Wetter: Nebel, 11 bis 16 °C
Traditionsgeschäft im Viertel
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Nach 117 Jahren: Thomas Brand Schuhe schließt im Steintor

Margot Müller 04.10.2019 4 Kommentare

Mehr als 30 Jahre lang hat Thomas Brand hochwertige Schuhe in seinem Ladengeschäft mitten im Bremer Viertel verkauft.
Mehr als 30 Jahre lang hat Thomas Brand hochwertige Schuhe in seinem Ladengeschäft mitten im Bremer Viertel verkauft. (Roland Scheitz)

Seit mehr als 30 Jahren verkauft Inhaber Thomas Brand hochwertige Schuhe in seinem Ladengeschäft mitten im Bremer Viertel, zumeist in bester Marken-Qualität aus Leder sowie modisch ausgefallene Serien. Schuhe sind seine Leidenschaft, er sucht sie persönlich direkt vor Ort in den Schuhfabriken von Süditalien oder auf Fachmessen in Mailand aus.

Aber nun ist Schluss, es lohnt sich nicht mehr, in den letzten Jahren kamen immer weniger Kunden. Seit Anfang September hängen knallige Riesenplakate mit den Schriftzügen „Total-Räumungsverkauf“ und „Alles muss raus“ in den Schaufenstern. „Es gibt einen massiven Wandel im Einkaufsverhalten der Kunden“, hat Thomas Brand festgestellt. „Die Leute informieren sich im Internet und in sozialen Medien und haben ganz genaue Vorstellungen, welche Schuhe sie kaufen wollen“, sagt der 54-Jährige und bedauert, dass sich die Menschen kaum noch durch Auswahl in einem Ladengeschäft inspirieren lassen. Was Bekleidung und Mode angehe, sei das ein Trend, den man einfach akzeptieren müsse.

Schuhgeschäft über vier Generationen

Für inhabergeführten Einzelhandel sieht Thomas Brand deshalb aber im Viertel nur noch wenig Chancen. Zum Jahresende wird er das traditionsreiche Familienunternehmen nach 117 Jahren und vier Generationen schließen. Er erzählt von „glänzenden Zeiten“, die seine Eltern in den 1950er- und 1960er-Jahren in der Straße Vor dem Steintor erlebt hätten, mit bis zu 20 Mitarbeitern. Auf alten Fotos ist zu sehen, wie der Eingangsbereich früher als Passage mit aufwendig dekorierten Schaufenster-Vitrinen gestaltet war. Ältere Viertelbewohner werden sich daran erinnern, dass eine solche Passage bis Ende der 1990er-Jahre auch gleich nebenan im ehemaligen Porzellanwaren-Geschäft Luperti bestand.

Raths-Apotheke
Traditionsreich und nicht wegzudenken aus Bremen: die Raths-Apotheke auf dem Bremer Marktplatz. Sie ist fast 500 Jahre alt und war in den ersten 100 Jahren ihres Bestehens ohne Konkurrenz. 
 Am Markt 11, 28195 Bremen
Ludwig von Kapff
Das Weinkontor Ludwig von Kapff blickt auf eine lange Geschichte im Bremer Weinhandel zurück: das Traditionsgeschäft feierte 2017 sein 325-jähriges Bestehen. 
Wachmannstraße 16, 28209 Bremen/ Konsul-Smidt-Straße 8 J, 28217 Bremen
 Schreibkultur 
Das Schreibwarengeschäft in der Bremer Innenstadt blickt auf ein 157-jähriges Bestehen zurück, eröffnet wurde der Laden von Georg Adam Dörrbecker in der Sögestraße. 1997 musste der Vertrieb in die Domshof-Passage umziehen, von wo er seit 2015 von der Dortmunder Pro Büro & Kopier GmbH geführt wird. Der Laden muss Ende des Jahres schließen.
Domshof-Passage, 28195 Bremen
Cigarren Niemeyer
Vom einstigen Tabakstandort Bremen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Den Einzelhändler Cigarren Niemeyer aber gibt es seit nunmehr eineinhalb Jahrhunderten. Martin Niemeyer eröffnete sein Geschäft 1864 gegenüber der alten Börse, heute wird es in der vierten Generation familiengeführt. 
Domshofpassage 21 A, 28195 Bremen
Fotostrecke: Diese Bremer Traditionsgeschäfte gibt es noch

Die Häuserfassaden und der gesamte Straßenzug hatten sich schon erheblich verändert, als Thomas Brand 1990 das Schuhgeschäft von seinen Eltern übernahm. Er verfolgte danach immer wieder neue kreative Ideen und setzte diese in modernisierter Ladengestaltung um. Zuletzt gab er die Herrenschuh-Abteilung auf und baute eine Espresso-Kaffee-Bar ein.

Das alles reichte letztlich aber nicht aus, um die Kunden zu aktivieren. Wenn demnächst alle Schuhe aus dem Warenlager verkauft sind, möchte Thomas Brand erst einmal eine Auszeit nehmen und vielleicht mit einer ganz anderen Geschäftsidee neu anfangen. Einen Nachmieter für die 160 Quadratmeter Verkaufsräume gibt es noch nicht.

