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Ortsamt Schwachhausen/Vahr
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Müll statt Fußball

Maren Brandstätter 04.07.2019 0 Kommentare

Lasse Kues initiierte auch ein Projekt an einer Oberschule.
Lasse Kues initiierte auch ein Projekt an einer Oberschule. (STUBBE)

Schwachhausen. „Irgendetwas mit Fußball“ sollte es eigentlich werden – tatsächlich wurde Lasse Kues‘ Projekt für sein Freiwilliges Politisches Jahr (FPJ) im Ortsamt Schwachhausen/Vahr am Ende „etwas mit Müll“. Müll, der auf Bürgersteigen und in öffentlichen Grünanlagen achtlos weggeworfen wird.

Um Jugendliche stärker für Umwelt und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren, startete Kues Ende März die Aktion „Make Vahr clean again“, zu Deutsch „Macht die Vahr wieder sauber“. Gemeinsam mit drei Praktikanten im Freiwilligen Sozialen Jahr beim Bürgerzentrum Vahr erarbeitete der 18-Jährige ein Konzept, das sich an „Bremen räumt auf“ orientieren, aber noch ein bisschen weiter gehen sollte. „Wir haben noch eine kreative Komponente eingebaut“, erzählt Kues. 

Um Protagonisten für die Aktion zu finden, hatten sich die Initiatoren Anfang des Jahres an die Oberschule Kurt-Schumacher-Allee gewandt. Zwei neunte Klassen sollten es sein, hatten Kues und seine drei Kollegen beschlossen. „Achtklässler wären zu jung und Zehntklässler zu sehr mit ihrem Abschluss beschäftigt gewesen“, begründet er die Entscheidung. „Der Jahrgangsleiter war sofort begeistert von unserer Idee“, erzählt Kues. Und am Ende habe sich die Auswahl der Klassen sogar recht schwierig gestaltet, „weil so viele mitmachen wollten“. 

Drei Stunden lang waren die Jugendlichen am Projekttag unterwegs, um Müll zu sammeln – eine Klasse in der Neuen Vahr Nord, die andere in Süd. Wo unterm Strich mehr Unrat zusammengekommen sei, kann Kues nicht sagen. „Das stand für uns nicht im Vordergrund“, sagt er. „Auf jeden Fall war es deutlich mehr als wir erwartet hätten.“ Der Fokus der Initiatoren lag vielmehr darauf, was die Jugendlichen aus ihrem eingesammelten Müll gemacht haben. Möglichst kreativ sollten die Werke sein und nach ihrer Fertigstellung mit einer Sofortbildkamera abgelichtet werden. „Eine Schülerin hat zum Beispiel einen traurigen Smiley aus Zigarettenkippen entworfen“, erzählt Kues. Die Polaroid-Fotos seien anschließend im Bürgerzentrum Vahr ausgestellt worden. Dort habe auch die Preisverleihung stattgefunden.

Dass nicht nur die Initiatoren mit dem Projekt zufrieden waren, habe das Feedback der Schüler gezeigt, sagt Kues. „Die Reaktionen waren zum einen begeistert, zum anderen aber auch betroffen, wie viel Müll man in drei Stunden auf den Straßen findet.“ Ob sein Nachfolger im Ortsamt nächstes Jahr mit einer Neuauflage an die Aktion anknüpfen werde, sei noch nicht klar. Freuen würde es ihn aber auf jeden Fall, sagt Kues. „Ich glaube, wir haben damit wirklich einen Anstoß zu mehr nachhaltigem Denken gegeben.“

Das FPJ im Ortsamt Schwachhausen/Vahr geht für den 18-Jährigen in diesen Tagen zu Ende. Eigentlich wollte er danach zum BKA gehen. „Das hat aber nicht geklappt“, erzählt er. Enttäuscht sei er darüber inzwischen nicht mehr. „Ich hatte während des FPJ genügend Zeit, herauszufinden, was ich wirklich machen möchte“, sagt er. Deshalb beginne er im kommenden Monat eine Ausbildung zum Speditionskaufmann. „Das Jahr im Ortsamt hat gezeigt, dass ich ziemlich gut organisieren und selbstständig arbeiten kann“, sagt er.

Dass er mit seiner Selbsteinschätzung richtig liegt, belegt auch das Resümee von Ortsamtsleiterin Karin Mathes. „Dass ich im Jahr 2013 das freiwillige politische Jahr im Ortsamt Schwachhausen/Vahr eingeführt habe, war nicht nur genau die richtige Entscheidung - es hat sich dieses Jahr zudem als unverzichtbar erwiesen“, betont sie. „Aufgrund der Personalsituation waren wir beide mehrfach die einzigen im Dienst“, schildert sie. „Außentermine konnte ich daher nur wahrnehmen, weil Lasse Kues Ansprechperson im Ortsamt war.“ Zuverlässig, kompetent und gut strukturiert habe er alle seine Arbeiten mit Bravour bewältigt, lobt die Ortsamtsleiterin. „Es macht immer wieder Freude, mit anzusehen, wie ein junger Mensch mit seinen Aufgaben wächst und wie die neuen lebensweltlichen Erfahrungen ihm bei seiner beruflichen Orientierung helfen“, betont Mathes. Entsprechend erfreulich sei es, dass zum 1. August bereits der nächste FPJler namens Maximilian Hartmann seinen Dienst im Ortsamt antrete.

Für Lasse Kues hatten die Stunden, in denen er alleine die Stellung im Ortsamt gehalten hat, rückblickend zwei Seiten. „Einerseits ist es natürlich kein guter Zustand, dass ein Praktikant die Verantwortung für eine Behörde hat“, betont er. Andererseits sei er dennoch stolz, diese Aufgabe gut gemeistert zu haben. Auf lange Sicht sei eine solche Personalsituation aber keinesfalls zumutbar.

Neben den persönlichen Herausforderungen war es insbesondere der Einblick in die „echte Politik“, den Kues in seiner Bilanz auf der Haben-Seite verbucht. „In der Schule haben wir Themen wie die Vereinten Nationen und Weltpolitik behandelt“, erinnert sich der Politik-LK-Schüler. „Politik so konkret und greifbar mitzubekommen wie hier, war dann doch etwas spannender“, sagt er. „Ich habe zu Beginn des FPJ keine Vorstellung davon gehabt, wie viele Institutionen bei Entscheidungen mit ins Boot geholt werden müssen und was man dabei alles beachten muss“

Und noch etwas habe er gelernt: „Bürgerbeteiligung ist wichtig – aber manchmal kann sie auch ziemlich anstrengend sein.“ Das gelte vor allem dann, wenn Bürger sich sehr um ihre eigenen Belange drehten, ohne das große Ganze dabei im Blick zu behalten.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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