Verirrte LKW in Woltmershausen Neuer Name für Hempenweg

Immer wieder stecken 30 Tonner im bewohnten Teil des Hempenwes fest. Tatsächlich ist ein anderer Abschnitt der Straße als Wegstrecke für LKW gedacht. Lösung wäre ein neuer Name, doch die Behörden zieren sich.
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Von Eva Przybyla

Der LKW kann weder vor noch zurück und erst recht nicht wenden. Also nimmt er den einzigen Ausweg – den schmalen, zugeparkten Hempenweg auf der rechten Seite. Die Kurve ist so eng, dass der Lastwagen schon dort mehrere Außenspiegel von parkenden Autos abfährt. In der Anwohnerstraße steckt er schließlich fest. Der LKW-Fahrer setzt zurück und richtet noch mehr Schaden an. Diese Szene spielt sich nach Angaben mehrerer Mitglieder des Woltmershauser Beirats mindestens einmal die Woche ab. Meistens müssten Anwohner dann die Polizei rufen, damit sie die Lastwagen wieder aus der Einbahnstraße lotst.

Anwohner und der Woltmershauser Beirat wollen das nicht länger hinnehmen. Auf der jüngsten Sitzung beschloss der Beirat einstimmig, erneut einen Antrag beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV) zu stellen. Das geht aus einer Mitteilung der Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon hervor. Das Ziel: Der Teil des Hempenwegs auf der Seite des Tabakquartiers – zwischen der Hermann-Ritter- und der Senator-Apelt-Straße – soll umbenannt werden. Die von Anwohnern besiedelte Seite des Hempenweges zwischen der Hermann-Ritter- und der Woltmershauser Straße soll ihren Namen beibehalten. „Seitdem der Hempenweg aus zwei getrennten Teilen besteht, verirren sich immer wieder LKW-Verkehre in den Wohnstraßenabschnitt und führen dort zu erheblichen und unnötigen Belastungen“, heißt es in der Begründung.

Weg ins Industriegebiet

Der Spielplatz sei erst vor ein paar Jahren auf dem Hempenweg errichtet worden, erinnert sich Emil Gerke (SPD). Er ist Mitglied des Fachausschusses Bau, Häfen, Verkehr, Wirtschaft in Woltmershausen und fordert schon seit Jahren die Umbenennung des abgeschnittenen Hempenwegs, der in das Industriegebiet führt. „Seitdem der Spielplatz da ist, hängen die LKWs im Hempenweg fest“, sagt er.

Meistens würden sie von der Woltmershauser Straße versuchen, auf den Hempenweg zu fahren. Weil der aber eine Einbahnstraße ist, würden sie über die parallele Huder Straße und dann die Mittelkampstraße ihr Glück versuchen. Dort sei der Hempenweg in Richtung des Tabkquartiers dicht – abgesperrt für den Spielplatz. Wenn die LKWs dann über den offenen Hempenweg auf die Woltmerhauser Straße zurückfahren wollten, klemmten sie fest. „Ich habe das schon so oft miterlebt, dass ich mittlerweile den LKW-Fahrern nicht mehr helfe“, sagt Gerke, der seit 60 Jahren im Hempenweg wohnt. Ein Ende sei nicht in Sicht.

Auch Karin Bohle-Lawrenz (FDP) beklagt, dass sie jede Woche wieder einen LKW beobachte, der sich in die enge Straße schiebe. Für das Bauausschussmitglied ist klar: „Die LKWs werden falsch geschickt.“ Bei Befragungen vor Ort hätten die Lastkraftwagenfahrer gesagt, dass ihnen der Hempenweg als Umfahrungsoption gegeben worden sei. Meistens wollten sie zum Güterverkehrszentrum Bremen (GVZ). „Sie fahren nach einem alten LKW-Führungsnetz, in dem der Hempenweg noch durchfahrbar ist“, erläutert Bohle-Lawrenz. In dem aktualisierten sei zwar der Spielplatz drin, aber die Firmen gäben den Fahrern dieses Wissen nicht mit. Stattdessen hielten sie die Fahrer dazu an, Schleichwege zu nutzen. „Sie wollen die Autobahngebühr vermeiden“, erklärt die Woltmershauserin.

Falsche Navigationsgeräte

Häufig seien jedoch auch die Navigationsgeräte das Problem. „Besonders ausländische Speditionen rüsten ihre LKWs mit Navigationssystemen für PKWs aus“, kritisiert Bohle-Lawrenz. Dementsprechend zeigten die Geräte den Fahrern Wege an, die nur für Kleinwagen zugänglich sind. Passten ihre Fahrzeuge dann nixht in die Straßen hinein, müssten sie häufig bis zum Lankenauer Höft steuern, um wenden zu können. „Dann fahren sie wütend und mit hoher Geschwindigkeit zurück“, sagt das Beiratsmitglied. Die eigentliche Ursache für das LKW-Chaos im Stadtteil ist für sie jedoch die überlastete Stephanibrücke, die noch immer nicht saniert worden sei.

Gegen das LKW-Chaos in Woltmershausen kann der Stadtteil laut Beiratssprecherin Edith Wangenheim (SPD) seit Jahren nichts ausrichten. Der Beirat habe mit Schildern bereits Sackgassen für LKWs ausgewiesen. „Aber die Mitarbeiter in den LKWs achten nicht auf die Schilder“, beklagt Wangenheim. Selbst Sackgassenschilder würden nicht wirken. Sie würden nur auf die Straßennamen schauen. Die Umbenennung ist für Wangenheim deshalb die einzige Lösung. Einen enstprechenden Antrag habe der Bauausschuss bereits im vergangenen Jahr bei der ASV gestellt. Die Behörde lehnte jedoch ab.

Es seien zu viele Hausnummern betroffen, steht in dem Schreiben der Behörde. Wangenheim vermutet ein Missverständnis: „Wir meinten doch den anderen Teil des Hempenwegs.“ Denn der Abschnitt vor dem neuen Justus Grosse GmbH Business Park sei unbewohnt.

Die Leiterin des ASV, Brigitte Pieper, sieht den Fehler jedoch woanders: „Über Straßenumbenennungen entscheidet nicht die Behörde, sondern der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr.“ Dort müsste der Beirat auch den Antrag stellen. Erfolg habe eine Umbenennung nur, wenn dies „unter übergeordneten Gesichtspunkten“ nötig sei. „Das ist meistens bei Straßen der Fall, die nach NS-Größen benannt sind“, erläutert Pieper. Grundlage dafür ist ein Bremer Grundsatzbeschluss aus dem Jahr 1965. „Damit hat sich die Stadt selbst eine hohe Hürde gesetzt“, sagt die ASV-Leiterin.

Wird der neue Antrag des Woltmershauser Bauausschusses genehmigt, wird es für die Stadt teuer, weiß Bauausschussmitglied Gerke. „Das ist eine Kostenlawine“, sagt er. Alle Adresseinträge des Hempenwegs müssten bundesweit in allen Karten und amtlichen Registern geändert werden. Die Kosten trage nicht der Beirat, sondern die Stadt Bremen. Für den Woltmershauser bleibt die Umbenennung trotzdem der einzige Weg.

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