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Gymnasium Horn
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Debatte um Klage gegen Inklusionsklasse

Maren Brandstätter 18.04.2018 1 Kommentar

Lehe. Im Januar erklärte sich das Gymnasium Horn vor dem Bildungsausschuss des Horn-Leher Beirates grundsätzlich bereit, W+E-Kinder, also Kinder mit Förderbedarf in Wahrnehmung und Entwicklung, aufzunehmen – vorausgesetzt, es werde eine entsprechende Planungszeit vorgesehen, um die Schule baulich und personell für diese Aufgabe auszustatten. Nun wehrt sich – wie berichtet – die Schule vor dem Bremer Verwaltungsgericht gegen die Einrichtung einer Inklusionsklasse im Jahrgang 5.

Aus einigen Beiratsfraktionen erntet Schulleiterin Christel Kelm Verständnis für diesen Schritt, andere halten ihr Vorgehen zumindest für unglücklich. Die CDU-Fraktion stellt sich ausdrücklich hinter die Schulleitung und warnt Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) vor Schnellschüssen.

Zwar sei es begrüßenswert, dass die Behörde mit Einführung der W+E-Klasse nach aktuellen Angaben von Sprecherin Annette Kemp plane, den fünften Jahrgang von fünf auf sechs Züge aufzustocken. Aber: „Es stellt sich uns nur die Frage, wie sie das räumlich und personell schaffen will“, kommentiert CDU-Beiratsfraktionsmitglied Birte Eckardt. Des Weiteren müsse die Senatorin glaubhaft darlegen, dass die Inklusion in der geplanten Form nicht zu einer Absenkung des Leistungsniveaus der Schule führe, fordern die Christdemokraten.

Der BIW-Fraktion geht das noch nicht weit genug. „Wir lehnen die Inklusion grundsätzlich ab, weil dadurch alle Beteiligten überfordert werden“, erklärt Sprecher Werner Leidreiter. „Wir brauchen nicht eine Schule für alle, sondern für jedes Kind die richtige.“ Deshalb befürworte seine Fraktion die Rückkehr zum gegliederten Schulsystem und den Erhalt der Förderzentren für Kinder mit Beeinträchtigungen.

Die SPD-Fraktion will sich auf Nachfrage nicht öffentlich zum Thema äußern. „Hier klagt eine Schulleiterin gegen ihren Dienstherrn – dazu kann die Politik nichts sagen“, argumentiert Sprecherin Catharina Hanke. Grünen-Sprecher Dieter Mazur erklärt indes, seine Fraktion nehme die Sorgen der Schulleitung und der Beteiligten am Horner Gymnasium ernst, dass die Rahmenbedingungen unzureichend seien und der zeitliche Vorlauf nicht eben üppig. „Allerdings ist eine Klage nicht die Lösung, auch nicht das Verschieben der Maßnahme, wie es mehrheitlich der Horner Bildungsausschuss fordert“, betont er. „Die Kinder mit Förderbedarf W+E sind nun einmal da, und ihre Zahl ist wie die aller Schülerinnen und Schüler steigend - sie müssen ab Sommer 2018 wohnortnah beschult werden.“

Die Grünen-Fraktion fordere daher, dass unter der Führung des Bildungsressorts dringend ein Planungsprozess stattfinden müsse, der die Beteiligten einbinde und in dessen Rahmen rechtzeitig Konzepte zu den Räumlichkeiten, dem Personaleinsatz und der eigentlichen Umsetzung der Inklusion erarbeitet werden. „Dazu gehört auch die Pflicht der Behörde, frühzeitig sonderpädagogisches Fachpersonal zu rekrutieren und für das Gymnasium Horn einzustellen, sowie das Lehrerpersonal mit Entlastungsstunden für die Planung auszustatten.“

Spreche man mit Betroffenen an anderen Bremer Schulen, so werde offensichtlich zu Recht an vielen Stellen über die unzureichende räumliche und personelle Ausstattung geklagt, berichtet Mazur. Diese Unterausstattung der Inklusion ändere aber nichts an der Tatsache, dass das Schulgesetz die Umsetzung der Inklusion grundsätzlich auch für die Gymnasien vorsehe. „Und es ist auch festgelegt, dass dort neben dem Abitur gegebenenfalls alle anderen Abschlüsse vergeben werden müssen“, sagt er. Diese Position sei politischer Wille der Regierungsparteien, und diese Haltung teile auch seine Fraktion.

Die Linke spricht sich ebenfalls klar für Inklusion aus. „Eine Schule für alle ist eine alte Forderung meiner Partei“, betont Fraktionssprecher Manfred Steglich. Leider habe die Klage von Christel Kelm in der öffentlichen Diskussion ein falsches Signal gesetzt und der wichtigen Diskussion um die inklusive Bildung und ihrer praktischen Umsetzung „schweren Schaden zu gefügt“, sagt er. „Ich bin mir sicher, dass dies nicht die Intention von Frau Kelm war.“ Alle Diskussionen der Vergangenheit mit den Beteiligten vor Ort hätten ihm zumindest den Eindruck vermittelt, dass weder die Schulleitung noch der Elternbeirat inklusive Bildung grundsätzlich ablehne oder sich hier eine Schule ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen wolle. Die Klage der Schulleitung erscheine ihm eher wie eine formale Notbremse oder ein öffentlicher Weckruf an die Bildungssenatorin und ihre Behörde, damit diese endlich die finanziellen, organisatorischen und personellen Rahmenbedingungen zur inklusiven Bildung schaffe.

Siegbert Meß, Elternvertreter am Gymnasium Horn, setzt aktuell alle Hoffnungen auf eine kommunikative Schnittstelle, „einen mit Befugnissen ausgestatteten Vermittler, dem es gelingt, alle zu erreichen: Politiker, Deputierte, Vertreter der Bildungsbehörde, Gewerkschaft, ZEB, Direktoren und Lehrkräfte und vor allem die Eltern“. Der müsse gleich einem Krisenmanager alle Beteiligten zum Zusammenrücken aufrufen und dazu motivieren, „dass die vor uns liegenden Herausforderungen zumindest so gut wie möglich gemeistert werden“.

Der Bremer Landesteilhabebeirat hat die Klage der Schulleitung „mit großer Bestürzung und Befremden“ zur Kenntnis genommen. Die Erfahrungen am Gymnasium Vegesack und dem Gymnasium Links der Weser belegten, dass die Unterrichtung von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderbedarf Wahrnehmung und Entwicklung an Gymnasien mit ihrem gesetzlichen Auftrag vereinbar ist, in einem achtjährigen Bildungsgang zum Abitur zu führen.

Der Landesteilhabebeirat fordert die Schulleitung daher auf, die Klage zurückzunehmen, W+E-Schüler aufzunehmen und sich mit dem Bildungsressort über die notwendigen Ressourcen sowie die erforderliche konzeptionelle Unterstützung zu verständigen. 


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Leserkommentare
Bevenser am 22.10.2019 17:47
Man muss sich nicht künstlich blöd stellen. Wie es geht sieht man z.B. in Österreich - und nicht nur da.
peteris am 22.10.2019 17:39
Werden diese Menschen "losgelassen", dann gibt es erst wieder einen Stop in Deutschland.

Bereiten" wir " uns schon einmal darauf vor. ...
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