92 infizierte Bewohner

Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Woltmershausen

Das gravierende Ausmaß eines Corona-Ausbruchs in einem Woltmershauser Pflegeheim löst im Stadtteil Bestürzung aus: 92 Bewohner haben sich infiziert, davon sind 18 bereits gestorben.
14.01.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karin Mörtel
Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Woltmershausen

Bislang sind 18 der 92 Infizierten Bewohner gestorben.

Tom Weller /dpa

Ein Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim hat laut Gesundheitsbehörde dazu geführt, dass Woltmershausen Mitte Dezember plötzlich im Stadtteilvergleich den höchsten Inzidenzwert von Neuinfektionen innerhalb von 14 Tagen pro 1000 Einwohner hatte. In den Kalenderwochen 50 und 51 war dieser Wert auf 5,34 angestiegen (siehe Grafik). Seither sind die Neuinfektionen zwar – dem stadtweiten Trend folgend – wieder auf 2,91 pro 1000 Einwohner innerhalb von zwei Wochen und damit auf einen relativ moderaten Wert gesunken. Woltmershausen führte die Rangliste der Stadtteile jedoch in den Kalenderwochen 52 und 53 bis Anfang Januar immer noch an. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor.

Lesen Sie auch

Wie die Gesundheitsbehörde mitteilt, sind seit Beginn des Ausbruchs insgesamt 92 Bewohnerinnen und Bewohner in dem Woltmershauser Pflegeheim infiziert worden. 18 Menschen sind demnach bereits an oder mit der Viruserkrankung gestorben. 44 sind wieder gesund, teilt Behördensprecher Lukas Fuhrmann mit.

Auch 44 Beschäftigte sind infiziert

Unter den Beschäftigten – die allerdings nicht alle in Woltmershausen gemeldet sind – gebe es zudem insgesamt 44 Fälle, 35 davon seien mittlerweile wieder genesen. Startpunkt des Ausbruchs ist offenbar der 11. Dezember gewesen. An diesem Tag lag der erste positive Befund bei einem Mitarbeiter im Rahmen eines regulären Schnelltests vor, „zeitgleich gab es zwei Verdachtsfälle unter den Bewohnerinnen und Bewohnern“, sagt Fuhrmann. Am 14. Dezember habe es dann die ersten positiven Laborbefunde gegeben.

Um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, stehe die gesamte Einrichtung aktuell weiterhin unter Quarantäne. „Das Gesundheitsamt ist regelmäßig vor Ort und macht auch regelmäßig Tests“, so Fuhrmann.

„Ich bin erschüttert über das Ausmaß des Ausbruchs“, sagt die Woltmershauser Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon. Ihr vorrangiges Gefühl sei Hilflosigkeit angesichts der vielen Todesfälle. „Ich finde es aber richtig und wichtig, dass das Gesundheitsamt den Vorfall intensiv begleitet.“

„Eine einfache Ursache lässt sich nicht ermitteln“

Warum sich das Virus in der Einrichtung in diesem Ausmaß ausbreiten konnte, ist offenbar noch unklar. „Eine einfache Ursache lässt sich nicht ermitteln“, so Fuhrmann. Allerdings erschwere erfahrungsgemäß ein auch in dem Woltmershauser Heim vorhandener hoher Anteil an Demenzkranken die Eindämmung des Infektionsgeschehens.

„Einer dementen Person Quarantäne auf dem Zimmer zu verordnen ist aufgrund der mangelnden Fähigkeit zur Einsicht ohne Freiheitsentzug kaum möglich“, schildert er das Problem. Das könne möglicherweise zu weiteren ungewollten Kontakten innerhalb der Einrichtung führen. „Alle Hygieneauflagen werden in der Einrichtung umgehend und in vollem Umfang umgesetzt“, bescheinigt Fuhrmann der Pflegeheimleitung.

Lesen Sie auch

Die Heimleitung teilt auf Anfrage schriftlich mit: „Wir tun alles, um eine Ausbreitung zu verhindern. Dazu stehen wir in engem Austausch mit den Behörden.“ Weiterhin würden die Mitarbeiter „unter höchsten Schutz- und Hygienebedingungen“ arbeiten.

Im Vorfeld keine Auffälligkeiten

Man gehe nicht davon aus, dass die Heimleitung fahrlässig gehandelt habe, heißt es auch aus der Sozialbehörde. „Die Einrichtungsleitung gilt in der Wohn- und Betreuungsaufsicht als kooperativ, die Einrichtung ist fachlich gut aufgestellt, gut geführt und es hat im Vorfeld keine Auffälligkeiten gegeben“, sagt Behördensprecher Bernd Schneider. Daher gebe es keinen Anhaltspunkt für Vorwürfe, „und wir sehen keinen Anlass, die Staatsanwaltschaft einzuschalten“.

Ein Blick auf die Gesamtzahl der Menschen in den Stadtteilen, die sich seit Auftreten des Coronavirus in Bremen im Frühjahr 2020 infiziert haben, mildert den Eindruck ab, Woltmershausen sei besonders stark betroffen: Im Bremer Süden weist Huchting mit 27,81 Fällen pro 1000 Einwohnern die meisten Infektionen auf, wenngleich aus dem Verlauf der Neuinfektionen bis Anfang Januar auch dort ablesbar ist, dass die Lage mittlerweile weniger kritisch ist als noch zum Höhepunkt der zweiten Infektionswelle in den Kalenderwochen 44 und 45 Anfang November.

Neustadt hat niedrigsten Wert links der Weser

Seit Februar sind in Obervieland 24,44 Fälle pro 1000 Einwohner nachgewiesen worden, Woltmershausen folgt mit 22,42 Fällen pro 1000 Einwohner auf Platz drei im Bremer Süden und die Neustadt hat mit 19,87 Fällen pro 1000 Einwohnern den niedrigsten Wert links der Weser.

Die Werte für die vergleichsweise kleinen Ortsteile Seehausen und Strom werden aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht. So soll vermieden werden, dass Rückschlüsse auf einzelne Haushalte oder gar Personen gezogen werden können.

Stadtweit führt der Stadtteil Osterholz die Statistik mit 30,63 Fällen pro 1000 Einwohner an. Die wenigsten Infizierten bezogen auf die Einwohnerzahl hatte dagegen Horn-Lehe mit 12,78 Fällen pro 1000 Einwohner seit Februar 2020.

In den Kalenderwochen 50 und 51 war der Wert für Woltmershausen sprunghaft auf einen Spitzenwert gestiegen.

In den Kalenderwochen 50 und 51 war der Wert für Woltmershausen sprunghaft auf einen Spitzenwert gestiegen.

Foto: WESER-KURIER · CIMEN

Info

Zur Sache

Feiertagseffekt bei Zahlen

Zu berücksichtigen bleibt: Der jüngste Auswertungszeitraum des Gesundheitsressorts bezieht sich auf die Kalenderwochen 52 und 53 und damit auf den Zeitraum, in dem aufgrund der Feiertage nicht in vollem Umfang getestet werden konnte. Das Ressort schlüsselt außerdem die Stadtteilzahlen für einen Zeitraum von jeweils zwei Kalenderwochen auf. Daher ist ein Vergleich mit den 7-Tage-Inzidenzwerten für die Gesamtstadt nur schwer möglich, zumal sich dieser auf Einwohnerzahlen von je 100.000 bezieht. Bisherige Höchststände der Infektionszahlen gab es in Bremen in den Wochen 44/45.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+