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Volkshochschule Bremen
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100 Jahre Wissen teilen

Detlev Scheil 19.01.2019 0 Kommentare

VHS-Direktorin Sabina Schoefer freut sich, dass rechtzeitig zum Jubiläumsjahr der Eingangs- und Innenbereich des Bamberger-Hauses in der Faulenstraße moderner gestaltet werden konnte.
VHS-Direktorin Sabina Schoefer freut sich, dass rechtzeitig zum Jubiläumsjahr der Eingangs- und Innenbereich des Bamberger-Hauses in der Faulenstraße moderner gestaltet werden konnte. (Scheitz)

Wer schon immer einmal hinter die Kulissen einer Feuerwehrwache, des Weserwehrs oder eines Buchverlags blicken wollte, sollte sich sputen: Die Bremer Volkshochschule (VHS) spendiert zu ihrem 100. Geburtstag – wie bereits in der Hauptausgabe berichtet – 100 Lernsalons, die genau das und vieles andere bieten. Und zwar kostenlos. Allerdings sind die Plätze limitiert. Schnelle Anmeldungen entscheiden über die Teilnahme. Wer spät dran ist, kann sich auf eine Warteliste setzen lassen.

Das jetzt erschienene und an vielen Orten in der Stadt erhältliche neue VHS-Programmheft für den Frühling und Sommer 2019 listet die ersten 53 Salons auf, darunter auch eine Taschenlampenführung abends im Haus des Reichs (Finanzamt) sowie ein Einblick beim Filmemacher Eike Besuden. Eine Übersicht mit den weiteren Lernsalons in der zweiten Jahreshälfte wird im Programm für den Herbst und Winter veröffentlicht. 

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„100 Jahre Bildung teilen“ lautet das Motto des neuen Programmheftes. So wie heute in den sozialen Netzwerken Twitter, Facebook und Co. Wissen geteilt wird, teilen VHS-Dozenten mit ihren Kursteilnehmern bereits seit 100 Jahren Kenntnisse und Fertigkeiten. Im neuen Programm mit annähernd 3000 Kursen folgt die VHS diesem Prinzip sowohl analog als auch digital. Neu sind zum Beispiel sechs Online-Kurse rund um die Fotografie und Bildgestaltung, die von Simone und Rainer Hoffmann geleitet werden. Diese Kurse sind eine Alternative für alle, die sich weitgehend unabhängig von Ort und Zeit weiterbilden wollen. 

Die „vhs.cloud“ kommt

Sogenannte Online-Webinare am heimischen PC werden im Bereich der beruflichen Bildung angeboten, etwa zur Finanzbuchführung oder zum Controlling. „Digitales Lernen und Lehren wird an der Bremer Volkshochschule kontinuierlich ausgebaut“, sagt Direktorin Sabina Schoefer. Die „vhs.cloud“ werde es künftig ermöglichen, jederzeit auch unterwegs auf Kursmaterialien und Inhalte zuzugreifen. Die bisherige Plattform zur Fortbildung der Dozenten zieht ebenfalls in die „vhs.cloud“ um.

Zu den Programmschwerpunkten gehört das Thema Nachhaltigkeit. Es finden sich etliche Angebote, die für einen nachhaltigen Lebensstil und für Fragen des Klimawandels sowie für fairen Handel sensibilisieren. Eine Veranstaltung über „Plastik im Meer: Wie stoppen wir die Plastikflut?“ ist für Mittwoch, 27. März, 18.15 Uhr, vorgesehen. Alternativ besteht die Möglichkeit, per Übertragung auf ein eigenes Gerät oder den heimischen PC daran teilzunehmen. Diese Online-Alternative wird auch bei der Veranstaltung „Kohleausstieg statt Klimakrise“ am 14. März, 18.15 Uhr, geboten. Traditionell üppig ist das Sprachenangebot an der VHS. Estnisch, Jiddisch, Japanisch oder Gebärdensprache – das sind nur einige  der eher ungewöhnlichen Sprachen, die die VHS im Frühling und Sommer im Programm hat.

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Die Bremer VHS ist nicht die einzige, die in diesem Jahr den 100. Geburtstag feiern kann. Bundesweit begehen mehr als 120 Einrichtungen dieser Art das runde Jubiläum. Auch wenn die individuellen Gründungsmonate unterschiedlich sind, so setzt das Jahr 1919 kurz nach Ausrufung der Weimarer Republik den Grundstein für die Entwicklung der öffentlich getragenen Weiterbildung. 

