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Denise Müller sprach bei Wissen um elf über ethische und ökologische Herausforderungen der Menschheit
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Kant in Zeiten des Klimawandels

Ina Schulze 13.02.2014 0 Kommentare

Haus der Wissenschaft Wissen um elf Denise Müller
Im Haus der Wissenschaft erörterte Denise Müller ethische Fragen, die sich angesichts der Klimaveränderungen stellen. (Roland Scheitz)

„Du siehst aber schlecht aus“, sagt ein Planet zur Erde. „Mir geht es nicht gut, ich habe Homo sapiens“, erwidert sie. Im Industriezeitalter verändert sich das Klima deutlich schneller denn je. „Die Menschheit war bei einer so gravierenden Klimaveränderung noch nicht dabei“, zitiert Denise Müller in der Reihe Wissen um elf den französischen Klimatologen und Glaziologen Jean Jouzel.

Die Doktorandin am Institut für Umweltphysik an der Universität Bremen hat sich mit Ethik und Klimawandel beschäftigt. Ihr Vortrag im Haus der Wissenschaft lief unter dem Titel „Moral global: Ethische Fragen in Zeiten des Klimawandels“. Denise Müller fragt beispielsweise, ob es eine moralische Verpflichtung gibt, nationale oder individuelle Treibhausgasemissionen zu begrenzen, um die Klimaveränderung zu minimieren. Klimawandel, stellt die Wissenschaftlerin klar, sei ein sehr menschliches Problem. Dabei stelle sich zwangsläufig die Frage, wer eigentlich für die Veränderungen verantwortlich sei und wer etwas dagegen unternehmen sollte.

Menschen haben im Laufe der Klimadiskussionen unterschiedliche Reaktionen auf Umweltveränderungen entwickelt. Zum Beispiel Leugnen: Zunächst bestritten viele, dass es überhaupt einen Klimawandel gebe. Es war die Rede von einer Panikmache. Dann Skepsis: Es wurde von einer Theorie gesprochen, die noch gar nicht bewiesen sei. „Und schließlich Ohnmacht“, sagt Denise Müller. Denn der Klimawandel sei nicht mehr aufzuhalten. Denise Müller stellt sich die Frage, ob diese menschlichen Impulse ethischen Überlegungen standhalten. Dabei weist sie darauf hin, dass es im Wesentlichen drei Gründe gibt, warum eine Klimaethik ein schwieriges Thema ist.

„Erstens: Zerstreuung von Ursache und Wirkung“, sagt Müller. Das heißt, wenn man in Deutschland Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Atmosphäre entweichen lässt, dann ist das ein globales Problem, dessen Folgen allerdings erst in der Zukunft deutlich spürbar werden. Der zweite Punkt ist die sogenannte Fragmentierung (Zerteilung) der Handlungsmacht. Nicht eine einzelne Person hat den Klimawandel verursacht, sondern das Problem ist das Resultat vieler einzelner Handlungen. Darüber hinaus ist Klimaethik ein schwieriges Thema auf Grund von unzulänglichen Strukturen. „Es gibt keine richtigen Institutionen, die die moralisch richtigen Handlungen durchsetzen können“, sagt Denise Müller.

Was sollte getan werden und wer sollte etwas tun, um dem Klimawandel entgegen zu wirken? Die Frage stand im Raum. Es gibt, stellt Müller klar, eine Fülle an verschiedenen Überlegungen und Abhandlungen. Sicher ist, dass man versuchen möchte, die Emission der Treibhausgase so zu reduzieren, dass die globale Erwärmung um maximal zwei Grad ansteigt. Eine zweite Möglichkeit sei die Anpassung. „Wir müssen Vorkehrungen treffen, um uns und Entwicklungsländer zu schützen“, sagt die Wissenschaftlerin. Darüber hinaus werde über eine Entschädigung gegenüber Ländern diskutiert, die zum Klimawandel kaum beigetragen haben, wie etwa viele afrikanischen Staaten. Außerdem versuche man den Klimawandel unter anderem mit Hilfe von Windkraft- oder Solaranlagen technisch zu verlangsamen.

Aber wer genau soll sich dieser Ideen und Vorschläge annehmen? Und wer genau ist nun ein Verursacher? In den USA liegt der durchschnittliche CO2-Verbrauch pro Kopf bei 17 Tonnen. In Deutschland sind es neun Tonnen CO2 pro Kopf und in Äthiopien 0,1 Tonnen. Da stellt sich die Frage, ob diese große Diskrepanz überhaupt gerecht ist und ob ein Staat handeln oder jeder Einzelne seinen Teil gegen den Klimawandel beitragen muss. „Der Klimawandel ist zutiefst ungerecht“, sagt Denise Müller, „denn die Menschen, die ihn verursacht haben, werden ihn nur zum Teil spüren.“ Der deutsche Philosoph Ottfried Höffe hat es als Eingriff in die Rechte anderer bezeichnet, wenn man zur Umweltzerstörung beiträgt. Denn die Atmosphäre ist eine gemeinsame und begrenzte Ressource der Menschheit. Ihre Kapazität, CO2 aufzunehmen, ist sehr begrenzt, wenn man das Zwei-Grad-Ziel erreichen möchte.

Sollte man nun weltweit die gleiche Pro- Kopf-Emission anstreben, wenn es aber doch Länder gibt, deren Bewohner deutlich mehr heizen müssen? Und wie verhält es sich mit den unterschiedlichen Bedürfnissen, was zum Beispiel die Elektronik angeht? Nach dem Verursacher-Prinzip sollen die Industrieländer für den Schaden aufkommen und die Initiative ergreifen.

Aber soll der Einzelne nun eigentlich auch etwas zum Schutz des Klimas beitragen, indem er nur noch eine Tonne CO2 pro Jahr verbraucht? „Das wird Ihnen Schwierigkeiten bereiten, da Sie nicht mehr alles essen könnten, wahrscheinlich umziehen müssten, kein Auto fahren und nicht mehr in den Urlaub fliegen könnten, und ob das dann reicht, weiß ich nicht“, gab Denise Müller ihrem Publikum zu bedenken. Der Effekt der Einsparung des Einzelnen ist denkbar gering – solange nur wenige umdenken. Welche Hypothese die richtige ist, wird interdisziplinär diskutiert. Aus Sicht der Moral ist der Einzelne gefordert. „Die Idee einer Pflichtenethik ist, dass man einfach das Richtige tun muss, unabhängig davon, was die anderen tun“, sagt Denise Müller. Nicht viel anders als in der Zeit der Aufklärung. Immanuel Kant (1724-1804) riet jedem Einzelnen, sich zu prüfen: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“


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Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
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