Marietta Armen porträtierte Frauen aus dem Quartier Mutige Woltmershauserinnen

Woltmershausen. 'Ich krieg immer noch Gänsehaut. Meine Güte, was machen sie nur mit mir?', fragt Marietta Armena und reibt sich den linken Arm. Jedem der Anwesenden im Kulturhaus Pusdorf huscht ein Lächeln über die Lippen. Besonders angesprochen fühlen sich die zehn Frauen aus Woltmershausen, mit denen die Künstlerin in den vergangenen sechs Monaten intensiv zusammengearbeitet hat. Zur Eröffnung der Ausstellung 'Frauen in Woltmershausen' haben sie sich alle festlich angezogen - jede auf ihre eigene Art.
10.03.2010, 13:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Angela Niggemeyer

Woltmershausen. 'Ich krieg immer noch Gänsehaut. Meine Güte, was machen sie nur mit mir?', fragt Marietta Armena und reibt sich den linken Arm. Jedem der Anwesenden im Kulturhaus Pusdorf huscht ein Lächeln über die Lippen. Besonders angesprochen fühlen sich die zehn Frauen aus Woltmershausen, mit denen die Künstlerin in den vergangenen sechs Monaten intensiv zusammengearbeitet hat. Zur Eröffnung der Ausstellung 'Frauen in Woltmershausen' haben sie sich alle festlich angezogen - jede auf ihre eigene Art.

Kunterbunte Kleider aus Ghana und Sri Lanka, die traditionell hochgeschlossene Landestracht der Vietnamesen in hellblau oder die gewohnte deutsche Schlichtheit - die Frauen präsentieren sich, wie sie sich wohl fühlen. Die Zeichnungen an den Wänden zeigen die Woltmershauserinnen so, wie Marietta Armena sie in den vielen Treffen und Gesprächen erlebt hat. Die Frauen stammen aus Ghana, Sri Lanka, Vietnam, Portugal, Kroatien, und Deutschland. Sie alle leben im gleichen Stadtteil und geben ein fröhliches, buntes Bild ab.

Die ausgestellten Werke von Marietta Armena sind dagegen in schlichtem Schwarz-Weiß gehalten. Sie zeigen jeweils eine Frau an ihrem Lieblingsort in Bremen, oder aber in einer für sie typischen Umgebung oder Haltung. Die 49-Jährige weist auf die Einzigartigkeit jedes Porträts hin. 'Es war nicht einfach, diese wahnsinnige Fülle an Eindrücken zu reduzieren. In jedem einzelnen Bild steckt die wunderbare Identität der Frauen.'

Das Ziel des Projektes war es, die Begegnung von einheimischen und zugezogenen Frauen in Woltmershausen zu fördern. Marietta Armena kam 1993 aus Armenien nach Bremen und weiß ganz genau, was es bedeutet in einem fremden Land zu leben. Es scheint ganz natürlich und verständlich zu sein, dass Berührungsängste herrschen wenn man in eine fremde Umgebung gelangt. Vorurteile, denen man sich nicht durch mutige Konfrontation stellt, verhärten sich und führen in vielen Fällen zu Isolation. Im vergangenen Sommer hatte die freischaffende Künstlerin aus dem Viertel die Idee, Frauen aus Woltmershausen, die im Alltag meist unscheinbar im Hintergrund bleiben, zusammenzuführen und in den Mittelpunkt zu rücken.

Christa Klasen las im Oktober davon und war sofort begeistert. 'Da wollte ich mitmachen. Sich endlich mal kennenzulernen und etwas miteinander zu machen, das war ganz toll', resümiert sie. Zufrieden ist sie auch mit dem Ergebnis, das an der Wand hängt.

Ganz gezielt hat Marietta Armena Frauen im Stadtteil angesprochen. Auf der Straße, an der Bushaltestelle, im Supermarkt. Überall dort, wo man sich eigentlich täglich über den Weg läuft und sich trotzdem fremd bleibt. 'Die mutigsten Frauen Woltmershausens' - diesen Titel verlieh die Künstlerin den Teilnehmerinnen des Projektes. Aus den anfänglichen Gruppentreffen wurden mit der Zeit individuelle Einzelgespräche. Nicht selten wurde Marietta, wie sie von allen gerufen wird, zu den Frauen nach hause eingeladen. Immer mit dabei hatte sie Stift und Papier. So entstanden viele Skizzen und Charakterstudien.

Marietta Armena fühlt sich geehrt, dass ihr soviel Vertrauen entgegengebracht und Persönliches anvertraut wurde. Manchmal fühlte sie sich vor lauter Eindrücken aber auch wie vom Blitz getroffen. Zum Beispiel an dem Tag, als ihr Vera Nkrumah aus Ghana in einem schrillen, zitronengelben Gewand die Tür öffnete. Die Erzählungen, die sie zu hören bekam, seien hollywood-reif gewesen. 'Mit diesen Frauen, da kann keine Promi-Geschichte aus den Medien mithalten', erzählt Armena. Bei den individuellen Begegnungen soll es nicht bleiben: Die neuen Bekanntschaften sollen gepflegt werden. So ist für die wärmeren Tage bereits ein kleines Grillfest geplant.

Viele Gemeinsamkeiten

Allen ist durch das Projekt klar geworden: Man hat viel mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Manche Vorurteile und Unterschiede bestätigen sich dann aber doch, zumindest was die Kochgewohnheiten angeht. Das finden jedenfalls Vera Nkrumah und Ann Grace Kokilan: 'Die Deutschen müssen immer alles ganz genau abmessen - aufs Gramm genau. Das gibt es bei uns nicht', erzählen sie lachend. Aber alle finden: Hauptsache es schmeckt.

Die Ausstellung läuft noch bis Freitag, 26. März, im Kulturhaus Pusdorf, Woltmershauser Straße 444. Der Eintritt ist kostenlos. Die Öffnungszeiten sind dienstags und freitags von 11 bis 13 Uhr sowie montags und donnerstags von 15 bis 17 Uhr. In der Karwoche kann die Präsentation montags von 10 bis 13 Uhr und dienstags von 15 bis 18 Uhr besucht werden.

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