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Dem Ortsteil gehen die Versorger aus

Felix Klein 20.01.2019 4 Kommentare

Räumungsverkauf im Bioladen: Im Schaufenster können die Kunden ablesen, wie viel Zeit noch bleibt bis zur Geschäftsaufgabe.
Räumungsverkauf im Bioladen: Im Schaufenster können die Kunden ablesen, wie viel Zeit noch bleibt bis zur Geschäftsaufgabe. (Fotos: Felix Klein)

Nachdem der Maribondo-Supermarkt an der Scharnhorststraße 2019 nicht mehr öffnet (wir berichteten), zeichnen sich weitere Abgänge von Lebensmittelhändlern ab. Der Netto-Discounter in der Riensberger Straße soll abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut werden. Eine Vertreterin des Unternehmens betätigte gegenüber dem WESER-KURIER die Planungen, gab jedoch keine genaueren Informationen zum zeitlichen Rahmen des Umbaus an.

In der Kirchbachstraße schließen das Reformhaus Stahlmann und die Bio-Fleischerei Leppkes. Dass diese Läden verschwinden, bedeutet für viele Anwohnerinnen und Anwohner längere Wege und weniger Angebotsvielfalt. Die drei Geschäfte befinden sich alle knapp außerhalb des Ortsteils Radio Bremen in den Schwachhauser Ortsteilen Riensberg und Gete. Der Ortsteil ist von dem Rückgang allerdings besonders betroffen.

Matthias Siegfried wohnt im Ortsteil Radio Bremen direkt „bei Maribondo um die Ecke“, wie er sagt, und wusste den Supermarkt sehr zu schätzen. „Das ist wie einen gesunden Baum abzusägen. Der Laden war ja erfolgreich“, sagt Siegfried. Seine Frau und er waren manchmal jeden zweiten Tag da. Siegfried macht sich nun Sorgen um die Nahversorgungssituation in seinem Ortsteil. „Es existiert derartiges hier nicht mehr. Das trifft vor allem die alten Menschen, die keine weiten Strecken mehr zurücklegen können, und junge Leute mit Kindern.“

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Neben dem Abriss des Netto-Markts verfolgt er zudem das Sterben kleiner Fachgeschäfte mit Sorge. „Das Reformhaus ist fast am Ende. Der Schlachter an der Kirchbachstraße räumt schon raus. Die Kleinen schaffen es nicht mehr“, bedauert Siegfried, der selbst viele Jahre einen kleinen Bioladen geführt hat.

Nahversorgung wird schwierig

Auf den ersten Blick drängt sich ein Zusammenhang zwischen den verschiedenen Schließungen auf. Die Nahversorgung wird in vielen Stadtteilen wie Osterholz-Tenever zunehmend schwierig. Dort gibt es gar keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Matthias Siegfried befürchtet, dass sich gerade kleinere Läden gegenüber den großen Ketten mit einer hohen Reichweite nicht mehr durchsetzen können. Bei genauerer Betrachtung sind die einzelnen Gründe, die in Schwachhausen zum Weggang der Läden geführt haben, allerdings sehr unterschiedlich.

Im Falle des Maribondo-Supermarktes kam es zum Aus, weil die Vermieter sich gegen eine Verlängerung des Mietvertrags entschieden. Die Schließung des Netto-Discounters wird aufgrund eines geplanten Neubaus vonstattengehen. Bei den beiden kleineren Läden an der Kirchbachstraße kann man die Schließung als Kettenreaktion verstehen. Erst schloss die Bäckerei Büser, die sich die Räumlichkeiten mit dem Fleischer teilte. Jetzt müssen der Fleischer selbst sowie das direkt danebenliegende Reformhaus dichtmachen. Die Fleischerei ist bereits geschlossen und der Bioladen hat noch bis zum 26. Januar jeden Sonnabend zum Räumungsverkauf geöffnet.

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Das wird den Nahversorgungsstandort an der Kirchbachstraße ohne Frage schwächen. Gerade kleinere Läden sind besonders stark von der Lage ihres Standortes abhängig, da Kundinnen und Kunden verschiedene Erledigungen miteinander verbinden wollen. Geht die Attraktivität eines Standortes zurück, kann es für die einzelnen Läden schwierig werden.

Ältere Menschen im Nachteil

Der demographische Wandel könnte den Händlern zusätzlich zu schaffen machen. Im Ortsteil Radio Bremen liegt das Durchschnittsalter mit 45,6 Jahren genau zwei Jahre über dem Altersdurchschnitt der Gesamtstadt. Dabei sind gerade ältere Menschen auf die Versorgung durch möglichst naheliegende Geschäfte angewiesen und ein solches Kaufverhalten auch gewohnt. Andere Altersgruppen sind heute mobiler und erledigen Einkäufe vermehrt mit dem Fahrrad oder dem Auto.

Der letzte verbleibende Supermarkt im Ortsteil ist ein Rewe City an der Schwachhauser Heerstraße. Die Nahversorgung der ansässigen Bevölkerung sieht Ortsamtsleiterin Karin Mathes trotzdem nicht gefährdet. „Wir haben drei funktionierende Nahversorgungszentren in Schwachhausen“, sagt sie. Diese befinden sich im Bereich der Kreuzung Kirchbachstraße/Schwachhauser Heerstraße, der Kreuzung Emmastraße/H.H.-Meier-Allee sowie in der Wachmannstraße.

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„Ich bedaure selbst sehr, dass Maribondo in Schwachhausen schließt. Das ist ein ganz besonderer Verlust“, sagt Mathes. Auf der anderen Seite freue sie sich, dass neue Kita-Plätze im ehemaligen Maribondo-Supermarkt entstehen werden. „Dafür setzen sich Beirat und Ortsamt seit langem ein“, sagt sie. Mathes sieht bei den Rückgängen in der jetzigen Form keine Einflussmöglichkeiten der Stadt und verweist auf das private Recht der Eigentümer.

Nichtsdestotrotz bedeutet der Rückgang der Lebensmittelgeschäfte in Schwachhausen ein Verlust an Lebensqualität: für die Anwohner längere Wege, eine abnehmende Angebotsvielfalt und, wie im Falle des Maribondo-Supermarktes, auch das Verschwinden sozialer Treffpunkte. Eine Umkehr dieses Trends ist momentan nicht abzusehen. Gerade die Vielfalt des Schwachhauser Einzelhandels macht eine Besonderheit des Stadtteils aus. In Radio Bremen und umzu ist davon nur noch wenig zu spüren.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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