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Nacht der schönen Künste
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Nächtliche Kunstoasen

Jörn Hildebrandt 26.03.2019 0 Kommentare

Ruth E. E. Cordes ist eine der beiden Organisatorinnen, die zum zweiten Mal mit der Nacht der schönen Künste in das Schnoorviertel eingeladen hat.
Ruth E. E. Cordes ist eine der beiden Organisatorinnen, die zum zweiten Mal mit der Nacht der schönen Künste in das Schnoorviertel eingeladen hat. (roland scheitz)

Es ist so eng in den Gassen des Schnoors, dass die beiden Stelzenläufer fast die gesamte Straßenbreite einnehmen. In ihren blauen Sternenhimmelkleidern und mit den leuchtend weißen Mondsicheln als Hut sind sie natürlich höher und breiter als die vielen normal gekleideten Leute, die abends durch die historische Altstadt flanieren und bewundernde Blicke auf sie werfen. Vor dem Haus Art 15 wirbelt der Jongleur Sascha Redemann Pfeile durch die Luft, und drinnen packen Jonas Langhammer und Aleksandr Bukin Gitarre und Cello aus. Das Akustik-Duo aus Bremen namens Mesopelagic spielt Independent und Neoklassik, während auf einer großen Leinwand ein Künstler mit ersten zarten Kohlestrichen ein Werk beginnt.

Zum zweiten Mal lockt das Schnoorviertel mit der Nacht der schönen Künste, organisiert von Ute Bescht und Ruth E. E. Cordes, an drei Tagen Bremer Bürger und Touristen in sechs Galerien und Künstlerhäuser und bietet ­zudem ein buntes Rahmenprogramm, unter anderem mit Lesungen und Live-Musik.

Stelzenläuferin Janine Jaeggi, die als Mondfrau die Schnoor-Nacht einleitet, aus der Schweiz stammt und inzwischen in Bremen lebt, hat ihr Kostüm selbst gefertigt. „Doch länger als eine Stunde hält man es auf den Stelzen kaum aus“, sagt sie, „dann muss man Pause machen.“ Ihre Kostümgruppe Stelzen-Art, zu der bunte Papageien, Blumen, Engel oder Schmetterlinge gehören, wird inzwischen international gebucht. Nicht zuletzt organisiert Janine Jaeggi auch den jährlichen Bremer Samba-Karneval.

Skulpturen und Gemälde

Designerin und Art-Direktorin Karola Bösch arbeitet zusammen mit 13 weiteren Künstlern im Haus Art 15, in dem auf kleinem Raum vor allem Skulpturen und Gemälde zu sehen sind. „Die Künstler haben ihre Ateliers zwar zu Hause“, sagt Karola Bösch, „doch hier im Schnoor findet der Austausch mit Kunden und Leuten aus dem kreativen Gewerbe statt. Wir arbeiten daran, den Schnoor zu einer Oase der Kunst zu entwickeln.“ Einen Verdrängungswettbewerb solle es dabei allerdings nicht geben, „denn einige Häuser stehen ja leer und bieten Platz für neue Galerien, wir arbeiten miteinander, nicht gegeneinander“, sagt die Künstlerin, die seit acht Jahren im Schnoor tätig ist.

Gleich neben dem Haus Art 15 bieten Lothar und Sabine Reichelt sowie Sohn Daniel ihre Werke zum Verkauf an. Während Sabine ­Reichelt auf vielfältige Weise malt, schafft ­Lothar Reichelt Skulpturen: superschlanke Radfahrer oder Felskletterer – Figuren, die an den Bildhauer Alberto Giacometti erinnern. Wer mag, kann in dem Kunsthaus aber zum Beispiel auch täuschend echt aussehende Spiegeleier aus Epoxidharz kaufen.

Im Künstlerhaus Art 15 stoßen Touristen und Bremer Flaneure auf eine dicht gedrängte Vielfalt, vom Grellen und Schrillen, vom Ausgefallenen und Fantastischen bis zum Schlichten und sogar Morbiden. Ute Bescht hat Bilder ausgestellt, in denen sie in meisterhafter figurativer Kunst den Klimawandel thematisiert: Ein kleiner Junge taucht zwischen Eisbären, denen die Erderwärmung ihren Landlebensraum genommen hat. Im scharfen Kontrast zu ihren dezenten Naturbildern stehen die Plastiken von Burkhard Tegeler, die mit ein bis zwei Dutzend Schichten Lack aus Sprühdosen überzogen werden, bis sie wie Latex anmuten: rote Teufel oder Damen aus dem Sado-Maso-Geschäft.

Wem das zu schräg oder schrill ist, kann in der Galerie Haese Ölbilder bewundern, die an die moderne Klassik des 20. Jahrhunderts anknüpfen: Expressiv farbige Ostsee-Landschaften, wie von Emil Nolde gemalt, neben Bildern in strenger Farbharmonie wie im Spätwerk Paul Cézannes. „Wir haben vorher in Worpswede ausgestellt“, sagt Harald Haese, in dessen Galerie vorwiegend Bilder seiner Frau Christa Haese hängen, „doch dort kamen in der Woche nur wenige Besucher. Hier im Schnoor ist es besser, und wir fühlen uns hier sehr wohl.“

Die Bilder von Christa Haese würden gern gekauft, sagt ihr Ehemann, inzwischen auch von überregionalen Käufern. „Und eine ­Kundin aus den USA kommt alle zwei Jahre nach Deutschland und stattet unserer Galerie jedes Mal einen Besuch ab“, sagt Harald Haese.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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