Wetter: Nebel, 11 bis 15 °C
Geschäftsbeziehungen zwischen Bremen und Island reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Reger Handel mit dem hohen Norden

Matthias Holthaus 21.08.2017 0 Kommentare

Bilder zum Vortrag - Wissen um 11 von Bart Holtmann
Ein Ausschnitt aus der "Carta Marina" von Olaus Magnus von 1539 mit der Südküste Islands und Schiffen aus Hamburg, Lübeck und Bremen (rechts, roter Schiffskörper). (Natascha Mehler)

und 16. Jahrhundert“ einen Einblick in die frühen Handelsbeziehungen der beiden Hansestädte zu nördlich gelegenen Ländern.

„Wie haben sich die Bremer und Hamburger Händler auf den Inseln verhalten? Wie haben sie dort gehandelt?“, fragt Bart Holterman und bietet anschließend Antworten aus Archäologie und Geschichtswissenschaften an. „Die Händler aus Bremen, Hamburg, aber auch aus Lübeck und anderen Städten, hatten direkte Handelsbeziehungen mit dem hohen Norden, also mit den Shetland-Inseln, den Färöer-Inseln und vor allem mit Island.“ Erste Hinweise für diese Handelsbeziehungen stammen aus den Jahren um 1520, als Hamburger Händler zum ersten Mal in Island waren. Vor allem im 16. Jahrhundert bestand ein sehr intensiver Schiffsverkehr zwischen den Hafenstädten der deutschen Küste und Island. Zuvor, im 15. Jahrhundert, gestaltete sich diese Art von Handel als problematisch, da die Hanse zu dieser Zeit ein Kontor in Bergen, also eine Niederlassung in Norwegen, hatte. Dieses Kontor wurde überwiegend von Lübecker Kaufleuten dominiert. „Ihre Privilegien beruhten darauf, dass Bergen ein Depot für all das war, was aus dem Norden kam. Und das bedeutet auch, dass deutsche Händler nicht selbst nach Norwegen, den Shetlands, den Färöer-Inseln oder nach Island fahren durften“, erzählt Holterman. Stattdessen wurden die Waren von lokalen Kaufleuten erst nach Bergen gebracht, wo sie dann weiter gehandelt werden konnten. „Dieser direkte Handel, der ab 1520 stattfand, ging eigentlich gegen ihre Privilegien, und die Bergener Kaufleute haben auf den Hansetagen Widerstand geleistet, letztlich konnten sie sich aber nicht durchsetzen.“

Bilder zum Vortrag - Wissen um 11 von Bart Holtmann
Ein Bremer Handelshaus, auch "Bremen böd" genannt, das noch in Whalsay, Shetland zu sehen ist. Die Insel liegt auf der Route zwischen Island und Norddeutschland. (Natascha Mehler)

Andere Kaufleute, mit denen die Hamburger und Bremer in Island in Konflikt gerieten, waren im 15. Jahrhundert vor allem die Engländer, die viel vor der Insel gefischt haben. Vor allem zu dieser Zeit, als die Situation noch nicht eindeutig geregelt war, kam es sehr oft zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen deutschen, englischen und schottischen Kaufleuten.

Zu den Waren, die vornehmlich gehandelt wurden, gehörte unter anderem Stockfisch. Für die Isländer war Stockfisch sogar so wichtig, dass sie ihn sogar in ihr Wappen aufgenommen haben. Außerdem gab es auf der Vulkaninsel Island Schwefel, der wichtig war für die Herstellung von Schießpulver, der aber auch in der Medizin Anwendung fand. Und es gab Gerfalken: „Gerfalken leben nur in Polargebieten. Die größte und stärkste Falkenart war sehr begehrt beim Hochadel, der damit die Falkenjagd betrieben hat“, sagt Holterman. In Island und Nordnorwegen gefangen, wurden sie anschließend für viel Geld verkauft.

MIT Haus der Wissenschaft Wissen um elf Bart Holtermann
Doktorand Bart Holtermann bei der Präsentation im Haus der Wissenschaft (Roland Scheitz)

Island gehörte zwar zum Hansenetzwerk, unterschied sich jedoch, auch, weil es zum einen keine Hafenanlagen gab und zum anderen keine richtigen Städte. „Deutsche Händler hatten ihre Buden an Land errichtet, wo sie ihre Waren gelagert haben. Ihr Schiff lag in der Bucht, sodass sie ihre Waren mit kleinen Schiffen an Land bringen mussten“, beschreibt Holterman die Arbeitsweise. Die zum Handel errichteten Buden waren auf Island eher temporäre Bauten und aus Holz gebaut. „Auf den Shetlands gibt es aber noch ein Haus, das `Bremen Böd´, und das ist ein Steinhaus“, erzählt Holterman. Die Bauern und die Hersteller von Stockfisch sind anschließend zu ihnen gekommen oder aber die Händler zu ihnen. Somit konnte die gesamte Infrastruktur, mit der die Händler im Hanseraum vertraut waren, dort nicht angewendet werden. „Sie mussten zum Beispiel auch ihre Böttcher mitnehmen, weil dort niemand war, der Fässer herstellen konnte.“ Darüber hinaus hatte der dänisch-norwegische König den Winteraufenthalt in Island für die Bremer und Hamburger verboten, um Kaufmannskolonien zu verhindern. „Das lief dann darauf hinaus, dass sie im Frühling losgefahren und den Sommer über dort geblieben sind und im Herbst wieder zurückkommen mussten“, sagt Holterman. Und da die Häfen über die ganze Insel verteilt waren und es keinen zentralen Ort gab, bedeutete das auch, dass in den meisten dieser Häfen jedes Jahr ein Schiff aus Norddeutschland lag.

Eine weitere Besonderheit des Handels zwischen den Händlern und den Einheimischen war der Umstand, dass Island eine überwiegend bargeldlose Gesellschaft war. „Die Isländer haben die Waren, die sie von den deutschen Händlern gekauft haben, in Fisch bezahlt, und das auch nicht sofort, sondern auf Kredit“, sagt Holterman. Im Winter, wenn die Deutschen dann Island wieder verlassen haben, stellten die Einheimischen den Stockfisch her, mit dem sie dann im nächsten Sommer die Waren des Vorjahres bezahlt haben.

MIT Haus der Wissenschaft Wissen um elf Bart Holtermann
Doktorand Bart Holtermann bei der Präsentation im Haus der Wissenschaft (Roland Scheitz)

Die Kaufleute haben dieses System aus Bergen übernommen. Dies wurde zum Problem dieser Handelsform. „Da war es jedoch ein Kontor, eine zentrale Institution, die das alles regulieren konnte.“ Doch auf Island waren die Kreditgeschäfte weit weniger reguliert und dies barg Gefahren: Da ein Bauer mit mehreren Händlern Kreditgeschäfte eingehen durfte und die Händler nur einmal im Jahr auf Island waren, konnten sich die Händler nie sicher sein, ob sie die Kredite auch zurückbezahlt bekommen würden. Deshalb mussten nicht nur die deutschen Kaufleute, sondern auch die Isländer Vertrauensnetzwerke aufbauen: Denn die Isländer waren vom Einführen der deutschen Waren abhängig, weil sie selbst nur wenig produzierten und daher darauf angewiesen waren, dass auch im nächsten Jahr wieder ein Schiff aus Deutschland kommt.

Bilder zum Vortrag - Wissen um 11 von Bart Holtmann
Ein Bremer Handelshaus, auch "Bremen böd" genannt, das noch in Whalsay, Shetland zu sehen ist. Die Insel liegt auf der Route zwischen Island und Norddeutschland. (Natascha Mehler)

Für weitere Informationen betreibt das Deutsche Schifffahrtsmuseum unter https://fishandships.dsm.museum/ ein Weblog.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Nebel.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 30 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige