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Yuki Klink zeigt Ichimatsu-Puppen und Japanische Kalligraphie im offenen Atelier / Erlös geht an Erdbebenopfer
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Kleine Beschützer im Kimono

Undine Zeidler 27.04.2011 0 Kommentare

Dieser Vorliebe aus der Heimat bleibt sie bei ihren Ichimatsu-Puppen treu, jenen nach alter Tradition handgefertigten kleinen Menschen mit Mandelaugen unter geradem Pony, mit porzellanweißem Teint, gewandet in opulente Kimonos. Diese Puppen zeigt Klink am kommenden Sonnabend, 30. April, neben japanischer Kalligraphie und Katzenfiguren in ihrem Atelier - verbunden mit einer Benefizaktion für Japan.

Seit dem 17. Jahrhundert werden in Japan Ankleidepuppen gefertigt. Die Bezeichnung Ichimatsu-Ningyo (Puppen) stammt aus dem 18. Jahrhundert. Sie geht zurück auf einen Schauspieler des traditionellen japanischen Kabuki-Theaters, in seiner Zeit als Schönheitsidol verehrt. Yuki Klink baut seit 1987 diese Puppen, betreibt das neben ihrer anderen, Shodo genannte Kunst, der japanischen Kalligraphie.

Die Puppenkunst steht in Japan im Ansehen auf gleicher Stufe mit der Bildhauerei. Und während in Deutschland Puppen langläufig als Spielzeug gelten, fungieren sie in Fernost als Beschützer und Talismane, als Freundin und Partner. Ihnen wird eine Seele zugeschrieben. Und weil Ichimatsu-Puppen wie Menschen behandelt werden sollen, baut Klink sie ungern für ein Leben in der Glasvitrine. Da gehören sie nicht hinein, sagt sie, sondern auf das Sofa oder die Fensterbank. In Japan werden die Puppen nach Klink auch nicht einfach weggeworfen, sondern für sie wird in buddhistischen Tempeln oder Shinto-Schreinen eine Totenmesse gehalten.

42 Japanpuppen hat Klink bisher erschaffen. Gesucht hatte sie nicht nach dieser Kunst, spielte als Kind lieber mit Schwertern und Wasserpistolen. Ein Antikhändler wies der erwachsenen Yuki Klink den Weg, indem er ihr eine antike Ichimatsu-Puppe anbot und ihr obendrein noch eine Puppenkünstlerin vorstellte. Weil Klink vom Charakter der Frau so fasziniert war, ließ sie sich darauf ein, bei ihr den Puppenbau zu lernen.

Zwischen zwei Monaten und einem halben Jahr braucht die Borgfelder Puppenbauerin für die zehn bis 70 Zentimeter großen, von Hand gefertigten Kunstwerke. Die Zutaten stammen aus Japan: Modelliermasse, Kimonostoffe, Garn und selbst die Stecknadeln mit dem Blumenkopf. All das türmt sich in Kästen und Schachteln auf einem Tisch unterm Dach. Dem steht noch ein zweiter gegenüber, der Tisch für die Kalligraphie. So, wie sie das Atelier teilt, teilt sie auch ihre Zeit zwischen den Künsten, in Phasen der Kalligraphie und jene für Puppen und Katzenfiguren.

Am Beginn eines Japanpuppenlebens steht Styropor. Aus dem schnitzt Klink den Kopf und trägt darauf die feuchte Modelliermasse auf - ein Brei aus fein gemahlenem Stein. Der muss an der Luft trocknen. Dann wird geschliffen, und so geht es weiter: Trocknen, Schleifen, Trocknen - "bis der Kopf fast perfekt ist". Weil das viel Zeit braucht, arbeitet Klink meist gleichzeitig an mehreren Puppen, derzeit an fünf für das Überseemuseum. Ganz am Anfang wollte Klink einmal die Sängerin Kate Bush nacharbeiten. Deren Musik mag sei, neben Hardrock, wofür große Bassboxen in ihrem Atelier stehen. Der Versuch mit dem Kate-Bush-Gesicht misslang, erzählt sie fröhlich, und dass sie seitdem darauf verzichtet, nach Skizzen oder Fotos zu arbeiten. "Die Puppe sucht sich ihr Gesicht", sagt Klink. Irgendwann stellt sich bei der Arbeit jener Moment ein, in dem der Puppenkünstlerin das Gesicht gefällt. "Dann ist die Puppe fertig." Klink lacht, meint, das klingt chaotisch. Doch bisher habe das immer funktioniert.

