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Vernissage im Wall-Saal
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Ein Künstler kommt auf den Punkt

Britta Kluth 04.05.2019 0 Kommentare

Bloß nicht kleckern: Bei den Farbfeld-Kunstwerken des gebürtigen Bassumers ist höchste Präzision gefragt.
Bloß nicht kleckern: Bei den Farbfeld-Kunstwerken des gebürtigen Bassumers ist höchste Präzision gefragt. (H.BAQUE)

Dass dieser Mann einmal Angst vor Farben hatte, kann man sich kaum vorstellen. Seine oft großformatigen Bilder explodieren förmlich vor Farbintensität, Licht und Vitalität. Erst von Nahem wird klar, mit wie viel Liebe für Details der freischaffende Künstler Günter Scharein aus Berlin ans Werk geht: Tausende kleiner Farbpunkte verschmelzen zu abstrakten Farb- und Raumflächen. Zu sehen sind sie ab Mittwoch, 8. Mai, im Wall-Saal der Bremer Stadtbibliothek. Die Vernissage beginnt um 18 Uhr im Beisein des Künstlers, der den Fragen von Galerist Dirk Geuer und David Rönker von der Osnabrücker Zeitung Rede und Antwort steht. Moderiert wird das Künstlergespräch von Markus Klimmer, Vorstand des Bauhaus-Archivs.

„Kunst auf den Punkt gebracht – die Leichtigkeit der Anstrengung“, so der Titel der Ausstellung – auch ein Hinweis auf den künstlerischen Prozess, der einen enormen Arbeitsaufwand mit sich bringt. Denn auf einem Quadratzentimeter befinden sich rund zwölf filigrane Farbpunkte, die aus der Nähe eine ganz andere Betrachtungsweise zulassen. Je weiter man sich entfernt, desto mehr Bewegung kommt in die Farbflächen. „Meine Bilder sind eine intensive Auseinandersetzung mit der Wirkungsmacht und dem Charakter von Farben“, sagt der Künstler, der seinen Nachnamen kurzerhand zu seinen Künstlernamen machte. „Dabei verändern der Betrachtungswinkel und die Lichtverhältnisse die Stimmung und erzeugen immer wieder andere Emotionen.“

Arbeitete er anfangs noch gegenständlich, so wendete sich Scharein schon bald dem Abstrakten zu. Bevor er auf den Punkt kam, beschäftigte er sich zunächst mit den Grundformen, auf die spiralförmige und dreidimensionale Formen folgten. Lange Zeit malte er nur in Schwarz und Weiß, bis er sich Schritt für Schritt den Farben zuwendete. „Mich störte plötzlich die Form, als ich mit Farben zu spielen begann. Ich habe dann mit Linien und Strichen gearbeitet, aber auch das hat mich noch irritiert. Als ich die Linien reduziert habe, blieb der Punkt übrig. Die Farbe konnte sich nach allen Seiten öffnen, ohne eine Richtung vorzugeben.“

Die Farbe Blau als etwas Nobles

Ihn habe vor allem interessiert, welche Grundeigenschaften jede Farbe besitzt. „Blau hat zum Beispiel etwas Nobles und zieht sich zurück, so wie der Himmel und das Meer zum Horizont. Rot verfügt über eine große Spannbreite an gegensätzlichen Emotionen. Gelb wiederum ist unendlich leicht, hat etwas schwebend Fröhliches und gleichzeitig Zickiges. Die Farbe hat keine Spannbreite, mische ich sie zum Beispiel mit Blau, bekomme ich Grün.“ Seine Maltechnik und die dadurch entstehenden Farbfelder sind zu seinem Markenzeichen geworden. Seine Werke sind in vielen Galerien und öffentlichen Sammlungen vertreten wie der Staatsgalerie Stuttgart, Daimler, Hoppe-Ritter oder Bundeskartellamt. In Bremen stellt Scharein zum ersten Mal aus. Eine Premiere also, obwohl der Künstler hier in der Nähe seine Wurzeln hat. „Ich bin in Bassum geboren, daher freut es mich natürlich, dass ich mit meinen Bildern erstmals nach Norddeutschland komme.“

Die Liebe zur Kunst und zum handwerklichen Arbeiten wurde ihm in die Wiege gelegt. Seine Mutter war Putzmacherin und hat sein Talent stets gefördert. „Ich habe schon als Kleinkind gebastelt, gehäkelt oder gezeichnet. Meine Lieblingsbeschäftigung war, etwas mit den Händen zu erschaffen. Mit 14 hat mir meine Mutter dann den ersten Ölmalkasten geschenkt.“ Später habe er ihr allerdings versprechen müssen, etwas Ordentliches zu lernen. „Von der Kunst lässt du besser die Hände“ seien ihre Worte gewesen. Er habe sich schließlich für ein Studium der Kunsterziehung entschieden. Nach Stationen in Hamburg und Saarbrücken landete er 1972 in Berlin, wo er sein Studium abschloss und nach dem 2. Staatsexamen eine Stelle als Lehrer annahm. „Die Auseinandersetzung mit den Schülern hat mir sehr viel Spaß gemacht. Lehrer war meine zweite Berufung. Ich habe oft junge Leute zu Besuch in meinem Atelier. Kinder haben ein viel direkteres Verhältnis zur Kunst. Sie wagen es, Fragen zu äußern, die Erwachsene nicht zu stellen wagen.“ So schwer es ihm fiel, 1988 aus dem Schuldienst auszuscheiden, die Entscheidung bereute er nie. Er habe Glück gehabt und sei an gute Galerien und Sammlungen geraten.

In Bremen präsentiert Scharein zum großen Teil Arbeiten aus den letzten drei Jahren. Darunter die Serie „Bewegte Ruhe“ und das Werk „Die Macht der Farben“, in dem er den Komplementärkontrast aufgreift und Farben zusammenbringt, die im Farbkreis einander gegenüber liegen. „Für mich ein Kernbild der letzten beiden Jahre“, so der Künstler, der just seinen 70. Geburtstag feierte. Es sei eine Hassliebe. Die komplementären Farben ziehen sich an, sobald man sie aber mische, vernichten sie sich.

Weitere Informationen

Die Ausstellung läuft bis zum 15. Juni im Wall-Saal der Stadtbibliothek, Am Wall 201. Öffnungszeiten: montags, dienstags, freitags 10 bis 19, mittwochs 13 bis 19, donnerstags 9 bis 19 und samstags 10 bis 17 Uhr. Die Vernissage ist am 8. Mai, Beginn 18 Uhr. Mehr über den Künstler auf www.scharein.de.


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Leserkommentare
suziwolf am 21.10.2019 12:01
Warum dieser einfache Hinweis
auf www.spiegel.de
[ ,auf Erweiterung der Information‘ ]
mit „👎“ bewertet wird,
erklärt sich ...
peteris am 21.10.2019 12:00
Bundesaußenminister
Maas: Türkische Offensive nicht mit Völkerrecht im Einklang.

Für "Diktatoren" wie Putin,Erdogan usw. gibt es ...
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