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Galerie 404
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Entfesselte Kreationen

Matthias Holthaus 31.07.2019 0 Kommentare

Keren Katz bringt bald ihr zweites Buch heraus, das ihre Zines versammelt.
Keren Katz bringt bald ihr zweites Buch heraus, das ihre Zines versammelt. (Scheitz)

Grafische Kunst und Comics werden noch nicht richtig wahrgenommen. So lautet die Einschätzung von Georg Straube, der die Galerie 404 in der Nicolaistraße in der Bahnhofsvorstadt betreibt. Einen veritablen Grund dafür, dass diese Kunstform aber wahrgenommen werden sollte, liefert derzeit die Ausstellung „Comics-Zines-Zeichnungen“ in Straubes Galerie. Noch bis 31. August sind dort ausgewählte Arbeiten der Künstlerin Keren Katz und des Künstlers Rotem of Qiryat Gat zu sehen.

„Ich sehe die Galerie als Ort, um Kunst zu präsentieren, die man in Bremen sonst nicht sieht“, sagt Georg Straube vom Raum 404 in der Nicolaistraße. Außerdem wolle er internationale Künstler zeigen. Nachdem es bereits viel französisches und belgisches dort zu sehen gab, und amerikanisches, befand Straube es an der Zeit auch aufgrund der Bremer Partnerschaft mit Haifa, einen Schwerpunkt auf Israel zu setzen. „Über Bekannte habe ich dann versucht, in Israel zu streuen, dass sich Interessenten für eine Ausstellung bei mir bewerben können.“

Zwei der Bewerber sind nun im Raum 404 zu sehen, Rotem of Qiryat Gat aus Tel Aviv ist einer von ihnen. „Ich vermeide Klassifikationen und habe viele Einflüsse, zum Beispiel Archäologie“, erzählt er. Seine Zeichnungen sind vielfältig, oftmals wie aus einem Traum entwachsen, mystisch und scheinbar fiktiv: „Es ist aber mehr ein Tagebuch, ich zeichne, anstatt zu schreiben.“ Doch ganz verzichtet er nicht auf die Schrift: „Ich mag es, Schrift und Zeichnung zu vermischen, so sind beide Formen dann gleichwertig.“ Seine teilweise einem surrealen Wimmelbild nicht unähnlichen Bilder besitzen dabei eine Besonderheit. „Man kann sie von verschiedenen Seiten lesen und es eröffnen sich dadurch verschiedene Geschichten. Die Menschen machen ihre eigenen Erfahrungen, wenn sie sie betrachten.“ Eine Art Traum? „Teilweise“, antwortet er. „Ich zeichne häufig kurz vor dem Schlafengehen. Ein Automatismus, sodass ich mehrere Tage später nicht mehr weiß, dass ich die Bilder gezeichnet habe.“

Jeden Tag versuche er zu zeichnen, erzählt er. Begonnen hat er im Alter von vier Jahren, inzwischen hat er Dutzende Skizzenbücher gefüllt. Eine lange Zeit seines Wirkens hat er übrigens nicht in seinem Arbeitsraum verbracht: „Ich saß zehn Jahre im Bus, um dort die Menschen zu zeichnen. Das ist Beobachtung, das Andere ist Imagination.“

Das „Andere“, die imaginäre Arbeit, habe erst im Jahre 2010 begonnen, als sein Opa verstarb. „Es ist ein Spiel mit dem Betrachter, teilweise sehr provokativ.“ Neben den vielen Skizzen und Büchern, die im Raum 404 zu sehen sind, gibt es auch ein paar Blätter, die mit Feuer in Berührung kamen: „Es gab mal einen Einbruch in mein Auto und es wurde ein Skizzenbuch gestohlen. Das wurde dann teilweise angezündet, der Rest hat überlebt.“

Arbeiten vermeintlich anderer Art sind von Keren Katz zu sehen: „Es ist kein Tagebuch, sondern eher surreal“, beschreibt sie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu den Werken Rotem of Qiryat Gats. „Rotem beobachtet die Welt und schreibt. Ich schreibe Stories, die mein Leben kreieren. Ich schreibe zuerst, dann erfahre ich sie.“ Ihre Bücher seien Choreografien, erzählt die Künstlerin aus Tel Aviv. „Bis zum Alter von 19 Jahren habe ich Ballett getanzt. Alle meine Bilder sind ich, wie ich tanze. Und nach jedem Bild schaue ich und entwickele die Bewegung weiter.“ Dabei ist diese Bewegung immer ein wenig anders, wie im täglichen Leben auch. „Jeden Abend, den ich vor Publikum tanze, ist es auch ein wenig anders“, sagt Katz.

Wie in Milan Kunderas Roman „Die Unsterblichkeit“, in dem der Protagonist, ebenfalls Romancier, aus dem Winken einer älteren Frau heraus einen ganzen Roman entwickelt, so werde auch Keren Katz durch scheinbar banale Bewegungen und Körperhaltungen inspiriert, sagt sie. „Einmal brach sich mein Bruder den Finger und bekam zwei Schrauben, um den Bruch zu fixieren. Am gleichen Tag starb mein Hund. Er wollte meinen Hund noch einmal hochheben, konnte das aber nur mit seinen Armen tun. Dieser Geste habe ich ein ganzes Buch gewidmet.“

Wiederkehrend sind kleine und größere Kreise mit kleinen und größeren Punkten darin, die als Muster auf Kleidung, aber auch auf Autos zu sehen sind. „Ich leide unter einer Zwangserkrankung, das Malen von Kreisen beruhigt mich“, sagt sie, „es ist aber auch eine Möglichkeit, so trotz Schwarz und Weiß einen Farbton zu entwickeln.“

Ihre „Zines“, also in kleiner Auflage hergestellte Hefte mit ihren Arbeiten, haben darüberhinaus auch Peter Pan oder die Tänzerin Pina Bausch als Inspirationsquelle. 40 dieser Werke hat sie bereits veröffentlicht, ein Buch, „The Academic Hour“, ist im Buchhandel erhältlich. Ein zweites Buch erscheint im September, es heißt „ The Backstage of a Dishwashing Webshow“.

Weitere Informationen

Die Ausstellung „ Comics - Zines – Zeichnungen - Keren Katz und Rotem of Qiryat Gat“ ist noch bis Sonnabend, 31. August, im Raum 404, Nicolaistraße 34/36, zu sehen, donnerstags und freitags von 16 bis 19 Uhr sowie sonnabends von 14 bis 17 Uhr. Am Tag der Finissage, die um 14 Uhr beginnt, besteht ab 16 Uhr die Möglichkeit, sich mit Rotem of Qiryat Gat im Rahmen eines Künstlergespräches auszutauschen und mehr über seine Arbeit zu erfahren. Weitere Informationen gibt es auch online auf http://kulturbuero-bremen.de.


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Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 13:29
@Wesersteel ...

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Oder Vorhandene mit Rammschutz ausrüsten ?
Bremen-Fan am 22.10.2019 13:25
Was ist "mangelnde soziale Kompetenzen"? Oder wollte @daa2011 einfach ein Schlagwort benutzen, um Bremer Eltern schlecht zu reden, die ihre Kinder in ...
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