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Eklat in der Ausschuss-Sitzung
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Stellvertretende Ortsamtsleiterin als Domina beschimpft

Sigrid Schuer 23.05.2018 26 Kommentare

Marwa El-Sherbini ist das einzige Opfer rechtsradikaler Gewalt mit Bremen-Bezug, dem auf dem Pavillon am sogenannten Bermuda-Dreieck gedacht wird. Um die Benennung des Platzes mit ihrem Namen ist nun eine Kontroverse entbrannt.
Marwa El-Sherbini ist das einzige Opfer rechtsradikaler Gewalt mit Bremen-Bezug, dem auf dem Pavillon am sogenannten Bermuda-Dreieck gedacht wird. Um die Benennung des Platzes mit ihrem Namen ist nun eine Kontroverse entbrannt. (Gerbracht)

Der Ton macht die Musik und zum guten Ton gehört es, in demokratischen Debatten nicht ausfallend zu werden. Bedauerlicherweise hielt sich in der jüngsten Sitzung des Fachausschusses Nachhaltige Mobilität ein Vertreter der Bürgerinitiative "Leben im Viertel" nicht an diese Spielregeln. Als die stellvertretende Ortsamtsleiterin Manuela Jagemann um die Einhaltung der Rednerliste bat, schimpfte Professor Irmbert Schenk: "Jetzt hören Sie aber mal auf, hier die kleine Domina zu spielen!" Eine Provokation, über die sich der stellvertretende Sprecher des Beirates Östliche Vorstadt, Daniel de Olano (SPD) empörte: "Ich beantrage, dass im Sitzungsprotokoll vermerkt wird, dass der Ausschuss diese zutiefst undemokratische Äußerung rügt!". Auslöser für Schenks verbale Entgleisung war die heftige Diskussion um die Benennung der zwischen Humboldtstraße, Fehrfeld und Römerstraße gelegenen Fläche in "Marwa-El-Sherbini-Platz". Nach dem Eklat sind sich nun alle im Ausschuss vertretenen Fraktionen einig, für die Benennung zu stimmen.

Bereits vor sechs Jahren hatten Daniel de Olano und Alexia Sieling (SPD) und Birgit Menz (Linke) einen dementsprechenden Antrag gestellt. Die 1977 in Ägypten geborene Marwa El-Sherbini wurde am 1. Juli 2009 in Dresden Opfer eines Mordes aus ausländer- und islamfeindlichen Motiven. Die studierte Pharmakologin lebte seit 2005 zunächst in Bremen, seit 2008 dann in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden. Dort war ihr Mann als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut beschäftigt. Der Mordanschlag auf El-Sherbini ereignete sich während einer Gerichtsverhandlung, zu der sie als Zeugin geladen war. Täter war der Angeklagte des Prozesses, ein deutscher Staatsbürger deutsch-russischer Abstammung, der wegen Beleidigung El-Sherbinis vor Gericht stand. El-Sherbini, die damals ein Kind erwartete, wurde vor den Augen ihres Sohnes mit 18 Messerstichen ermordet. Ihr zu Ehren wurde in Dresden ein Stipendium benannt. Jedes Jahr wird ihrer Ermordung im Dresdner Landgericht gedacht.

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Professor Schenk wandte ein, dass angeblich niemand von der Umbenennung des Platzes gewusst habe. Dem traten die Ausschuss-Mitglieder entgegen. Der Gedenkpavillon für Opfer rechtsradikaler Gewalt, der im Rahmen des Köfte-Koscher-Projektes von Kindern und Jugendlichen jüdischen und muslimischen Glaubens unter der Anleitung von zwei Künstlerinnen gestaltet worden war, sei 2012 mit einer großen Zeremonie in Anwesenheit von Bürgerschaftspräsident Christian Weber. Nun soll das Trafohäuschen mit Hilfe von Globalmitteln renoviert und der Platz bei seiner Einweihung am 18. Oktober nach Marwa El Sherbini benannt werden.

Schenk monierte, dass der Platz rund um die Uhr ein Drogenumschlagplatz sei: "Das ist ein rechtsfreier Raum, wo sich 200 saufende, pinkelnde und Müll produzierende Menschen tummeln". Die grünen Politikerinnen im Ausschuss, die den Antrag befürworten, betonten, dass das eine nichts mit dem anderen zu tun habe und Dinge tunlichst nicht durcheinander geworfen werden sollten. Stefan Schafheitlin, ein weiterer Vertreter der Bürgerinitiative "Leben im Viertel" wandte ein, dass ein derart "versiffter Platz", an dem solche Missstände herrschten, sich aus Sicht der Initiative kaum als Gedenkort eigne: "Das ist unser Problem!" betonte er. Die Initiative fordert nun eine Anwohner-Befragung.

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Die Mitglieder des Ausschusses waren sich einig, dass die Vermüllung auf dem Platz unbedingt gestoppt werden muss. Daniel de Olano nahm einen konstruktiven Vorschlag seitens einer Vertreterin der Bürgerinitiative auf, doch auch eine Straße oder einen Platz nach Rudi Dutschke zu benennen, der ja auch Opfer rechter Gewalt geworden sei und durch seinen Auftritt in der "Lila Eule" zudem auch einen Bremen-Bezug habe: "Das ist ein guter Vorschlag, in unserem Bereich eine Straße oder einen Platz nach ihm zu benennen."

Es gab aber auch andere Stimmen aus dem Wohnumfeld des Platzes, die ihre große Betroffenheit und Empathie für das Schicksal El-Sherbinis bekundeten. Jürgen Schultz (FDP) schlug vor, eine Bürgerbeteiligung bei der Benennung des Platzes zu initiieren. Wie diese genau aussehen wird, beispielsweise sind Informationsveranstaltungen denkbar, das soll auf der nächsten Beiratssitzung am 12. Juni verhandelt werden.  


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...
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