Zukunftskonzepte fürs Lankenauer Höft

Schwimmbad in der Weser

Architekturstudenten aus Oldenburg haben interessante Gestaltungs- und Nutzungskonzepte für die Bremer Weserhalbinsel Lankenauer Höft entwickelt. Ihre Pläne sind in der Markthalle Acht zu sehen.
11.07.2018, 16:30
Lesedauer: 4 Min
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Schwimmbad in der Weser
Von Ulrike Troue

Altstadt/Woltmershausen. Ein schwimmendes Schwimmbecken im Fluss, so wie es zum Beispiel Kopenhagen oder Wien vorweisen können, ist nur eine der interessanten Ideen für die künftige Gestaltung und Nutzung der Weserhalbinsel Lankenauer Höft junger Architekturstudenten aus Oldenburg. Auch Schwimmstege, Schaugärten, ein „Wald“ für die Sinne, verschiedene Eventflächen, die auch auswärtige Gäste anlocken sollen, ein kleiner See auf dem Hügel, ein Uferpark nur zum Thema Wasser oder ein aufwendig mit Brücken und allerlei Beleuchtungsmöglichkeiten neu geschaffener Erlebnispark für unterschiedliche Inszenierungen des grünen Geländes am Weserufer zeigen weitere Zeichnungen und Modelle. Die 16 Entwürfe sind bis Mittwoch, 18. Juli, auf der Empore der Markthalle Acht am Domshof zu sehen und könnten inspirierende Denkanstöße für die künftige Stadtentwicklung an so exponierter Stelle liefern.

Impulse für die ganze Stadt

Den Anstoß für die Planungen hat Hartmut Stechow gegeben, der in der Bremer Neustadt lebt und die Entwicklung am Lankenauer Höft interessiert verfolgt. Der Professor hat seine 35 Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Architektur an der Jade-Hochschule Oldenburg im Sommersemester die Aufgabe gestellt, eine Freiraumplanung als Fortführung des Weseruferparks zu entwickeln. Mit Unterstützung des Architekturstudenten Leif Hansen seien 16 Entwürfe entstanden, so Stechow, „die ein Potenzial für ganz Bremen haben“.

Die Studierenden sind sich nach seiner Aussage darin einig, dass das Lankenauer Höft für alle Bremer einen hohen Freizeitwert hat. Beim Zirkelschlag am „Kopf“ des Stadtteil Woltmershausen erkannten die angehenden Architekten, dass das Pier 2 auf der Gröpelinger Seite sogar dichter am Lankenauer Höft liegt, als Woltmershausen auf der linken Weserseite. Alle Konzepte seien außerdem barrierefrei geplant, hebt Hartmut Stechow hervor. Außerdem sei den Studenten wichtig gewesen, dass die vom Wasser umgebene Landzunge zu jeder Jahreszeit ein attraktives Besuchsziel sein sollte.

Von dem Schwerpunkt naturnahe Erholung am Wasser haben sich zum Beispiel Christine Wurzel aus Oldenburg und ihre Kommilitone Sarah Gottemeyer aus Bremen bei ihrem Entwurf leiten lassen. „Unser Konzept heißt: Anfang gleich Ende“, erklärt Wurzel und weist auf das neue Wegesystem auf mehreren Ebenen hin, das auf einzelne Nutzerinteressen ausgelegt ist. Ein Rundweg am Ufer ist zum Beispiel als äußerer Ring nur für Radler angedacht. Wie ein Y wirken die für Fußgänger reservierten Strecken, die zum Restaurant und zur neu angelegten Wasserfläche daneben als „kleine Insel auf der Halbinsel“ führen sollen.

Natur erleben und Sport sind zentrale Aspekte, die sich ganz vielfältig ausbauen lassen. Das zeigen die unterschiedlichen studentischen Entwürfe auf, die sich auch Fachleute angesehen haben. Denn in der Jury für den flankierenden Gestaltungswettbewerb, den Georgios Koutelidas, Irina Zerrr und Kira Heckmann gewonnen haben, saßen Landschaftsarchitekt Charly Schreckenberger, zu dessen Referenzprojekten unter anderem der Rhododendron-Park gehört, und Holger Bruns, der jahreslang in der Pressestelle des Senators für Wirtschaft, Arbeit und Häfen und nun als Sprecher der bremischen Hafengesellschaft Bremenports die Entwicklung der Weserhalbinsel Lankenauer Höft begleitet.

Auch Klaus-Peter Fischer, ehemaliger langjähriger Leiter des Ortsamtes Neustadt/Woltmershausen, und Thomas Stefes als Hausherr der Markthalle Acht und geschäftsführender Gesellschafter von „Stefes Bau“, haben die Entwürfe ebenfalls beurteilt und sich bei der Ausstellungseröffnung nur positiv über die Vielzahl an Ideen geäußert. „Unser Ziel war es, einen Anstoß zu geben, um Gedanken konkretisieren zu können“, betonte Professor Hartmut Stechow mit Blick auf die Bremer Verantwortlichen für die Stadtentwicklung, insbesondere die politischen Entscheidungsträger.

Spannende Erlebnisräume

Die Woltmershauser Beiratssprecherin Edith Wangenheim hat sich die studentischen Entwürfe bereits angesehen und von den angehenden Architekten erläutern lassen. Die Bandbreite der Arbeiten offenbart eine große Palette an denkbaren Nutzungsmöglichkeiten, wenn der Fantasie freien Lauf gelassen werden kann und es keinen finanziell vorgegebenen Rahmen gibt.

So wird in einem der studentischen Entwürfe das grüne Gelände strikt in die Bereiche Natur erleben mit Ruhe- und Spielflächen zur Weser hin und einen Campingsplatz in Richtung Neustädter Hafen geteilt. An den „Kopf“ des Stadtteils Woltmershausen wird in Verlängerung des Turms dabei ein schwimmendes Bad in den Fluss eingebaut. Nach Ansicht von Professor Stechow eine zusätzliche Attraktion für die gesamte Stadt und auch auswärtige Besucher. In mehreren Konzepten sind zudem Strandbereiche oder Ankerplätze auch für private Boote vorgesehen.

Spannende Erlebnisräume zeichnen sich ab, wenn themenbezogen geplant wird. So ist für eine Studentengruppe etwa bei der gezielten Ausrichtung aufs Thema Wasser denkbar, eine Wassergrotte, kletternde Würfel, Inszenierungen mit Wasser, einen Wasserspielplatz und tropische Tropfen umzusetzen. Der Entwurf für einen „Contemplative Garden“ indes sieht verschiedene Schaugärten vor, die rasterförmig angelegt werden könnten.

Um die Natur das ganze Jahr über ins rechte Licht zu rücken und als wiederkehrendes Ausflugsziel attraktiv zu bleiben, hat eine Kleingruppe ein aufwendiges Modell mit besonderem Lichtkonzept und vielen Brücken entworfen. Die unterschiedliche Bepflanzung wirkt auf diese Weise zu verschiedenen Jahreszeiten immer wieder neu oder durch die individuell programmierbare Beleuchtung einfach auch ganz anders.

Weitere Informationen

Die 16 anregenden und vielfältigen Entwürfe der Architekturstudenten der Jade-Hochschule Oldenburg für die mögliche Nutzung und Gestaltung der Weserhalbinsel Lankenauer Höft sind bis zum 18. Juli in der Markthalle Acht, Domshof 8-12, zu sehen.

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