Philharmonikern.

Bewohnern den Eingang in das Quartier ermöglichen

Der musikalische Spaziergang durch den Stadtteil soll an einer großen Halle eines Holzhändlers an der Weser starten und dann in Richtung Tabakquartier am Marktplatz vorbeiführen. Durch die Dötlinger Straße soll es dann eine Open-Air-Bühne auf dem Parkplatz des Kleingartenvereins geben, dann am Spielplatz vorbei zur Casa Reha, um auch die Stadtteileinrichtungen einzubeziehen. „Dann geht es ins Tabakquartier, wo wir bei den Bremer Philharmonikern im Saal enden“, sagt Ute Steineke. „Wir wollen den Bewohnern den Eingang in das Quartier ermöglichen.“

Mit einer einstimmig beschlossenen Stellungnahme zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan am Lankenauer Höft endete die Sitzung des Beirates Woltmershausen. Das Gremium begrüßt die Planungen und meint, dass viele Ideen und Forderungen aus dem Beteiligungsverfahren und aus den Beschlüssen des Beirates gut umgesetzt worden seien: „Besonders begrüßt der Beirat den öffentlichen Rundweg um die Halbinsel.“ Die Stadtteilpolitiker wünschen sich ferner, dass mit der Umsetzung des Bauvorhabens „auch die Nutzung des Radarturms für die Öffentlichkeit“ weiter vorangebracht werde.

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Für die Abriss- und Bauphase am Lankenauer Höft fordert der Beirat ein abgestimmtes Verkehrskonzept – konkret bedeutet das, dass eine Zuwegung über die Senator-Borttscheller-Straße und über den Wasserweg möglich gemacht werden soll. „Gleiches gilt für Großveranstaltungen, hier ist der Ausbau des ÖPNV und der Fährverbindung sicherzustellen“, heißt es in der Stellungnahme.

Zudem müsse die Buslinie 24 bis zum Lankenauer Höft verlängert und die Endhaltestelle entsprechend verlegt werden. Abschließend heißt es in der Stellungnahme: „Um den Weserradweg wirklich an der Weser durch Bremen zu führen, muss für die Zukunft das Lankenauer Höft mit einer Fähre nach Seehausen verbunden werden.“

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