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Gymnasium Horn-lehe
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Abschied nach 22 Jahren

Maren Brandstätter 07.07.2019 6 Kommentare

Pascal Berke, Karsten Thiele, Christel Kelm und Stefan Frese
Pascal Berke, Karsten Thiele, Christel Kelm und Stefan Frese (PETRA STUBBE)

Horn-Lehe. „Die schießt aus der Hüfte“ – mit diesen warnenden Worten eines Kollegen wurde Hartmut Riggers an seinem ersten Arbeitstag am Gymnasium Horn vor 20 Jahren auf Schulleiterin Christel Kelm vorbereitet. Zum Vergleich habe er sich daraufhin ein paar Wild-West-Filme angeschaut, „aber ich konnte keine Parallelen erkennen.“ Denn Riggers wusste bereits, worauf er sich einließ: Kelm und er waren einige Jahre zuvor bereits Kollegen am Gymnasium Huckelriede gewesen, berichtete er jetzt anlässlich des bevorstehenden Ruhestands der Schulleiterin.

22 Jahre lang hat Kelm das Gymnasium Horn geleitet. Aufgewachsen unter anderem in Indien und Malaysia, führte sie ihr Studium nach Münster und Düsseldorf und ihr Referendariat mit der damals ungewöhnlichen Fächerkombination Französisch/Philosophie schließlich nach Bremen.  

Standfest sei sie, und sie habe stets einen kritischen Blick auf das Bildungssystem gehabt – das treffe die Sache besser als der Wild-West-Vergleich, befand Riggers in seiner Ansprache. Ebenso stark ausgeprägt sei allerdings auch ihre soziale Ader, die sie sich frühzeitig bei der Huckelrieder Schulleiterin Helene Keunecke „abgeschaut“ habe.

Als Beispiel für Kelms Standfestigkeit führte Riggers unter anderem die Zulassung des Horner Gymnasiums für das AbiBac an, dem parallelen Erwerb von deutschem und französischem Abitur. Zuvor hatte sich das Gymnasium vergeblich um den Titel Europaschule bemüht, erinnerte Riggers. „Zwei Jahre später hast Du mit dem AbiBac dann Rache genommen“, konstatierte er lachend.

Kostspieliger Umbau

Der knapp 16 Millionen Euro teure Umbau des Horner Gymnasiums sei ebenfalls Kelms Standfestigkeit zu verdanken. „Ich wusste ja immer, dass Du nerven kannst“, betonte Riggers, der 2006 bis zu seiner Pensionierung die Stellvertretung der Schulleiterin übernommen hatte. „Vier Jahre lang wurde gebaut, und wir alle mussten Lärm und Schmutz ertragen – aber es hat sich gelohnt!“ Auf die bundesweite Bekanntheit, die Kelm im vergangenen Jahr aufgrund ihrer Klage gegen die Anordnung einer Inklusionsklasse erlangte, ging Riggers bewusst nur kurz ein. „Aktuell wird erneut versucht, Inklusion an dieser Schule zu installieren“, sagte er. Man werde sehen, ob es nun im zweiten Anlauf klappe.

Da Kelms Engagement einer besonderen Würdigung bedürfe, habe er jüngst Kontakt mit der Deutschen Post aufgenommen, berichtete Riggers zum Ende seiner Rede. Er sei der Ansicht, dass ihr Konterfei auf eine Briefmarke gehöre, erklärte er und überreichte der überraschten Schulleiterin einen Bogen mit 50 entsprechenden Postwertzeichen zu je 85 Cent. Angesichts der regelmäßigen Portoerhöhungen habe er auf Nummer sicher gehen wollen und gleich fünf Cent mehr als nötig veranschlagt, erklärte Riggers.

„Sie haben deutliche Spuren hinterlassen“, resümierte Stefan Frese von der Bildungsbehörde Kelms 22-jährige Tätigkeit am Gymnasium Horn. Dass sie darauf bestanden habe, die Inklusion am Gymnasium Horn mit einem fundierten Konzept und entsprechender Ausstattung zu beginnen „und nicht hopplahopp“ sei bezeichnend für die Schule, so Frese. Hinsichtlich ihrer Zusammenarbeit beschrieb er Kelm als „hart in der Sache, fair im Umgang“. 

Einen Abschied für immer bedeute die Verabschiedung als Schulleiterin allerdings nicht, betonte Frese abschließend. Mit einigen Wochenstunden werde Kelm im kommenden Schuljahr weiterhin als Fachlehrerin am Gymnasium Horn unterrichten. Der Horn-Leher Bildungsausschuss und auch die Elternvertretung des Gymnasiums hätten es allerdings lieber gesehen, dass Kelm die Stellung als Schulleiterin noch etwas länger gehalten hätte. So lange, bis ihre Nachfolge geregelt ist. So war es seinerzeit auch von der Behörde angedacht und im Horn-Leher Bildungsausschuss kommuniziert worden.

Noch keine Lösung

Auf Nachfrage im Bildungsressort ist davon allerdings keine Rede mehr. Das Besetzungsverfahren sei aktuell aufgrund einer rechtlichen Prüfung angehalten, solle aber schnellstmöglich fortgeführt werden, teilt Sprecherin Annette Kemp mit. Die Behörde bemühe sich intensiv darum, eine Lösung zu erarbeiten. Sollte dies nicht gelingen, werde gemäß Schulverwaltungsgesetz eine kommissarische Leitung eingesetzt. „Das wäre dann qua Amt die stellvertretende Schulleiterin.“

Laut Siegbert Meß, Vorsitzender des Schulvereins, hat der Elternbeirat die Bildungssenatorin bereits im März angeschrieben und moniert, dass sich das Verfahren der Neubesetzung in die Länge zieht. Eine Antwort stehe bis heute noch aus. „Wir haben daher auf der letzten Elternbeiratssitzung beschlossen, in der Angelegenheit noch einmal nachzufassen“, berichtet Meß. In einem weiteren Schreiben an die Senatorin hat der Elternbeirat nun bedauert, dass Kelms Verlängerungsangebot von der Behörde unbeantwortet geblieben sei. Außerdem äußern die Elternvertreter in dem Schreiben die Sorge, die kommissarische Leitung könne die stellvertretende Schulleiterin möglicherweise überlasten. Zwar könne er nachvollziehen, dass man sich im Hause der Bildungsbehörde gerade bei Personalentscheidungen immer auf der sicheren Seite befinden wolle, betont Meß. „Der jetzige Schwebezustand wäre jedoch aus Sicht des Elternbeirats vermeidbar gewesen.“


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
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