Wetter: Regenschauer, 9 bis 15 °C
Wie das deutsch-spanische Autorinnengespann Sabine Hofmann und Rosa Ribas zusammenarbeitet
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Ana wurde souveräner und abgeklärter

Silja Weißer 27.11.2017 0 Kommentare

Deustch SPanisches Autorenduo Sabine Hofmann und Rosa Ribas
Ribas und Hofmann schrieben meist eine Buchhälfte spanisch und eine Deutsch. Dann wird jeweils übersetzt in die andere Sprache übersetzt. (Silja Weißer)

Sabine Hofmann und Rosa Ribas müssen herzhaft lachen. Ein Buch hätten sie ursprünglich geplant. Nun geht doch eine Trilogie mit jeweils Hunderten von Seiten in dicken Bänden auf das Konto des deutsch-spanischen Autorinnen-Duos: „Das Flüstern der Stadt“, „Die große Kälte“ und demnächst auf dem Markt: „Auf der anderen Seite der Ramblas“. Aus einem lasen sie kürzlich im Bremer Instituto Cervantes anlässlich des Globale Literaturfestivals.

Zwei Schriftstellerinnen schreiben gemeinsam Romane. Das ist an sich keine Seltenheit. Doch Hofmann und Ribas schreiben ihre Anteile jeweils in ihrer Muttersprache. Die eine in Spanisch, die andere in Deutsch. Wie sie ihre Projekte realisieren, erörterten sie jüngst im Instituto Cervantes in Schwachhausen. Um zwei einsprachige Versionen herauszubringen, übersetzen sie gegenseitig und verfeinern, ergänzen und kürzen dabei die Texte – eine Arbeit mit viel Leidenschaft für beide Sprachen.

Deustch SPanisches Autorenduo Sabine Hofmann und Rosa Ribas
Deustch SPanisches Autorenduo Sabine Hofmann und Rosa Ribas (Silja Weißer)

Hofmann und Ribas lachen und schreiben nicht nur gerne gemeinsam. Seit nunmehr 22 Jahren sind die beiden promovierten Literaturwissenschaftlerinnen befreundet. In der Goethe Universität in Frankfurt am Main lernten sie sich kennen, Hofmann damals noch als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Spanischen Institut und Ribas als Lektorin.

Heute ist Hofmann im Odenwald heimisch geworden und arbeitet als Gymnasiallehrerin für Spanisch und Deutsch. Ribas, ursprünglich aus Barcelona, wohnt seit 2003 in der Mainmetropole. Vor neun Jahren kündigte sie ihre Stelle als Professorin für Angewandte Spanische Studien an der Hochschule Heilbronn, um sich voll und ganz dem Schreiben zu widmen.

Dass die Chemie zwischen ihnen stimmt, merkten sie damals recht schnell bei der Arbeit an gemeinsamen Aufsätzen. Dann stand ein Text für eine Freundin an, eine Festschrift zum Abschied, die Hofmann und Ribas als zweisprachige Erzählung verfassten – einen Teil in Spanisch, einen in Deutsch. „Das hat richtig viel Spaß gemacht“, erzählt Ribas. Die Idee, einen gemeinsamen Roman zu verfassen, in dem ihre große Leidenschaft für die Sprachen zum Ausdruck kommt, war geboren.

Und so stehen in dem gemeinsamen Erstlingswerk „Das Flüstern der Stadt“ auch zwei Wortliebhaberinnen im Vordergrund, eine Professorin der Philologie und eine Journalistin. „Sprache hat hier eine Schlüsselfunktion“, betont Hofmann. Inhaltlich geht es um Mord. Die Kriminalgeschichte um den dem faschistischen Franco-Regime verpflichteten Ermittler Isidro Castro und die Journalistin Ana Martí ist in Spanien ein Verkaufsschlager und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Den historischen Rahmen bietet, und das alles über alle Bände hinweg, die Zeit der 50er Jahre, geprägt vom Despotismus der Diktatur Francos und den ersten Schritten zum organisierten Widerstand. Eine Zeit des Schweigens und des Verschweigens. „Es geht darum zu zeigen, wie das Franco-Spanien sich öffnet“, bringt es Ribas auf den Punkt.

Reisen an die Original-Schauplätze in Spanien, Interviews mit Zeitzeugen und die Recherche in Barcelonas Bibliotheken waren für ihre Arbeit unerlässlich. Beim Schreiben setzten sich Hofmann und Ribas nicht gemeinsam an den Computer. Nur für die Entwicklung des Erzählgerüsts, der Handlungsstränge und der Figuren trafen sie sich. Den Rest der Arbeit kommunizierten sie über E-Mail, Telefon, und für die Protagonisten und Nebenfiguren einigten sie sich auf Fotos, damit die Beschreibungen übereinstimmten.

Die Arbeit im Team bewerten beide als anregend, gegenseitig befruchtend und vor allem spannend. „Als Schriftsteller ist man ja sonst mit seinem Werk ziemlich einsam“, weiß Ribas. „Da ist sonst niemand, mit dem man Ideen austauschen kann.“ Hofmann ergänzt: „Manchmal spinnt man eine Idee weiter, auf die jede für sich nicht gekommen wäre.“ Oder man werde wieder auf den Boden heruntergeholt, wenn man drohe abzuheben, wirft Ribas ein. Und dann gebe es da diese Momente, wenn man zusammen in einem Café sitzt, in Richtung Nebentisch lächelt und sich zuraunt: „Das hätte Ana Martí auch sagen können.“

Die Protagonistin hätte in ihren Köpfen angefangen zu leben, bestätigen beide Autorinnen. Das sei auch der Grund gewesen, nicht nach dem ersten Band einen Schlussstrich zu ziehen. Ribas: „Ana war so jung, sie hatte noch so viel Potenzial. Da konnten wir nicht aufhören.“ Die Hauptfigur habe sich von Band eins bis drei entwickelt, sei souveräner und abgeklärter geworden. Außerdem hätten sie den Anspruch gehabt, die kompletten 50er Jahre zu beschreiben, nicht nur die Anfänge.

Doch nach dreieinhalb Jahren Teamarbeit, nach dem dritten Band, der in Spanien bereits über den Verkaufstisch geht und in Deutschland nächsten Mai erscheint, sei endgültig Schluss, bekräftigen beide. Hofmann hat gerade einen Kriminalroman über die deutsche Nachkriegszeit fertiggestellt. Ihre Teamkollegin hat nach „Auf der anderen Seite der Ramblas“ noch einen Roman in Spanien veröffentlicht. Außer der Reihe mit Ana Martí hat sie in Deutschland vier Kriminalromane mit der deutsch-spanischen Kommissarin Cornelia Weber-Tejedor publiziert. Eine gemeinsame Produktion Hofmann-Ribas in ferner Zukunft? Schließen beide nicht aus – und lachen herzhaft.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 9 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regenschauer.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
admiral_brommy am 19.10.2019 14:52
Dann ist es wichtig, alle vier Jahre so zu wählen, damit sich daran nichts ändert. Da freut sich der Verwaltungsbeamte.
IhrenNamen am 19.10.2019 14:35
Die SPD kann hier aber höchstens zu 50% Schuld sein da das DSM zu 50% vom CDU-Regierten Bund finanziert wird.

Ich denke die Schuldigen ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige