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Bauvorhaben im Viertel
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Bürgerinitiative lässt nicht locker

Matthias Holthaus 19.05.2019 4 Kommentare

Aleksandra Orcholski von der Bürgerinitiative Blumenstraße. erklärt: „Wir wollen lediglich eine maßstäbliche Bebauung.“ 
Aleksandra Orcholski von der Bürgerinitiative Blumenstraße. erklärt: „Wir wollen lediglich eine maßstäbliche Bebauung.“  (Roland Scheitz)

Als dem Gitarrenvirtuosen Yngwie Malmsteen einst geraten wurde, ein wenig langsamer zu spielen, weil weniger bekanntlich mehr sei, antwortete Malmsteen: „Wie kann weniger mehr sein? Das ist unmöglich: Mehr ist mehr.“ Es ist nicht anzunehmen, dass der schwedische Gitarrist das Bremer Viertel kennt, viele Bewohner des Viertels jedenfalls beschäftigen sich seit längerer Zeit mit der gleichen Frage: Ist weniger mehr?

Für Daniel Pflaum, Mitglied der Initiative gegen das geplante Bauvorhaben in der Blumenstraße, steht die Antwort fest: „Ein Stockwerk weniger ist unsere Idee eines Kompromisses, nicht unser Wunsch. Das darf nicht so beschlossen, sondern muss der nächsten Regierung überlassen werden.“ Ob die Politiker auf dem Podium des Alten Fundamts diese Kompromissidee aufnehmen, ist nicht gesichert. Das zahlreich erschienene Publikum, das die Podiumsdiskussion zur geplanten Bebauung der Blumenstraße verfolgt hat, sieht jedoch nicht nur den Umkreis der Blumenstraße durch das potenzielle Wohnhaus in Gefahr, sondern auch die Identität des Viertels. Zu wuchtig, zu hoch und zu teuer und damit ein Einfallstor für weitere Investoren, lautet die Befürchtung vieler Menschen, und diese Entwicklung schade nicht nur dem Gesicht, sondern auch der Sozialstruktur des Viertels.

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„Im Kern geht es um einen Konflikt von Privatinteressen: Investoren wollen Geld verdienen und Menschen, die im Umfeld wohnen, wollen es nicht schlechter haben“, charakterisiert Moderator Klaus Wolschner den Streit um den Bau des knapp 14 Meter hohen Hauses in der Blumenstraße. „Immer, wenn es um Privatinteressen geht, geht es auch um Allgemeingut“, sagt er. „Hier ist es die Stadtentwicklung.“ Gegen die Bebauung des jetzigen Garagenhofes habe auch die Bürgerinitiative nichts, meint Initiativenvertreterin Aleksandra Orcholski: „Wir wollen lediglich eine maßstäbliche Bebauung.“ Und ein gewisses Mitspracherecht, ein gewisses Maß an Bürgerbeteiligung, fügt Daniel Pflaum hinzu. Denn: „Gefühlt haben wir gar nichts erreicht, außer, dass wir die Nachbarschaft kennengelernt haben. Wir sind aber nicht einfach dagegen, sondern wir wollen uns konstruktiv beteiligen und einen Kompromiss erreichen.“

„Ist das noch maßstäblich für das Viertel?“

„Maßstäblich“, das ist ein Wort, das häufig fällt an diesem Abend, und das vom Architekten verbreitete Bild des geplanten Baus sei das eben nicht – maßstäblich. „Auf dem Bild gibt es die Sonne so, wie sie dort steht, in unseren Breiten nicht“, sagt Pflaum und zeigt auf das vom Architekturbüro entworfene Bild, das aussieht, wie solche Bilder nun einmal aussehen: schicke Fassade, spielende Kinder auf der Straße, sitzende und stehende Erwachsene. „Im Verhältnis zu den Treppenstufen, die normgerecht zwischen 18 bis 21 Zentimeter hoch sein müssten, ist die Frau dort 2,40 Meter groß“, bemängelt Pflaum. Der Block solle 14 Meter in die Tiefe gehen und ebenso nahezu 14 Meter in die Höhe, die umliegenden Häuser seien jedoch zehn Meter hoch: „Ist das noch maßstäblich für das Viertel?“

