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Bewegung im Alter
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Motivation ist alles

Sigrid Schuer 11.04.2018 0 Kommentare

Lennart Kersting, Birte Albrecht (Mitte) und Imke Stalling vom Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen haben das Bewegungsangebot in Hemelingen analysiert
Lennart Kersting, Birte Albrecht (Mitte) und Imke Stalling vom Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen haben das Bewegungsangebot in Hemelingen analysiert (Roland Scheitz)

Bewegung ist wichtig für gesundes Altern. Diese Einsicht zu fördern, ist seit 2015 das Ziel von Aequipa. An dem regionalen Präventionsforschungsnetzwerk sind sechs Hochschulen und zwei Forschungsnetzwerke, das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie und das Bips beteiligt. Unter den Hochschulen sind die Universität Bremen, die Jacobs University, die Universität Oldenburg und die Jade Hochschule Oldenburg. Weitere Kooperationspartner sind der Verein Gesundheitswirtschaft Nordwest und das Oldenburger Institut für Informatik (Offis).

Die Kernthemen sind Bewegungsförderung bei der Generation 65 plus, die Nutzung neuer Technologien in der Prävention und gesundheitliche Chancengleichheit. Auf einer Tagung im Haus der Wissenschaft hat das Netzwerk Zwischenbilanz gezogen, bevor das Projekt nach drei Jahren in die zweite Runde geht. Die Gesundheits- und Präventionsforschung der Wissenschaftler wird mit Fördergeldern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bis 2021 fortgesetzt. Sprecher des Netzwerks ist Hajo Zeeb, Professor für Epidemiologie an der Universität Bremen.

Im Haus der Wissenschaft an der Sandstraße präsentierten zwölf angehende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre sechs Teilprojekte. Primäre Erkenntnis: Es kann Erstaunliches erreicht werden, wenn sich mögliche Akteure vernetzen. Denn, wie Nanna Notthoff von der Humboldt Universität Berlin in ihrem Impulsvortrag  „Wohin die Füße tragen... Bedeutung von physischer und sozialer Umwelt für Aktivität im Alter“ feststellte: „Altersbilder können die Aktivität älterer Menschen fördern oder mindern.“ Hinzu komme, dass es einen Zusammenhang zwischen körperlicher und geistiger Fitness gebe. Motivation ist also alles.

Bestes Beispiel für eine gelungene Vernetzung sind Projekte des Präventionsforschungsnetzwerks in Hemelingen und in Bremen St. Magnus. Unter dem Stichwort „Outdoor Active“ hat die Pflegewissenschaftlerin Imke Stalling vom Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bremen mit ihrem Wissenschafts-Team Beate Albrecht aus der Neustadt und Lennart Kersting aus Horn-Lehe  ein gemeindebasiertes Programm zur Förderung von Bewegungsaktivitäten im Freien entwickelt. Zielgruppe sind bei Frauen und Männern im Rentenalter.

915 Beteiligte

Erste, positive Erkenntnis: Das Selbstbild vieler älterer Hemelingerinnen und Hemelinger sei gar nicht so schlecht. „Und sie haben sich gefreut, dass sich jemand um sie gekümmert hat“, sagt Imke Stalling.  Aber es habe der Eindruck vorgeherrscht: „Hier bei uns gibt es ja so gut wie keine Angebote!“ Und genau da setzten die Teams an: Akribisch haben die Studierenden in einer Broschüre, die im Dezember  von der Universität Bremen veröffentlicht worden ist, Bewegungs- und Begegnungsangebote in den Ortsteilen Hemelingens zusammengetragen. Zu Beginn seiner Arbeit lud das Team ältere Männer und Frauen aus Hemelingen zu einem Fitnesstest ein. Ermittelt wurden der Body-Maß-Index und der Blutdruck. Das Ergebnis: Die Hemelinger Seniorinnen und Senioren, die sich beteiligt haben, sind ziemlich fit.  Von Oktober 2015 bis Juli 2018 waren es 915 Personen. 3 000 waren angeschrieben worden.

