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Digitalisierung
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Das Internet als Fluch und Segen

CHRISTIANE MESTER 29.01.2019 0 Kommentare

(Roland Scheitz)

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Arbeit und das Werk von Literaten und Übersetzern? Über diese Frage tauschten sich die beiden spanischen Autoren Vicente Luis Mora und Ibon Zubiaur bei einem Podiumsgespräch im Wall-Saal aus. Der eine ist Literaturkritiker, der andere Philosoph und beide waren sich einig: Die Entwicklung lässt sich weder als etwas Gutes noch als etwas Schlechtes betiteln und dennoch verläuft sie alles andere als neutral.

Vicente Luis Mora verfasst Poesie, Erzählungen und Essays und das Internet, sagt er, legte den Grundstein dafür, dass seine Arbeit wahrgenommen wurde. Er veröffentliche viele seiner Texte auf einem Blog und dieser „Lautsprecher“, wie er sagte, habe ihm dabei geholfen, bekannt zu werden. Autoren profitierten auf vielfältige Weise vom technologischen Fortschritt. Mehr denn je arbeiteten sie ortsunabhängig, sie würden intensiver eingebunden in die Entscheidungen zum Design ihrer Werke und darüber hinaus ermögliche ihnen das Netz, auf vielfältige Weise in Kontakt mit der Leserschaft zu treten. Aus dieser Interaktion ergeben sich andere Sichtweisen, die in ein Werk einfließen, so Mora weiter. Ähnlich verhalte sich das in Bezug auf den Gedankenaustausch der Autoren untereinander. Verschickte ein Schriftsteller eine Vorabversion früher allein aus Kostengründen nur an einige wenige Kollegen und Freunde, lasse sich ein Manuskript heutzutage per E-Mail weit verbreiten und diskutieren.

Das Internet als Bindeglied

Das Internet beflügele sowohl die Verbreitung von Literatur als auch den Austausch darüber, fasste Mora zusammen. Allein im spanischsprachigen Raum verbinde das Netz etwa 550 Millionen Menschen miteinander. Die Liste der Vorteile ergänzte Ibon Zubiaur aus der Sicht eines Übersetzers. Begonnen habe er damit vor vielen Jahren ganz klassisch mit dem Kugelschreiber in der Hand, sagt er mit Blick auf die Übersetzerin, die im Wall-Saal mit auf dem Podium sitzt. Das auf Spanisch geführte Gespräch notiert sie handschriftlich und gibt die Redebeiträge für das Publikum anschließend auf Deutsch wieder. Im Vergleich dazu, so Zubiaur, verfüge er bei seiner Tätigkeit am PC über zahlreiche Internetdienste, die seine Arbeit erleichterten. Beispielsweise könne er mit wenigen Klicks anhand von unterschiedlichen Texten nachsehen, wie ein Wort in der Originalsprache verwendet wird. „Ist es ein feststehender Ausdruck oder ist es ironisch gemeint – Suchmaschinen sind ein phänomenales Instrument, um das herauszufinden“, sagte Zubiaur.

Die Digitalisierung habe viel Positives hervorgebracht und zugleich mindestens ebenso viele negative Auswirkungen. Eine Folge sei, berichtete Ibon Zubiaur aus seinem Berufsalltag, dass Verlage sowohl den Autoren als auch den Übersetzern eines Werks immer weniger Zeit für ihre Arbeit einräumten. So sei es in der Branche inzwischen üblich geworden, den Auftrag für die Übertragung eines Buches in eine andere Sprache nicht mehr nur an eine Person zu vergeben, sondern unter mehreren Übersetzern aufzuteilen.

Etliche Übersetzer an einem Buch

Es sei keine Seltenheit, dass zwei oder vier Übersetzer beteiligt seien, manchmal bis zu zehn, sagte Zubiaur und wendete sich direkt an das Publikum im Wall-Saal: „Achten sie mal auf die Angaben, wenn sie ein Buch kaufen, da stehen oftmals mehrere Namen.“ Drohe die Namensliste zu lang zu werden, sei man gar dazu übergegangen, dem Übersetzer-Kollektiv einen fiktiven Namen zu geben. Der Leser werde getäuscht.

Dass jeder seine Gedanken und Ideen im Internet veröffentlichen könne, sei ein Fortschritt, darin waren sich beide Redner im Grundsatz einig. Im selben Zuge führe dies jedoch geradewegs in die Verarmung. Zum einen monetär betrachtet, aufseiten der Urheber – Schriftsteller, Übersetzer und Journalisten würden von ihren Auftraggebern immer schlechter bezahlt – und zum anderen inhaltlich gesehen, auf der gesellschaftlichen Diskursebene. Sowohl die immer stärker ausgeprägte „Dumping-Tendenz“, so Zubiaur, die sich in der Branche abzeichne, als auch die ungefilterte Veröffentlichung von Meinungen im Netz, hätten einen Qualitätsverlust zur Folge und dies wirke sich letztlich zum Nachteil aller Menschen in einer Gesellschaft aus. „Ich stelle eine Banalisierung der Debatte fest“, schloss Ibon Zubiaur.

Die Podiumsveranstaltung fand unter dem Titel „Die digitale (R)evolution – Traum oder Albtraum?“ im Rahmen der 43. Literarischen Woche statt.


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Leserkommentare
admiral_brommy am 19.10.2019 13:20
Durchaus nicht.



Bildungserfolg hängt immer von diversen Faktoren ab. Daher ist es Aufgabe der Politik, diese Faktoren so ...
suziwolf am 19.10.2019 13:17
@Siegfried ...

Sie machen aber jetzt die Idee der BI zum
regelrechten Mischmasch.

• Produktion von Aluminium ...
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