Erwachsenenbildung als Verfassungsauftrag

In keinem anderen Jahr wurden so viele Volkshochschulen neu gegründet. Der Grund: In der Weimarer Republik erhielt die Erwachsenenbildung Verfassungsrang. Im Artikel 148 der Reichsverfassung von 1919 wurde die Förderung der Erwachsenenbildung zur verpflichtenden Aufgabe für das Reich, die Länder sowie die Gemeinden erklärt. „Bremen hat jedoch gegen die Verfassung verstoßen und nicht gezahlt“, berichtet die Bremer VHS-Direktorin Sabina Schoefer. Es gab verschiedene Initiativen für eine Erwachsenenweiterbildung. Der Pastor, Sozialdemokrat und Kriegsgegner Emil Felden, der 1921/22 der Bremischen Bürgerschaft und 1923/24 dem Reichstag angehörte, scheiterte 1919 mit seinem Versuch, eine Volkshochschule zu gründen.

Es waren dann konservative und teils völkisch orientierte Kreise, die am Sonntag, 2. November 1919, um 11.30 Uhr im Bremer Gewerbehaus die Volkshochschule als Verein eröffneten. Der Mitbegründer und erste ehrenamtliche Leiter der Bremer VHS, der Lehrer Richard von Hoff, war „ein überzeugter Nationalsozialist“, wie der Bremer Historiker Jörg Wollenberg feststellt. Zusammen mit dem Kaffee-Hag-Chef Ludwig Roselius habe von Hoff schon vor 1933 die Monatsschrift „Rasse“ herausgegeben. Wollenberg: „Extremer Nationalismus und völkisches Denken kennzeichnen Richard von Hoffs Denken.“ Nach der Machtübernahme der Nazis wurde er Bildungssenator und hatte auch eine gehobene Position in der SS in Bremen.

25 Pfennig pro Stunde

Genau 1894 Teilnehmer, davon 787 Frauen, besuchten das erste Semester der VHS. Es gab 24 Dozenten, fast ausschließlich Lehrer höherer Schulen, hohe Beamte, Mediziner, Juristen und Geistliche. Die Hörer mussten 25 Pfennig pro Stunde zahlen. Zum Vergleich: Eine Straßenbahnkarte kostete damals 15 Pfennig. Heute sind es jährlich rund 56 000 Hörer bei etwa 5000 Veranstaltungen aus den Programmbereichen Fremdsprachen, Politik und Gesellschaft, Beruf und IT, Kultur, Gesundheit, Grundbildung und Deutsch als Fremdsprache. 900 Dozenten sind im Einsatz, darunter eine ganze Reihe von Spezialisten, die eine große und treue Fangemeinde haben.

Viel Wirbel gab es in Ende der 1970er-Jahre um die VHS, als sie bei der jährlichen Literarischen Woche dezidiert linken Schriftstellern wie zum Beispiel Erich Fried ein Podium gab. Die CDU reagierte empört. 1980 griff sogar SPD-Bildungssenator Horst Werner Franke ein, als die VHS den wegen versuchten Polizistenmordes rechtskräftig verurteilten Schriftsteller Peter Paul Zahl zum Literaturgespräch einlud. VHS-Direktor Karlheinz Schloesser wurde suspendiert, am Ende blieb aber nur ein Verweis übrig.

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2007 bezog die Volkshochschule das architektonisch bedeutende  Bamberger-Haus in der Faulenstraße, dessen Eingangs- und Innenbereich  im Vorfeld der 100-Jahr-Feier neu gestaltet wurden, sodass sie moderner wirken. Die Regionalstellen Nord, Ost, Süd und West erfreuen sich als dezentrale Anlaufpunkte ungebrochener Beliebtheit. In der VHS am Hauptbahnhof befindet sich das IT-Zentrum und in der Faulenstraße 67 das Sprachenzentrum für Deutsch als Fremdsprache. Seit 2017 entsteht in der Plantage 13 zudem ein „VHS-Experimentierlabor“. Dort ist seit 2018 auch die Fachstelle für Alphabetisierung zu Hause.

Weitere Informationen

Das Programmheft Frühling/Sommer 2019 liegt jetzt in vielen Buchhandlungen, den Stadtbibliotheken sowie in Sparkassenfilialen kostenlos aus und kann im Internet unter www.vhs-bremen.de heruntergeladen werden. Anmeldungen zu den Kursen und den Lernsalons sind möglich online unter www.vhs-bremen.de, telefonisch unter 04 21 / 36 11 23 45 oder persönlich im Bamberger-Haus, Faulenstraße 69,  montags bis mittwochs von 9 bis 15 Uhr, donnerstags von 9 bis 18 Uhr.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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