"Welle"-Verein zeigt Dampfer im Schaufenster

Woltmershausen. 1905 auf der Atlas-Werft in Woltmershausen vom Stapel gelaufen, ist er nun zurückgekehrt - der geschichtsträchtige Dampfer "Welle". In einem Schaufenster an der Woltmershauser Straße 145 präsentiert der Welle-Verein Fotos und Dokumenten.
25.11.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Volker Junck

Woltmershausen. 1905 auf der Atlas-Werft in Woltmershausen vom Stapel gelaufen, ist er nun zurückgekehrt - der geschichtsträchtige Dampfer "Welle". In einem Schaufenster an der Woltmershauser Straße 145 präsentiert der Welle-Verein Fotos und Dokumenten.

Vor nunmehr 105 Jahren als Bereisungsdampfer des Bauamtes für die Weser-Korrektion gebaut, schipperte der markante Dampfer durch ein abwechslungsreiches Schicksal. Die Bremer nahmen ab 1975 daran teil, nachdem der Dampfer vom österreichischen Gastronomen "Pepi" Heiss für 35000 Mark gekauft und als schwimmende Kneipe an die Schlachte gelegt wurde. Es folgten etliche Umbauten, die dem Schiff nicht gut bekamen. Für den Bau der Teerhofbrücke musste das Schiff Mitte der 90er-Jahre sogar um knapp 20 Meter verschoben werden, wofür Eigner Heiss von der Stadt 750000 Mark kassierte.

Im Lauf der Jahre brannte der Dampfer zweimal aus und wurde 1996 schließlich durch Sabotage an der Feuerlöschanlage versenkt. Tausende verfolgten an der Schlachte die vergeblichen Bemühungen von Heiss, das Wrack zu heben, bis es dann zum Liegeplatz des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Mittelsbüren geschleppt wurde. Von dort sollte die "Welle" eigentlich ihre letzte Fahrt zum Verschrotter antreten, was aber ein rühriger Verein verhinderte und den genieteten Rumpf - denn viel mehr war nicht übrig geblieben - im Jahre 2000 für eine Mark erwarb.

Nun begann die Wiederbelebung auf dem Bremerhavener Gelände der Spedition E. H. Harms. Aus dem Rumpf mussten 120 Tonnen Beton gebrochen werden. Die Deputation für Arbeit stellte 135000 Euro für Fördermaßnahmen von Langzeit-Arbeitslosen zur Verfügung. Stück für Stück bekam die "Welle" wieder ihr ursprüngliches Aussehen und Innenleben zurück. So auch den 1927 von der Bremerhavener Firma Ludolph gelieferten und wieder instandgesetzten Kompass. Der Verein sammelte Spenden ein und investierte unzählige Arbeitsstunden in die Restaurierung.

Im Oktober vergangenen Jahres schließlich hievte ein Bugsier-Schwimmkran den maritimen Oldtimer in sein Element zurück, wo er nun an der Salzpier des Fischereihafens vertäut liegt. Wo er in eineinhalb bis zwei Jahren seinen endgültigen Liegeplatz findet, steht noch nicht fest. Pressesprecher Bodo C. Wenz: "Auf jeden Fall nicht an der Schlachte, da er mit seinem hohen Schornstein nicht unter den Brücken hindurchpasst." Denkbar wäre ein Platz im Europahafen der Überseestadt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+