Die angehenden Wissenschaftler haben der Politik auch die Ergebnisse des Forschungsprojektes „,Buten aktiv': Rad- und Fußwege in Bremen-Hemelingen“ mitgeteilt. Viele Radwege sind in den  Ortsteilen Hemelingens seien schlecht, besonders in der Arberger und der Mahndorfer Heerstraße. Gleiches gelte für die Fußgängerüberwege an Hauptverkehrsstraßen. Hier fehle es an Verkehrsinseln, die gerade älteren Menschen die Überquerung belebter Straßen erleichtern. Wie laut Umfragen in der Hannoverschen Straße und in der Hemelinger Heerstraße.

„Hinzu kommt, dass die Grünphasen von Ampeln so ausgelegt sind, dass mit einer durchschnittlichen Gehgeschwindigkeit von 4,3 Kilometern pro Stunde die halbe Straße überquert wird. Diese Geschwindigkeit erreichen ältere Menschen jedoch häufig nicht. Die durchschnittliche Geschwindigkeit bei Nutzung eines Rollators beträgt 2,1 Stundenkilometer“, heißt es dazu im Brief an die Politik. Das Urteil der Hemelinger fällt darin ziemlich vernichtend aus: Im Stadtteil sind 86 Straßen als nicht fußgängerfreundlich beurteilt worden. Hier ist die Stadtplanung dringend gefordert.

In Zukunftswerkstätten wurde erörtert, wie sich die wichtigsten Wünsche der Hemelinger in die Tat umsetzen lassen. So wurde im Begegnungszentrum Hemelingen ein Schwarzes Brett aufgehängt, auf dem sie sich jemanden suchen können, um gemeinsam spazierenzugehen oder Sport zu treiben. „Bei einem gemeinsamen Stadtteil-Spaziergang durch Hastedt haben wir festgestellt, dass es beispielsweise am Weserwehr zu wenig Sitzmöglichkeiten gibt. Wir haben dafür Globalmittel beim Beirat Hemelingen beantragt, die auch genehmigt wurden“, sagt Imke Stalling. Darüber hinaus wird in Hemelingen jetzt ein Arthrose-Sportkursus angeboten.

Sehr Positives gibt es auch von dem Teilprojekt RTC (Ready to change), bereit für einen Wandel, zu berichten, das in Quartieren und Gemeinden Veränderungen in Gang setzen sollte. Einer der Beteiligten, Dirk Schmidtmann aus St. Magnus, Vorsitzender des TSV St. Magnus und Mitglied der Bremer Seniorenvertretung, erzählte am Rande der Tagung, wie es geht. Ortsämter, Heimstiftung, Sportvereine, die Begegnungsstätte St. Magnus und die Seniorenvertretung hätten sich vernetzt. Unter anderem werden Übungsleiter ausgebildet.

„Die Akteure wurden vom Ortsamt eingeladen. Jeder Ortsamtsbereich bekam für die Teilnahme an der Studie 2000 Euro zur Verfügung gestellt“, erzählt Schmidtmann. In drei der vier Stadtteile von Bremen-Nord sei es gelungen, für ältere Menschen attraktive Formate zu entwickeln. Nur Lesum sei abgesprungen. In Bremen St. Magnus wird in diesem Sommer zum dritten Mal ein Bewegungstag veranstaltet. Dirk Schmidtmann führt dann auf wenig bekannten Routen durch St. Magnus, wie schon  einmal. „An der ersten Station hielt beispielsweise ein örtlicher Hausarzt einen Vortrag über ‚Bewegung im Alter', an der zweiten Station absolvierten die Teilnehmenden gemeinsam mit einer Trainerin Übungen und an der dritten Station wurde im TSV St. Magnus über Bewegungsangebote informiert. Zwischendurch gab es dann noch Tipps und Snacks von einer Ernährungsberaterin.“

Der Bewegungstag sei ein kostenloses Angebot, sagte Schmidt. Viele Ältere seien danach von sich aus auf den TSV St. Magnus zugegangen. „Wir haben da durchaus einen Klebe-Effekt feststellen können.“ 


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Leserkommentare
holger_sell am 21.10.2019 13:11
Kretzschmar: Seit der Diskussion um den Brexit ist europaweit die Unterstützung für die EU gewachsen, sowohl in der Politik als auch in den ...
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
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