Robert Bücking (Grüne) sagt: „Das kann man so verantworten.“ Es habe einen Dialog gegeben, der zu einer Veränderung des Entwurfs geführt hätte. Zwar sei die Idee des einen Stockwerks weniger nicht aufgegriffen worden und auch nicht die Verminderung der Bebauung in die Tiefe. „Doch als Politiker muss ich abwägen. Wir bebauen einen zu 100 Prozent bebauten Garagenhof, wir brauchen Wohnraum. Ich habe zugestimmt, weil sonst das Projekt als Ganzes gescheitert wäre.“ Das wundert Claudia Bernhard (Linke): „Dieses Bauvolumen oder gar nicht? War das so?“, fragt sie und gibt die Antwort: „Nein.“ Sie finde es schade, dass die Beteiligung nicht gut gelaufen sei. Sie sage zwar nicht, dass hier nicht gebaut werden dürfe, doch wenn, dann deutlich verhältnismäßiger. „Ich meine, wir müssen das Paket noch einmal aufschnüren. Man redet hier vom ,urbanen Gebiet´, was es nicht ist, und das rechtfertigt nicht die Geschosshöhe. Es geht nach dem Willen des Investors, alles andere ist dem nachgeordnet.“

Für Peter Zenner (FDP) besteht der springende Punkt in der Tiefe und der Höhe: „Insgesamt wird es für die maßstäbliche Entwicklung nötig sein, in der gleichen Höhe zu bleiben. Ein Stockwerk weniger ist eine Überlegung wert. Ich hätte mir gewünscht, dass die Einwände besser abgearbeitet worden wären. Das ist keine gute Bürgerbeteiligung.“

Dirk Paulmann (CDU) als Mitglied des Beirates Mitte sagt, der Beirat sei den Menschen des Stadtteils verpflichtet. „Es galt abzuwägen, ob wir einen schlecht genutzten Garagenhof haben oder ein Wohngebäude. Die 76 Einwände haben wir beachtet und bewertet. Alle Fraktionen im Fachausschuss haben mit den Veränderungen durch den Runden Tisch und der Denkmalpflege zugestimmt. Ich denke, dass das Gebäude in der Maßstäblichkeit in das Viertel passt.“

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Arno Gottschalk (SPD) meint, man könne nicht nur an Quantität, sondern müsse auch an Qualität denken: „Daran mahnen uns die Bausünden. Bei diesem Entwurf wäre mehr drin gewesen.“ Die Angst der Anwohner, ihre Häuser könnten durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden, teilt Gottschalk aber nicht: „Da gibt es technische Lösungen. Und auch bei der Verschattung ist nach Papierlage keine negative Belastung zu sehen.“

Wim Petry, Stadtplaner aus dem Bauressort, sieht die Höhe und Dichte des geplanten Gebäudes als dem Charakter des Viertels angemessen. „Das ist ein Vorhaben, das sogar Flächen entsiegelt und es gibt zusätzliche Gründächer.“

Bettina Dettmers von der Initiative befürchtet dennoch, dass ein Präzedenzfall geschaffen werde, um solch eine verdichtete Bebauung durchzusetzen. „Wir kämpfen hier nicht für unser Viertel, sondern für die ganze Stadt.“ Robert Bücking sieht darin jedoch keinen Präzedenzfall: „Das wird im Einzelfall geprüft. Die Blumenstraße ist ein Einzelfall und ich sehe das nicht als dramatisch an, sondern als aushaltbar. Daran wird das Viertel nicht zugrunde gehen.“ Doch eine Anwohnerin ist anderer Meinung: „Was sollen wir tun, damit wir es hier nicht aushalten müssen, sondern gerne hier leben?“

Womöglich wird das Thema auf Wunsch der Initiative in der nächsten Bürgerschaft behandelt. „Wenn wir eine Debatte beantragen, dann wird das debattiert, das verspreche ich“, sagte die Abgeordnete Bernhard.


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Leserkommentare
suziwolf am 23.10.2019 12:39
@peteris:

„🦍-Theater“ - wäre das bessere Wort ?

„halloween and British Exit ...
there‘s not anymore a difference“ ...
Lemurer am 23.10.2019 12:38
Dazu fällt mir nur eins ein:

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