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Laye Alama Condé
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Mobiler Denkort erinnert an Laye Condé

Matthias Holthaus 09.01.2019 0 Kommentare

Pflegen das Gedenken an Laye Alama Condé: Vera Bergmann (links) und Jasmin Alt wollen mit ihrem mobilen Denkort ein Zeichen setzen.
Pflegen das Gedenken an Laye Alama Condé: Vera Bergmann (links) und Jasmin Alt wollen mit ihrem mobilen Denkort ein Zeichen setzen. (Roland Scheitz)

Ostertor. Es war der 7. Januar 2005, als der aus Sierra Leone stammende Asylbewerber Laye Alama Condé durch die Vergabe von Ipecacuanha-Sirup, einem Brechmittel, starb. Die Umstände seines Todes sorgen bis heute für Empörung, denn Laye Condé ist in Polizeigewahrsam ums Leben gekommen, als ihm zwangsweise über einen nasal gelegten Schlauch das Brechmittel verabreicht wurde. „Er verstarb an ,cerebraler Hypoxie als Folge von Ertrinken nach Aspiration bei forciertem Erbrechen´“, heißt es in dem Urteil des Bundesgerichtshofes vom 29. April 2010, in dem außerdem der verantwortliche Arzt freigesprochen wurde.

„Tod durch Ertrinken“, bringt es Gundula Oerter von der „Initiative in Gedenken an Laya Alama Condé“ auf dem Platz zwischen dem Gerhard-Marcks-Haus und der Kunsthalle auf den Punkt. Sie und ihre Initiative gedenken seit 2005 alljährlich am 7. Januar des Todes von Laye Condé. „Und wir versuchen, die Umstände politisch-gesellschaftlich einzuordnen“, sagt sie. „Seit der Einführung der Brechmittelvergabe haben Ärzte und Experten immer wieder gesagt, dass das lebensgefährlich ist.“

Bremen sei „Hauptstadt der Brechmittelfolter“ gewesen, von 1991 bis 2004 sind mehr als 1000 Menschen zwangsweise Brechmittel verabreicht worden. „Die Brechmittelvergabe war politisch gewollt. Und Henning Scherf und die Große Koalition haben daran festgehalten.“ 2006 hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dann festgestellt, dass Brechmittel Folter ist, im gleichen Jahr ist diese Vergabepraxis in Bremen gestoppt worden.

Dabei war Laye Alama Condé nicht das erste Opfer zwangsweiser Brechmittelverabreichung. „Bereits am 9. Dezember 2001 wurde Achidi John in Hamburg in der Gerichtsmedizin ertränkt“, berichtet Gundula Oerter. Und auch, wenn sich die Fraktionen von SPD, Grünen, Linken und CDU in Bremen heute einig seien, dass die Vergabe von Brechmittel ein „fataler Fehler“ gewesen sei, ist der Initiative daran gelegen, weiter an diese Praxis zu erinnern. „Es geht uns auch um ein würdevolles Gedenken an Laye Condé.“

Für drei Monate am neuen Standort

Dafür hat die Initiative einen mobilen Denkort geschaffen, der bereits am Schlachthof, in der Stadtbibliothek und vor dem Theater Bremen stand. „Wir nennen es nicht Denkmal, sondern es ist ein Gedenkort, der mahnendes Erinnern möglich macht, dass ein Mensch in staatlicher Obhut gestorben ist. Und dass das nicht mehr passieren darf“, sagt Gundula Oerter. „Dafür brauchen wir hier in der Mitte der Stadt einen Ort des Gedenkens. Denn die Verantwortlichen kommen aus der Mitte der Stadt.“

Und es gebe noch viele weitere Opfer, die keine Entschuldigung und vor allem keine Entschädigung erhalten hätten. „Das muss nicht mal materieller Art sein, erst einmal ein bloßes Anerkenntnis reicht.“ Zwar habe die Familie Condé eine Entschädigung erhalten, „doch die Stadt Bremen kann sich mal überlegen, wie sie entschädigen sollte“.

Für diese Überlegungen kann der Denkort hilfreich sein, der mit Audioboxen auf Deutsch, Englisch und Französisch aufwartet und die Geschehnisse chronologisch wiedergibt und Zeugen zu Wort kommen lässt. Der Denkort steht für die nächsten drei Monate gleich neben dem Gerhard-Marcks-Haus im Ostertor. Dessen Direktor Arie Hartog hat die Aufstellung des Denkortes neben dem Gerhard-Marcks-Haus begrüßt: „Die Initiative hat mit dem Denkort Öffentlichkeit und Bewusstsein geschaffen. Es entsteht ein Nachdenken.“ Zuvor habe mit der Denkmalpflege und mit Stadtgrün gesprochen werden müssen, „doch das verlief positiv und so steht der Denkort hier nun eine Zeit lang“. Einerseits sei dieser Denkort ein Kunstwerk, andererseits entstehe über solche Aktionen Öffentlichkeit. Ein Denkmal, über das nicht geredet werde, sei tot. Und nun gehe es um den Konsens, der in Bremen herrsche: „Brechmittel geht gar nicht!“

Initiativenmitglied Udo Gerheim klagt das „System Brechmittel“ an und gedenkt den Opfern wie Achidi John, aber auch den 2016 verstorbenen Yaya Jabbie, der in Hamburg erhängt in seiner Zelle aufgefunden wurde und dem am gleichen Tag in Dessau in Polizeigewahrsam verbrannten Oury Jalloh. „Wir wollen ein permanentes, öffentliches Gedenken in Bremen für Laye Condé und andere Opfer“, sagt er, „außerdem fordern wir eine lückenlose Aufklärung und eine Entschädigung.“ Die Quintessenz sei: „Es darf nicht vergessen werden. Doch die Law-and-Order-Politik wird auch heute noch durch Rechtspopulismus befeuert,  deshalb werden wir weiter protestieren.“


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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