Kimono im Kleinformat

Hände und Arme, Füße und Beine entstehen in der gleichen Weise. Die porzellanartig anmutende Oberfläche erzeugt Klink mit Öl- oder Acrylfarben. In Japan werden dafür bis zu zehn Schichten Muschelkalk aufgetragen. Die Augen für ihre Puppen kauft sie wie die meisten japanischen Puppenkünstler in Deutschland. Da werden laut Klink wohl die schönsten Augen hergestellt. Für den seidig schimmernden schwarzen Pagenkopf stutzt sie anschließend Seidenfäden aus Japan auf die passende Länge und klebt sie als Frisur auf den Kopf. Zuletzt kommen der Kimono, der Kimonogürtel namens Obi, der Unterkimono und der Unterrock - alles aus Seide, Baumwolle oder speziellem Kimonostoff handgenäht und im Schnittmuster identisch zu den Kimonos für Erwachsene.

Nun kostet schon ein Erwachsenen-Kimono in Japan zwischen 1000 und 2000 Euro. Da liegt nahe, dass Klinks Puppen nicht zum Schnäppchenpreis zu haben sind. Einmal hatte sie gehofft: Der Preis schreckt ab. Sie stellte die 70 Zentimeter große Maya in einem Bremer Japan-Geschäft aus. "Bei einem Preis von 2000 Euro kaufen die Leute die Puppe bestimmt nicht", meinte sie. Doch ein Geschäftsmann verliebte sich in die Ichimatsu-Puppe und wusste um deren Wert. Er kaufte Maya zur Erinnerung an eine japanische Freundin, die 1995 beim Erdbeben in Kobe gestorben war. Da sagte sich Klink: "Na gut" und ließ Maya ziehen. 33 verkaufte Schwestern folgten ihr. Klink schickt sie mit Namen ins Leben. Der kommt ihr während des Bauens in den Sinn oder spätestens, wenn die Puppe fertig ist.

Nur ein filigranes Wesen, kaum handgroß, sitzt noch namenlos im Atelier. Klink zupft an den Kimonoärmeln, erzählt, wie schwierig diese Miniatur zu nähen war. Und während sie das tut, sagt sie lächelnd: "Asuki". Ja, das passt zu der Puppe: "Kleine Bohnen".

"Asuki" gibt ihr das Stichwort für andere Figuren: Einem Kaiserpaar aus Kimonostoff - jedoch in ihrer Interpretation. Weil der Hase wegen seiner Ohren in Japan so beliebt ist, hat sie das Menschen-Kaiserpaar in Hina-Hasen verwandelt, sagt sie und lässt die rosa Löffel durch ihre Finger gleiten. Gefüllt sind die Hasenkörper mit kleinen, braunen Asuki-Bohnen.

Wenn Klink über ihre Ideen und Figuren erzählt, gleicht sie einer fröhlich sprudelnden Quelle. Nach dem Hasenpaar und noch drei Hina-Hasen holt sie ihre "Bonsai-Katzen" dazu. Winzige grinsende Glücksbringer nach asiatischem Vorbild oder schmiegsame Katzenkörper, modelliert nach den echten Tieren der Katzenliebhaberin. Sie will sich noch mehr mit japanischen Mythen befassen, erzählt Klink. Die legendäre Königin Iyo, die Zauberin Himiko und andere Fabelwesen will sie bauen, und da gibt es auch noch den surrealistischen japanischen Puppenbau - Ideen hat sie viele.

Mit ähnlichem Enthusiasmus, wie Klink ihre Künste betreibt, setzt sie sich derzeit für die japanischen Erdbebenopfer ein. Das Beben hatte Klink im März in Tokio erlebt, von Deutschland aus will sie den Betroffenen helfen. Gegen eine Spende können Atelierbesucher den eigenen Namen in Hiragana-Kalligraphie schreiben lassen. Zudem will die Künstlerin die Hälfte vom Erlös ihrer an diesem Tag verkauften Arbeiten spenden. Über das Deutsche Rote Kreuz soll das Geld nach Japan fließen.

Japanische Kunst und Benefizveranstaltung für Japan veranstaltet Yuki Klink am Sonnabend, 30. April, von 11 bis 18 Uhr im Suhrsweg 1 in Bremen. Infos gibt es unter www.japanpuppen.de im Internet oder telefonisch unter 0421/385685.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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