Schwierige Struktur im Viertel

Brand sieht allerdings eine grundsätzliche Problematik für den Einzelhandel im gesamten Bremer Viertel. „Die Kundenfrequenz für einen Mode-Einkaufsbummel ist hier stark rückläufig“, hat er beobachtet. Das habe nicht nur mit zunehmendem Home-Shopping zu tun. Die Geschäfte im Steintor-Bereich seien mehr auf die Nahversorgung im Quartier ausgerichtet.

Überdies sei die Struktur aus Wohnen, Handel, Gewerbe, Kultur, Szene-Gastronomie und unzähligen Kiosken schwierig und in ständiger Veränderung. „Es gab auch immer zu wenig Unterstützung seitens der Bremer Wirtschaftsbehörde, um für Attraktionen zu sorgen,“ meint er. Das Dauerthema „Zum Shoppen in die City und ins Viertel“ sei nie richtig gelöst worden.

Mehr zum Thema
Deutschlands Einkaufsstraßen im Vergleich: Sögestraße verliert Kunden und rutscht auf Platz 59 ab
Deutschlands Einkaufsstraßen im Vergleich
Sögestraße verliert Kunden und rutscht auf Platz 59 ab

Die Sögestraße ist im Vergleich mit Deutschlands beliebtesten Einkaufsstraßen auf Platz 59 ...

 mehr »

Gelder für Marketingmaßnahmen seien hauptsächlich in die Innenstadt investiert worden. Obwohl dort zahlreiche große Filialisten mit starker Finanzkraft eigentlich selbst für Werbung sorgen könnten. „Wir haben hier im Viertel einen guten Shopping-Standort, eigentlich das beste Nebenzentrum der Innenstadt. Da fühlt man sich stiefmütterlich behandelt“, befindet Thomas Brand.

Auch die Interessengemeinschaft IGV „Das Viertel“ e. V. habe in den letzten Jahrzehnten zwar viel ausprobiert, aber nach seiner Meinung doch stets mehr zugunsten des Ostertor-Bereichs. Zum Beispiel endete die Festmeile des bis 2012 regelmäßig im Sommer durchgeführten Viertelfestes stets an der Sielwall-Kreuzung.

Umfeldverbesserungen kosten Geld

Ebenso sei das sogenannte Bid-Projekt für das Ostertor/Steintor schließlich gescheitert Das Kürzel steht für  „Business Improvement Districts“ – auf Deutsch: Verbesserte Geschäfts-Quartiere. Das Projekt gibt seit 2007 einzelnen Bremer Stadtquartieren die Möglichkeit, ihre Aufenthaltsqualität zu erhöhen und ihr Image zu verbessern. Bid bedeutet aber nur einen Rahmen für Eigeninitiative und Selbstorganisation, angesiedelt bei der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). Initiativen wie Beleuchtung, Begrünung, freies Parken, Sauberkeit, Sicherheit, Events oder Sonderaktionen sind Themen, die so diskutiert und umgesetzt werden sollen. Die Kosten werden dabei jeweils auf alle Anlieger umverteilt. „Aber das ist für uns als Inhaber eine hohe finanzielle Belastung“, meint Thomas Brand dazu.

Obernstraße, 1912
Wir beginnen mit einem Blick ganz weit zurück: Ein Einkaufsbummel in der Bremer Innenstadt, in der Obernstraße, sah 1912 so aus. Die Straßenbahn musste sich damals die Strecke noch mit Pferdewagen teilen, war aber bereits seit 1892 dauerhaft elektrisch betrieben.
Bamberger-Kaufhaus
Dieses Foto entstand vor dem Zweiten Weltkrieg. 1929 wurde das Bamberger-Kaufhaus im Stephani-Viertel (Faulenstraße) nach den Plänen des Architekten Carl Heinrich Behrens-Nicolai fertiggestellt. Mit Rolltreppe und Dachterrasse gehörte es seinerzeit zu den modernsten Kaufhäusern der Stadt. Die Redewendung, man gehe zu
C&A 
Die Filiale des Textilhändlers 
1956 baute C&A sich einen Neubau an die Brill-Kreuzung. Das Gebäude wurde im März eröffnet; das alte war im Krieg beschädigt worden. Für die Übergangszeit, bis der Neubau fertiggestellt war, kam das Geschäft im sogenannten Tipphoikenhaus des Architekten Joseph Ostwald am Brill unter.
Fotostrecke: Shopping in Bremen im Wandel der Zeit

Nachdem die erste Projektphase im Bremer Viertel 2014 ausgelaufen war, prüften die Akteure eine zweite Phase. Beteiligte Eigentümer und Gewerbetreibende trafen sich in einer Initiativgruppe, um Maßnahmen und Finanzierungskonzepte für weitere Verbesserungen zu entwickeln. Es sollte eine Aufteilung in „Ostertorsteinweg“ und „Vor dem Steintor“ vorgenommen werden, aber das wurde kontrovers diskutiert und schlussendlich nicht realisiert.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 16 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Nebel.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige