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Von hinduistischem Lichterfest mit Mandalas und traditionellen Geschichten
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Tee im chinesischen Pavillon

Ina Schulze 02.11.2014 0 Kommentare

Botanika Lichterfest
Sangita Chitrakar-Hess schuf in der Botanika ein traditionelles Diwali-Mandala, dem magische und religiöse Bedeutungen zugeschrieben werden. (Petra Stubbe)

Das Lichterfest Diwali kann man mit Weihnachten vergleichen – nicht nur wegen seiner spirituellen und sozialen Bedeutung, sondern auch wegen seines fröhlichen Charakters. Mit dem Fest gehen zahlreiche Bräuche einher, mit unterschiedlichen mythologischen Bezügen. Das Lichterfest steht zum Beispiel für den Sieg des Guten über das Böse, Licht über Dunkelheit und das Erkennen eigener innerer Stärken.

Bunte Bilder auf dem Fußboden sind ein wichtiger Teil des Festivals. Aus diesem Grund gestaltete Sangita Chitrakar-Hess ein traditionelles Diwali-Mandala in der Botanika, wo das Fest am vergangenen Sonntag gefeiert wurde. Ein Mandala ist ein geometrisches Schaubild, das eine magische oder religiöse Bedeutung besitzt. In der Mitte liegen Obst und Nüsse, umrandet werden sie von roten, gelben oder schwarzen Kreisen, die aus Reis, Samen oder Steinen bestehen.

Die Besucher der Botanika schauen ruhig und fasziniert der konzentrierten Arbeit der gebürtigen Nepalesin zu. Am Ende wird das Bild mit Blüten umrandet und der Götterstatue ebenfalls Obst und Nüsse gereicht. „Jeder Mensch hat sein eigenes Mandala“, sagt die 39-Jährige. Einmal im Jahr lege man sein eigenes Bild. Das Zentrum stellt die Person selbst dar. „Obst und Nüsse von der Erde und den Bäumen gibt der Seele Energie“, sagt die Künstlerin aus Syke. Die Kreise seien die Familie und Freunde. Es ist eine Art Meditation und Konzentration auf das Wichtige im Leben. Am Ende wird das Bild von 108 Lichtern für die Götter umrandet. „Das Licht ist ganz wichtig, es symbolisiert die Seele“, sagt Chitraka-Hess.

Die Botanika ist stimmungsvoll geschmückt, mit Bannern, Lichtern und Infotafeln rund um Shiva oder der Bedeutung des Elefanten im Hinduismus. Indische Musik und Bollywood-Tänze sowie das Räuchern mit echtem ost-indischem Sandelöl verlocken zum Mitfeiern. Besucher konnten Mandalas ausmalen oder Origami selbst basteln. Als Andenken an das Fest konnte man sich ein kostenloses Henna-Tattoo von Lisa Rosa Hummel auf die Hand malen lassen. „Henna-Tattoos werden traditionell bei Hochzeiten getragen und die Initialen der Liebenden eingearbeitet. Inzwischen wird es auch als Mode getragen“, sagt Hummel. Darüber hinaus gab es für die Kleinen noch indische Märchen und Kurzgeschichten von Silke Schlüter. „Die Tiere helfen den Menschen mit List und Mut. Durch die Geschichten werden Lebensweisheiten vermittelt“, sagt Silke Schlüter aus Walle.

Natürlich wurde auch traditionell der große Lichterkranz von dem hinduistischen Yoga-Meister Nepal Lodh mit meditativen und traditionellen Riten entzündet. Darüber hinaus gab es indische Köstlichkeiten und typischen Chai-Tee, der traditionell mit Gewürzen zubereitet und teilweise mit Milch aufgekocht und süß serviert wird.

Botanika Lichterfest
Ravi Chitrakar verkauft Kleidungsstücke und selbst angefertigte Malereien (Petra Stubbe)

Tee im chinesischen Pavillon

Stefanie Gronewold nutzte die festliche Gelegenheit, um eine kleine Teeführung durch die Botanika anzubieten. Einige Besucher versuchten im originalen chinesischen Teepavillon auch gleich den typischen Chai-Tee. „China ist das Ursprungsland des Tees“, sagt Gronewold aus dem Viertel, „Seit 5000 Jahren wird er dort kultiviert.“ Einer Legende nach wurde Tee eher zufällig entdeckt. Dem chinesischen Kaiser seien ein paar grüne Blätter in das heiße Wasser gefallen, was sich dann verfärbte. Er fand das Getränk wohlschmeckend und anregend. Ein chinesischer Teepavillon ist laut der studierten Umweltplanerin ein Treffpunkt, an dem sogar ein Heißwasserbereiter steht, um in geselliger Runde Tee zu trinken.

„Tee ist ein sehr gesundes Getränk“, sagt Gronewold. Interessanterweise gebe es ursprünglich nur zwei Teepflanzen, die Camellia sinensis und assamica. Aus diesen Teepflanzen ergibt sich schwarzer, grüner, weißer und gelber Tee sowie sehr viele Variationen. Grüner Tee entsteht aus den getrockneten frischen Teeblättern. Der Weiße sei dem Grünen sehr ähnlich. „Dabei pflückt man die Blätter so vorsichtig, dass die Fermentierung nicht eintritt“, sagt Gronewold. Denn wenn die Pflanzen gepflückt werden, brechen die Fasern oder Strukturen der Pflanze auf und ein Gärungsprozess wird in Gang gesetzt. Der typische Schwarztee entsteht.

Tee muss vorsichtig gelagert werden, da er gerne den Geschmack und den Geruch anderer Stoffe aufnimmt. „Aus zwei Pflanzen kann man je nach Verarbeitung und Kombination sehr viele Sorten herausfiltern“, so Gronewold. Auch das Anbaugebiet, die Höhenlage und die Klimazone wirken sich auf den Geschmack der Pflanze aus. „Die besten Sorten wachsen in den Tiefebenen, in denen sich der Dunst sammelt“, sagt Stefanie Gronewold. Denn Teepflanzen benötigen viel Feuchtigkeit. Die Lagerung und Ziehzeit beeinflussen ebenfalls den Geschmack.

In der Botanika zeigte sie die kleinen weißen Blüten der Teepflanze. In der echten Produktion würde man nie einen blühenden Strauch sehen, da die Blüten nicht verarbeitet werden.

Ravi Chitrakar verkaufte in der Botanika unter anderem traditionelle Kleidungsstücke, Schmuck und selbst angefertigte Malereien. Seine Kopfbedeckung stehe für den Mount Everest. Denn der 27-Jährige stammt wie seine Schwester Sangita aus Nepal. „Chitra“ bezeichnet seine Kaste, „kar“ sein Karma als Maler. Das Malen wurde traditionell von seinem Vater an Ravi Chitrakar weiter gegeben. Seit rund 500 Jahren lebt die Tradition in seiner Familie fort.

„Jedes Festival braucht ein Bild von der Göttin vor dem Tempel“, sagt Chitrakar, der in Hannover Wasserbau studiert. Die Bilder stehen zum Beispiel für verbesserte Meditation, bessere Beziehungen oder Gesundheit. „Gemalt wird mit Farben aus Steinen, Tierhaut und Wasser, alles was aus der Natur kommt“, sagt Ravi Chitrakar.


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Leserkommentare
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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