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Bremer Hörkino
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Kleiner Film im Ohr

Matthias Holthaus 05.02.2019 0 Kommentare

Beate Hoffmann vom Bremer Hörkino will auch die Autoren von Radiofeatures sichtbar machen. Und ihnen die Chance geben, Hörerresonanz live mitzuerleben.
Beate Hoffmann vom Bremer Hörkino will auch die Autoren von Radiofeatures sichtbar machen. Und ihnen die Chance geben, Hörerresonanz live mitzuerleben. (PETRA STUBBE)

Da gebe es eine Anekdote, sagt Beate Hoffmann und erzählt: Als Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte, sei ein Mädchen gefragt worden, was sie denn lieber möge – Radio oder Fernsehen? „Radio“, antwortete das Mädchen, „weil es dort die schöneren Bilder gibt.“

Beate Hoffmann, eine der Initiatorinnen des „Bremer Hörkinos“, sagt: „Den Namen ,Hörkino’ fand ich toll“, und meint die Bilder, die beim Hören von Radiofeatures im Kopf entstehen. Seit nunmehr 15 Jahren existiert das Bremer Hörkino, damals habe ihr Kollege Charly Kowalczyk die Idee gehabt, in Bremen Radiofeatures zu spielen. „Das fand ich super, damals habe ich auch beim Radio gearbeitet. Ich liebe Radio“, sagt sie. „Vor 15 Jahren wollten wir Features hören und präsentieren und dafür eintreten, dass Features wichtig sind. Und schauen, ob es viele Menschen gibt, die das mögen.“

Und die Menschen mochten das Format, bei dem Hörwillige zusammenkommen, um bei einem Getränk einer spannenden Geschichte zu lauschen. „Von Anfang an waren es immer viele Leute, das Café war immer voll“, erinnert sie sich. „Zum ersten Geburtstag mussten wir sogar Leute wegschicken.“ Damals gab es das Hörkino im Energiecafé an der Sögestraße/Ecke Am Wall. „Das Tolle waren die großen Scheiben, 50 Leute saßen da und keiner hat etwas gesagt“, erzählt sie. „Und die Menschen, die von draußen reinschauten, haben sich gewundert, was die Leute da machen. Das war lustig.“

Andere Sicht für Autoren

Immer wollte das Team mit dem Hörkino in die Stadt und das Energiecafé als Teil des Energieversorgers SWB bot sich da an. „Weil es mit Strom zu tun hat. Und die Verantwortliche Doro Kahle liebt Radio, das war unser Glück. Das ist eine tolle Zusammenarbeit, und das seit 15 Jahren.“ Zudem sei ein Sponsor vonnöten gewesen, „denn wir wollten die Autoren auch unbedingt bezahlen. Die Autoren sind meistens freiberuflich tätig, außerdem wollten wir immer auch die Macher zeigen, die sieht man ja sonst nie.“ Für Autoren sei es darüber hinaus auch mal spannend, im Publikum zu sitzen und die Reaktionen der Menschen zu erleben.

Das Energiecafé ist inzwischen Geschichte, doch interessante Geschichten sind in dem Haus immer noch zu hören. „Der Raum oben im Kundencenter hat eine tolle Akustik“, sagt sie. Und diese Akustik trägt auch Features an die Ohren der Hörer, die schwer verdaulich sind. „Manchmal muten wir dem Publikum mit bestimmten Themen auch viel zu“, meint sie. Zum Beispiel habe es mal ein Feature gegeben, in dem ein Warlord aus Südamerika zu Wort gekommen sei. „Der hat sich dann gerühmt, Tausende Menschen umgebracht zu haben“, erzählt Beate Hoffmann. Doch sie sagt auch: „Tatsächlich bringen die vermeintlich schweren Themen die meisten Zuhörer, das ist interessant.“

Was gab es noch in den 15 Jahren Bremer Hörkino? Da habe es zum Beispiel mal ein Feature über Organtransplantation gegeben, welches sich eher um die kritischen Seiten gedreht habe. „Und dann saß da jemand mit einer neuen Leber im Publikum und der bekommt mit, dass das Publikum eher gegen Transplantationen ist. Da verändert sich gleich der Blick, wenn jemand da ist, der betroffen ist.“ Oder ein Bürgermeister, der seine Kinder aus Frankreich entführt hat: „Da hat ein Gemeindeangestellter ein Fotoalbum mitgebracht und rumgereicht.“ Oder ein Feature von einer Frau, die in der DDR im Gefängnis Hoheneck inhaftiert war. Oder Spuren des Alters: „Da habe ich zuvor schon überlegt, ob man das spielen könne, doch dann haben wir sehr gelacht.“

126 Stücke in 14 Jahren gespielt

Inzwischen habe sich das Bremer Hörkino etabliert, sagt Beate Hoffmann, in 14 Jahren seien 126 Stücke gespielt worden. Um die 40 bis 60 Hörer und Hörerinnen finden sich jedes Mal ein, mit Ausnahme der Monate Januar, Juli und August gibt es das Hörkino an jedem ersten Mittwoch im Monat. „Und wir sind froh, dass auch Jüngere das Format und das Hören für sich entdecken.“

2007 dann haben Beate Hoffmann und Charly Kowalczyk den „Feature-Preis Bremer Hörkino“ ins Leben gerufen. Alle zwei Jahre wird er verliehen, er heißt „Rüdi hört“, weil die Plastik, die der Preis symbolisiert, ein Männchen mit großen Ohren darstellt. „Dieses Jahr gibt es einen Feature-Debütpreis, weil wir Menschen, die das zum ersten Mal machen, zur Bewerbung ermuntern wollen.“ 1000 Euro Preisgeld gibt es auch noch, eine unabhängige Jury entscheidet sich für das gelungenste Stück aus den eingesendeten Beiträgen. 17 Einsendungen waren es für den diesjährigen Preis, die Jury entschied sich für ein Feature über Unterwasserkrach, die Verleihung steht am 3. April an.

Am Mittwoch, 6. Februar, steht aber erst einmal „Der Kunstkopfmann“ an, ein Feature von Helmut Kopetzky. „Kopetzky ist der Featurepapst!“ sagt Beate Hoffmann, „eine Ikone.“ Diejenigen, die Features machen, bekämen bei seinem Namen leuchtende Augen. „Er ist fast 70 Jahre alt, doch es lässt ihn nicht los. Er ist ein besonderer Journalist und war auch in der Jury des Hörkinopreises.“

Dieser „besondere Journalist“ hat sich auf die Spuren von Matthias von Spallart begeben, der sich im Jahre 1980 in das Amazonasgebiet aufmachte, um Töne aufzunehmen. Mit dabei: ein gerade erfundenes Kunstkopfmikrofon, das die Geräusche so aufnimmt, dass sich der Zuhörer mitten im Geschehen wähnt; gewissermaßen ein 3-D-Erlebnis für die Ohren. Doch das Projekt ufert aus und erweist sich als undurchführbar, Matthias von Spallart scheitert an seinen eigenen Ansprüchen. „Uns geht nicht die Puste aus, weil es so viel Spaß macht. Es sind sehr schöne, intensive Abende“, sagt Beate Hoffmann. Und sie sagt auch: „Ich glaube, es entsteht ein wenig Wohnzimmeratmosphäre. Früher saß man ja auch zusammen am Radio, und diese Atmosphäre gibt es bei uns auch ab und zu.“

Im Bremer Hörkino im SWB-Kundencenter Sögestraße/Ecke Am Wall ist am Mittwoch, 6. Februar, um 20 Uhr das Feature „Der Kunstkopfmann“ von Helmut Kopetzky zu hören. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter www.bremer-hoerkino.de.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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