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Der Kölner Künstler Malte Sonnenfeld stellt bis zum 26. Oktober in der Produzentengalerie Kunstmix aus
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Popkulturelle Helden mit Ironie versehen

Sigrid Schuer 05.10.2017 0 Kommentare

Malte Sonnenfeld
Die Medienwelt und Popkultur dienen Malte Sonnenfeld als Inspirationsquelle für seine Bilder. (Martin Koroscha / FR)

Aber die rheinische Frohnatur ist auch bildender Künstler und firmiert in dieser Funktion unter dem malerischen Pseudonym Malte Sonnenfeld.

Logisch eigentlich, dass ihm als Maler Medienwelt und Popkultur als Inspirationsquellen dienen. In seine poppigen Bildwelten sind aber auch seine philosophischen und philologischen Erkenntnisse eingeflossen, die er seinem Studium an der Kölner Universität verdankt.

Mit der Ausstellung „Icons & stills“, die Malte Sonnenfeld bis Donnerstag, 26. Oktober, in der Produzentengalerie Kunstmix, Kolpingstraße 18, zeigt, hat der Kölner Künstler den Helden seiner Kindheit und Jugend ein Denkmal gesetzt. Als „Neo Pop Art“ ließe sich der Stil beschreiben, in dem er seine Bilder malt und collagiert und dabei, so Martin Koroscha in seinen einführenden Worten auf der Vernissage, Gesellschaftskritik mit abgründigem Humor und einer Prise Ironie mischt. Das ist etwa bei dem Werk „Beate fand es an der Zeit, mal wieder ein paar Ohrfeigen zu verteilen“ der Fall. Empfänger dieser Ohrfeigen war  Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger. Verabreicht wurden sie ihm 1968 auf dem CDU-Parteitag von der damals 27-jährigen Journalistin und Aktivistin Beate Klarsfeld, die ihn als Nazi bezeichnete. Im oberen Bild-Teil hat der Künstler einen Aufruf collagiert, auf dem zu lesen ist: „Treibt Bonn den Notstand aus. 11. Mai Sternmarsch auf Bonn '68“. Im Willy-Brandt-Forum, Museum für Zeitgeschichte in Unkel, war auch schon Sonnenfelds Porträt des ehemaligen SPD-Bundeskanzlers neben einem Glas Rotwein unter dem Titel „Ein guter Roter“ zu sehen.

Ein Faible für Opernmusik

Eindeutig politisch Stellung bezieht Malte Sonnenfeld auch auf dem Pop Art-Bild „Der Kadett“, das den jungen Donald Trump als Absolventen einer US-Elite-Militärakademie zeigt. Das Blut tropft ihm aus den Mundwinkeln. Als Schablonen für die Umrisse seiner Prominenten-Porträts verwendet der Künstler Fotos. Eine weitere, US-amerikanische Ikone ist für ihn der berühmte Tänzer Fred Astaire. Ihn hat er aus einem riesigen, roten, weit geöffneten Mund hervortanzend, „auf der Suche nach dem ganz großen Kick“ gemalt. „Die roten Lippen stehen gleichermaßen für Erotik und Gefahr, denn wenn der Mund geschlossen wird, könnte er ja den Tänzer verschlucken“, erläutert Sonnenfeld. „Das hat schon ein bisschen etwas von dem Tanz auf dem Vulkan.“

Zu den Ikonen seiner Kindheit zählt er aber auch die Diva Maria Callas. „Meine Mutter hat  für Emi Electrola gearbeitet“, erzählt der Künstler, der ein Faible für Opernmusik hat. Also ist er mit den von der Callas interpretierten Opernarien aufgewachsen. Auf Emi Electrola gemünzt ist auch das Bild, das allerdings nicht in der Galerie Kunstmix zu sehen ist. „His master‘s voice“, die Stimme seines Herrn, also der Hund vor einem Grammophon, schaut auf eine Sprechblase, in der Sonnenfeld seine Skepsis gegenüber der schönen, neuen digitalen Welt formuliert hat: „Fuck the cloud!“, darunter steht: „Go analog“, also die Aufforderung, sich mal eine Auszeit von der allgegenwärtigen, beinahe schon verpflichtenden Online-Präsenz zu nehmen. Aber auch die „Dark heroes“, die dunklen Helden wie Orson Welles, Robert de Niro und Eddie Constantine haben Sonnenfelds filmische Sozialisation geprägt. Sogar der Regisseur der Nouvelle Vague, Francois Truffaut, widmete Lemmy Caution, dem filmischen Alter ego Eddie Constantines eine Hommage. Auch das greift der Künstler in einem seiner Werke auf. „Neulich habe ich eine Ausstellung in Magdeburg gehabt. Erst da ist mir aufgegangen, wie sehr wir von westlichen Medien geprägt sind. Vieles, das unser kollektives Gedächtnis ausmacht, kennen die Menschen aus den neuen Bundesländern einfach nicht. Außerdem ist der Wiedererkennungswert natürlich auch eine Generationsfrage“, resümiert der Künstler.

So verhält es sich auch bei der Szene aus der Talkshow „3 nach 9“, als Romy Schneider ihrem Schauspielerkollegen Burkhard Driest unverholen Avancen machte: „Ich mag Sie. Ich mag Sie sogar sehr!“ Dass Romy, die mit Unschuldsblick aus weit aufgerissenen Augen aus grün-türkisfarbenen Fluten auftaucht, so gar keine Angst vor Burkhard, dem Platzhirsch mit Macho-Allüren hatte, hat Sonnenfeld festgehalten. Nicht von ungefähr lautet sein Credo: „Meine Figuren erzählen Geschichten!“ Noch mehr Tierisches, mit dem sich eine weitere Leinwand-Schönheit konfrontiert sieht, hat das Multitalent humorvoll in „Elke hasste Konkurrenz“ dargestellt. Gezeigt wird ein Halbakt von Elke Sommer, die dem Betrachter einen lasziven Blick zuwirft, daneben hat der Künstler einen blauen Mini-Elefanten gesetzt, der auf einer Kugel balanciert.


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Leserkommentare
hopfen am 21.10.2019 11:38
Ein sehr gutes Beispiel dafür wie realitätsfern Politiker inzwischen sind. Würden alle fast identische Ferienzeiten bekommen, würde das absolute ...
admiral_brommy am 21.10.2019 11:29
Zitat: ".....und die Behörden lehnen seinen Asylantrag ab. "

Ausreisepflichtig scheint er aber nicht zu sein. Warum?
Warum ...
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