Senatsbeauftragter Martin Prange stellt sich auf Einladung der CDU Bremen-Nord einem „konstruktiven Dialog“

Stadtteilbudget für Bremen-Nord gefordert

Vegesack. 17:100 – ein solches Ergebnis in einem Handballspiel hätte deutliche Signalwirkung: Der Verlierer wäre ein Abstiegskandidat. In Bremen-Nord kommen rein statistisch 17 Arbeitsplätze auf 100 Einwohner.
30.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Grunewald

17:100 – ein solches Ergebnis in einem Handballspiel hätte deutliche Signalwirkung: Der Verlierer wäre ein Abstiegskandidat. In Bremen-Nord kommen rein statistisch 17 Arbeitsplätze auf 100 Einwohner. Die rot-grüne Landesregierung müsse den Notstand beheben, den Stadtteil mit einem eigenen Budget ausstatten und ihn zum Investitionsschwerpunkt machen, lautet deshalb die Forderung der nordbremischen CDU. Adressat war am Donnerstagabend während einer Diskussionsveranstaltung in der Strandlust der Senatsbeauftragte für Bremen-Nord, Martin Prange.

Der 54-jährige, der zehn Jahre lang als Büroleiter von Altbürgermeister Jens Böhrnsen und zuvor als Geschäftsführer der SPD-Bürgerschaftsfraktion gearbeitet hat, sollte sich in der Strandlust-Veranda einem „konstruktiven Dialog“ stellen. Diese Marschroute gab jedenfalls CDU-Kreisvorsitzender Rainer Bensch aus. Und die rund 50 Besucher in der Strandlust-Veranda hielten sich daran, parteipolitisch gefärbte Wortscharmützel blieben aus. Was nicht zuletzt dem rhetorischen und diplomatischen Geschick des Abteilungsleiters in der Senatskanzlei zu verdanken war, dem Böhrnsen-Nachfolger Carsten Sieling Anfang September den Zweitjob des Senatsbeauftragten für Bremen-Nord übertragen hatte.

Kein leichtes Unterfangen angesichts des notleidenden Stadtteils zwischen Grambke und Rekum, in dem vor allem Arbeitsplätze fehlen, wie der ehemalige langjährige Bürgerschaftsabgeordnete und nordbremische CDU-Ehrenvorsitzende Helmut Pflugradt unterstrich. Sein Appell an den Senat, Bremen-Nord zum Investitionsschwerpunkt zu machen, fand ungeteilte Zustimmung bei Prange. Überhaupt konnte sich der gebürtige Sauerländer während der Diskussionsveranstaltung der drei CDU-Stadtbezirksverbände Burglesum, Vegesack und Blumenthal mit den meisten Vorschlägen aus dem Plenum anfreunden. „Da bin ich bei Ihnen“, lautete seine Standardformel.

Die Klagen über einen Mangel an Arbeitsplätzen, attraktiven Gewerbeflächen und Wohnraum zogen sich wie ein roter Faden durch die gut anderthalbstündige Debatte. Stichwort Grohner Düne: Silvia Neumeyer, stellvertretende Vorsitzende und baupolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, hatte das neue Entwicklungskonzept im Vorfeld als Dokumentation des jahrelangen Versagens der Landesregierung bezeichnet; Martin Prange wertet es als Chance für eine Stabilisierung und auch für eine strukturelle Verbesserung des Wohnkomplexes.

Stichwort Bauamt Bremen-Nord: Etliche Diskussionsredner ließen kein gutes Wort an der Amtsleitung, warfen ihr Untätigkeit im Kampf gegen die Abwanderung junger Familien ins niedersächsische Umland vor. Prange hielt dagegen, das Baumt sei zu erhalten, aber auch personell besser auszustatten. Der Anwalt des Nordens: „Die Stadtgemeinde wird wachsen und eines Tages 600 000 Einwohner haben. Deshalb brauchen wir Wohnungen und auch das Baumt Bremen-Nord.“

Der von Rainer Bensch moderierte „konstruktive Dialog“ gestaltete sich am Donnerstagabend als Talk-Show der besonderen Art. Silvia Neumeyer sowie die beiden Blumenthaler CDU-Kommunalpolitiker Ralf Schwarz und Hans-Gerd Thormeier gaben die Themen vor, die Besucher fragten gezielt nach und Martin Prange beantwortete sie. Stets ohne Ausweichmanöver. Was Bensch als Steilvorlage nutzte: „Um Bremen-Nord voranzubringen, sind alle Kräfte zu bündeln.“ Womit er vor allem auch die politischen meint. Bensch: Alle nordbremischen Abgeordneten müssten gemeinsam an einem Strang ziehen und eng mit dem Senatsbeauftragten kooperieren. Anders formuliert, wenngleich nicht ausgesprochen: Die ganz große Koalition soll der Rettungsanker für Bremen-Nord werden.

Doch wenn er greifen soll, muss viel Geld die Weser hinunter fließen. So wie es einst nach Bremerhaven gelangte und die Seestadt aus dem wirtschaftlichen Tief holte. Hans-Gerd Thormeier forderte deshalb am Donnerstagabend ein Stadtteilbudget für den Raum Burglesum, Vegesack und Blumenthal, über das die nordbremische Kommunalpolitik eigenständig verfügen kann. Auch dafür zeigte der Senatsbeauftragte Verständnis. Prange, der sich als Lobbyist für Bremen-Nord versteht und einen Maßnahmenkatalog für die nächsten zehn Jahre ankündigte, wörtlich: „Eine gute Anregung“.

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