'Roter Sand' feiert 50. Geburtstag / Großes Jubiläumsfest am kommenden Donnerstag Von der Notunterkunft zur Reformschule

Woltmershausen. Mit ihren 50 Jahren gehört die Schule an der Butjadinger Straße in Woltmershausen nicht zu den älteren Semestern in Bremen. Die Grundschule Arsten beispielsweise ist vor etwa einem Jahr 150 Jahre alt geworden. Und das Alte Gymnasium in der Innenstadt trägt seinen Namen völlig zu Recht, kann es doch auf eine über 500-jährige Geschichte zurückblicken. Dagegen wirkt der 50. Ehrentag der Woltmershauser Bildungseinrichtung fast schon bescheiden.
18.11.2010, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Meyer

Woltmershausen. Mit ihren 50 Jahren gehört die Schule an der Butjadinger Straße in Woltmershausen nicht zu den älteren Semestern in Bremen. Die Grundschule Arsten beispielsweise ist vor etwa einem Jahr 150 Jahre alt geworden. Und das Alte Gymnasium in der Innenstadt trägt seinen Namen völlig zu Recht, kann es doch auf eine über 500-jährige Geschichte zurückblicken. Dagegen wirkt der 50. Ehrentag der Woltmershauser Bildungseinrichtung fast schon bescheiden.

Das Gebäude, das seit rund einem Jahr unter dem Namen 'Oberschule Roter Sand' firmiert, hat schon einiges mitgemacht: Ein paar Jahre nach der Gründung der Schule, im August 1960, krachte eine Decke ein. Nur weil an diesem Tag hitzefrei war, wurde kein Schüler verletzt. Ebenfalls in den 60er-Jahren diente die Penne als Notunterkunft für Flutopfer. Etwa 60 benachbarte Kleingärtner mussten vor den Wassermassen fliehen und fanden Unterschlupf. Auch die Schule selbst stand einige Male unter Wasser. Heute passiert das zwar nicht mehr, aber das Gebäude ist schwer angeschlagen.

'Eine Sanierung ist dringend erforderlich', sagt Schulleiter Gerd Ahrends deswegen. Aber gerade stehen für den 62-Jährigen andere Dinge im Vordergrund, nämlich die Jubiläumsparty. Die soll am kommenden Donnerstag steigen. Seit mehreren Wochen schon bereiten die fünften und sechsten Klassen ein rauschendes Fest vor. 'Wir spielen Szenen aus den fünf Jahrzehnten nach', erklärt die elfjährige Kim Frerich aus Seehausen. Gemeinsam mit Künstlern aus dem Kulturhaus Pusdorf bereiten Kim und ihre Klassenkameradinnen eine Art getanzten Jahresrückblick vor. Dabei sollen für jedes Jahrzehnt seit Gründung der Bildungseinrichtung ein gesellschaftliches und ein schulisches Ereignis nachgestellt werden. 'In den 60er-Jahren machen wir was zur Mondlandung', erklärt die zwölfjährige Sonja Schneider. Und natürlich wird auch die Flut thematisiert, als die Schule zum Rettungsanker für viele Verzweifelte wurde.

Zwei Schülerinnen moderieren

Moderiert wird das Fest von Jennifer Schierholz und Nadine Kippler, beide 15. 'Noch bin ich nicht aufgeregt, das kommt bestimmt noch', sagt Jennifer, die noch nie vor einer größeren Menschenmenge gestanden hat. Als Nadine gefragt wird, ob sie die Moderation freiwillig übernommen hat, druckst sie ein wenig herum. Dann sagt ihr Schulleiter lachend: 'Ich habe Nadine gefragt, ob sie das machen will. Und dann ist sie mir 14 Tage aus dem Weg gegangen.' Trotzdem glaube er, dass alles glatt gehen wird. Das denkt auch Nadine: 'Wir bereiten uns ja gut vor.'

Im Büro von Gerd Ahrends, der seit über 30 Jahren unterrichtet und seit etwa vier Jahren die Schule leitet, haben sich zwei Schülergenerationen versammelt. Die Zehntklässlerinnen Nadine und Jennifer sowie Lucie Thielbar, Kim und Sonja aus den fünften Klassen. Die Älteren sind noch in die 'Butjadinger' eingeschult worden, die jüngeren gehören zu den ersten der Reformschule 'Roter Sand'. Längeres gemeinsames Lernen, projektbezogener und ganztägiger Unterricht - das sind nur einige Schwerpunkte der neuen Oberschule. 'Das ist auch das Hauptthema, das uns im Lehrerzimmer immer wieder beschäftigt', sagt Ahrends. Seine Kollegen würden stets nach neuen Wegen schauen, die Reform zu meistern.

Als Gisela Koytek noch Harting mit Nachnamen hieß, waren komplizierte Schulreformen noch längst kein Thema an der Woltmershauser Schule. Koytek, die heute in Delmenhorst wohnt, gehört zu den ersten Schülern. 'Wir haben damals ganz viele junge engagierte Lehrer gehabt', erinnert sich die 65-Jährige. Einer von ihnen habe eine Theater-AG ins Leben gerufen. 'Dafür habe ich die Bühnenbilder gemalt.' Für die Jubiläumsfeier organisiert Koytek gerade ein Klassentreffen mit ehemaligen Schülern. Vor einigen Jahren hat sie schon einmal fast die ganze Klasse, immerhin rund 20 Schüler, von damals zusammengetrommelt. 'Ich hoffe natürlich, dass dieses Mal genauso viele kommen.' Der große Festtag in einer Woche wird für Koytek nicht nur zum großen Wiedersehen mit den Klassenkameraden. Das Schulgebäude hat die Delmenhorsterin seit über 50 Jahren nicht mehr betreten.

Die Jubiläumsfeier zum 50. Geburtstag der Schule steigt am Donnerstag, 25. November, ab 19 Uhr in der Mehrzweckhalle Roter Sand, Butjadinger Straße 21. Der Eintritt kostet zwei Euro. Tickets können im Sekretariat der Schule oder im Kulturhaus Pusdorf gekauft werden. Weitere Informationen im Internet www.schule-butjadinger.de oder unter Telefon 36196800.

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