Wetter: Regen, 11 bis 14 °C
Nelson-Mandela-Park
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Die Zelte sind abgebrochen

Maren Brandstätter 09.02.2019 0 Kommentare

Verlassenes Quartier am Güterbahnhof: Nach dem Übernachtungsverbot sind keine Obdachlosen im Nelson-Mandela-Park aufgetaucht.
Verlassenes Quartier am Güterbahnhof: Nach dem Übernachtungsverbot sind keine Obdachlosen im Nelson-Mandela-Park aufgetaucht. (Marc Hagedorn)

Es stehen keine Zelte mehr im Nelson-Mandela-Park. Zumindest im Moment nicht. Im Dezember waren im Schwachhauser Beirat Beschwerden seitens der Anwohner geäußert worden, dass der Park sich bei Obdachlosen zunehmender Beliebtheit als Nachtquartier erfreue. Als Begleiterscheinungen nannten sie Ruhestörung und Verunreinigungen. Im Januar habe es keine Übernachtungen mehr in der Grünanlage gegeben, berichtete Polizeirevierleiter Ralf Raschkewitz jetzt in der Sitzung des Schwachhauser Sozialausschusses zur aktuellen Situation. Warum einige Zeit lang vermehrt Zelte in der Grünanlage am Elefanten standen, dafür hatten Bertold Reetz und Jens Körber unterschiedliche Erklärungen. Reetz, Leiter des Bereichs Notunterkünfte bei der Inneren Mission, nannte das neue Sicherheitskonzept am Hauptbahnhof als Hauptgrund. Körber, Projektkoordinator eben dieses Sicherheitskonzepts, hielt vor allem die steigende Zahl von Obdachlosen aus Osteuropa für die Ursache. Die Wahrheit liege wahrscheinlich irgendwo dazwischen, konstatierte Reetz. Überhaupt sei es ein Merkmal der Obdachlosen-Arbeit, dass man sich häufig mit Schätzungen begnügen müsse, sagte er. 

Dass die Zelte im Nelson-Mandela-Park in den vergangenen Tagen verschwunden sind, anstatt mehr zu werden, kam für Reetz einigermaßen überraschend. „Nachdem das Übernachten am Güterbahnhof jetzt verboten wurde, hatte ich angenommen, dass die Obdachlosen dort wieder vermehrt schlafen“, berichtete er dem Ausschuss. Doch der Großteil sei offenbar dem Angebot gefolgt, in der Notunterkunft an der Neuwieder Straße zu übernachten. Grundsätzlich biete Bremen ausreichend viele Übernachtungsmöglichkeiten an.

Nicht alle Obdachlosen erreichbar

Alle Obdachlosen, betonte Reetz, erreiche man damit aber nicht. „Hunde sind zum Beispiel in den Unterkünften nicht erlaubt – daher kommt eine Übernachtung für Hundebesitzer dort auch nicht in Frage“, sagte er. Es gebe allerdings Gespräche innerhalb der Behörden, zumindest einige Räume für Obdachlose mit Hunden einzurichten, aber entschieden sei noch nichts. Auch Sorge vor Diebstahl und Stolz seien Gründe für Obdachlose, lieber unter freiem Himmel als in einer Notunterkunft zu übernachten, berichtete Reetz. Außerdem fürchteten manche von ihnen, ihr angestammter Schlafplatz, ihre „Platte“, werde von jemand anderem besetzt, wenn sie mal einige Nächte in einer Unterkunft schliefen. 

Um wohnungslosen Menschen auch tagsüber Aufenthaltsangebote zu machen, sind die Akteure von Inneres, Soziales und der Inneren Mission laut Körber aktuell auf der Suche nach geeigneten Standorten. Der sogenannte Wärmebus auf der Bürgerweide ist so ein Standort und wird laut Körber auch gut angenommen. Ende März werde der Bus dann durch den neuen Treffpunkt neben dem Intercity-Hotel unter der Fußgängerbrücke ersetzt, berichtete er. Dort sollen ebenso wie schon jetzt im Wärmebus Streetworker als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die Idee zu dem neuen Treffpunkt sei entstanden, weil viele Obdachlose die Haltestellen als Aufenthaltsort nutzten, wodurch sich Passagiere mitunter gestört fühlten.

Auch im Nelson-Mandela-Park sähen Reetz und Körber gerne eine verlässliche Möglichkeit für Obdachlose, um sich tagsüber aufzuhalten, ohne dass es dabei zu Konflikten mit anderen Bürgern komme. Einer der Streetworker vor Ort habe nun den Vorschlag gemacht, zwei bis drei Bänke im hinteren Bereich des Parks als Treffpunkt aufzustellen. Im Ausschuss fand dieser Vorschlag einhellig Unterstützung. 

Gegen illegales Zelten

Bezüglich des Zeltens im Nelson-Mandela-Park erklärte Anwohner und CDU-Beiratskandidat Kay Middendorf, er erwarte künftig eine klarere Linie. Zelten sei dort verboten, also müsse es entsprechend geahndet werden, forderte er. Körber stimmte ihm zu, betonte aber, dass dies nicht „mit dem Knüppel“ geschehe, sondern indem Kontakt zu den Streetworkern der Inneren Mission aufgenommen werde. Dieses Vorgehen befand Middendorf nicht als zielführend. Schließlich werde ein Teil der Zelte, die im Nelson-Mandela-Park widerrechtlich aufgestellt würden, von der Inneren Mission gestellt. Reetz stellte klar, dass es sich bei den Zelten um Sachspenden von Bürgern handele, „für die wir sehr dankbar sind“. Das bedeute aber keinesfalls, dass die Innere Mission damit die Ausstattung fürs illegale Zelten liefere, betonte er nachdrücklich. „Wir geben die Zelte lediglich an Obdachlose weiter – wir schicken sie damit aber nicht in den Nelson-Mandela-Park“, betonte er. 

Auf die Frage von Ortsamtsleiterin Karin Mathes, wie es nun in der Grünanlage am Antikolonialdenkmal weitergehe, kam man schließlich überein, dass die Behörde gemeinsam mit dem Ausschuss, dem Bremer Umweltbetrieb, der Inneren Mission, der Polizei und Anwohnern einen Begehungstermin vereinbaren werde, um sich vor Ort auf einen geeigneten Platz für den neuen Treffpunkt zu verständigen. So wichtig solche Plätze für Obdachlose seien, „nachhaltige Lösungen können wir nur schaffen, wenn es in der Stadt mehr günstigen Wohnraum gibt“, betonte Reetz.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 14 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regenschauer.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...
Mangaguide.de am 20.10.2019 16:42
Ein Problem der Brücke ist, dass die Grünen trotz der Menge der Radfahrer und existierendem Radweg darauf bestehen, dass die Radfahrer gegen die ...
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige