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Petition kämpft für Medienhaus-Villa

Margot Müller 07.04.2019 0 Kommentare

Die Mitglieder des Petitionsausschusses haben sich vor dem Medienhaus getroffen, das der neue Eigentümer abreißen will.
Die Mitglieder des Petitionsausschusses haben sich vor dem Medienhaus getroffen, das der neue Eigentümer abreißen will. (Petra Stubbe)

Vor dem großen Säulen-Portal am ehemaligen „Bremer Medienhaus“ sind am Donnerstag die Mitglieder des Petitionsausschusses der Bürgerschaft zu einem Ortstermin zusammengekommen. Dem historischen Gebäude an der Schwachhauser Heerstraße 78 droht bekanntlich der Abriss, weil der neue Eigentümer hier ein Apartmenthaus mit rund 30 Wohnungen errichten will. Eine äußerst unpopuläre Maßnahme, die bisher schon stadtweit einigen Protest hervorgerufen hat.

Da das über 100 Jahre alte Gebäude allerdings nicht unter Denkmalschutz steht, scheint das private Bauvorhaben unabwendbar. Nun hat Nils Mahler von der „Vereinigung für das historische Stadtbild Bremens“ Anfang Januar eine Petition für den Erhalt der Villa eingereicht und es kommt wieder Bewegung in die Debatte.

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Die Mitglieder der Vereinigung engagieren sich in mehreren Initiativen, unter anderem in der Innenstadt, für die Erhaltung und Verbesserung des Bremer Stadtbildes. Auch der Vorsitzende Nils Huschke bekräftigte seine Hoffnung, den Abbruch des besonderen Gebäudes mit der eindrucksvollen Fassade und dem alten Baumbestand vor dem Haus doch noch verhindern zu können.

Als Sprecher des Petitionsausschusses berichtete Claas Rohmeyer (CDU), dass es gemäß aktueller Sachlage für den Investor und Privateigentümer gesetzlich zulässig sei, hier einen modernen Neubau zu errichten. Allerdings gebe es überhaupt noch keine Information, wie und wann der Bau im Einzelnen geplant sei.

Kulturgut geht verloren

In seiner Stellungnahme verdeutlichte Nils Mahler bei dem Treffen, nicht noch mehr historische Bauten im Stadtgebiet dem Abriss zu überlassen. „Dabei geht uns Bremer Bürgern immer mehr Kulturgut verloren“, betonte Mahler, der selbst in Arsten lebt und nachdrücklich für historische Strukturen und den Bremer Bürgersinn schwärmt. Seine Idee geht dahin, die stadtbildprägende frühere Arzt-Villa Gross unbedingt zu erhalten und für die Öffentlichkeit weiter zu nutzen. Das direkte Umfeld in Schwachhausen mit St.-Joseph-Stift, Villa Vollmer, Synagoge und Focke-Museum sei dafür geradezu prädestiniert.

Dabei sieht Nils Mahler einen wichtigen Bezug zum Kulturtourismus. „Besucher und Gäste in unserer Stadt orientieren sich positiv an solchen attraktiven Gebäuden“, meint Mahler. Er kann sich als Denkanstoß vorstellen, in dem Haus zum Beispiel ein Museum für Bremer Köpfe einzurichten, wie Loriot, Hans-Joachim Kulenkampff oder auch Rudi Carrell.

Damit einher geht ein eindringlicher Appell an die Politik, sich mit dieser Sache nochmals grundlegend zu befassen. Auch der Beirat Schwachhausen bezieht eine klare Position. Als Vertreter des Ortsamts Schwachhausen war Thomas Berger anwesend. Er stellte klar, dass der zunehmende Schwund von geschichtsträchtiger Bausubstanz im Stadtteil sehr bedauerlich sei und diese Petition jetzt eine gute Lösung biete, alles noch einmal zu überdenken.

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Im Namen der Bürgerschaftsabgeordneten bedankte sich Insa Peters-Rehwinkel (SPD) für die umfänglichen Informationen. Die Ausschuss-Mitglieder sehen nach eigenen Angaben nun ihre parlamentarische Aufgabe darin, die Rolle des Denkmalschutzes abzuklären. Das sei zwar ein juristischer Spagat, zumal die Unterschutzstellung schon einmal geprüft und dann abgelehnt worden sei. Aber es bestehe vielleicht eine Chance, die Angelegenheit neu zu beleuchten und den Senat um Abhilfe zu bitten.

Der Beirat hat nach eigenem Bekunden alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft, um das Gebäude zu erhalten. Parteiübergreifend habe man sich für die alte Villa eingesetzt, ­erklärte bereits vor Jahresfrist Beirats­sprecherin Barbara Schneider (Grüne).

Erbaut wurde das Gebäude mit den prägnanten vier Säulen im Eingangsbereich 1911 als groß­bürgerliche Villa im Auftrag von Heinrich Gross, damals leitender Arzt am nahegelegenen St.-­Joseph-Stift. Bis zu seinem Tod 1954 wohnte der Mediziner in der Villa. In den Nachkriegsjahren kamen wohnungslose Familien in dem markanten Gebäude unter, später eine Schifffahrtslinie. Seit 1988 waren verschiedene Unternehmen aus der Medienbranche in der Villa ansässig.

Allerhand Unmut

Erste Gerüchte um bevorstehende Abrisspläne waren im Sommer 2017 an die Öffentlichkeit gedrungen. Dagegen hatte sich lautstarker Protest unter Anwohnern erhoben. Im Sommer 2018 setzte sich ein zehnjähriges Mädchen aus der Nachbarschaft für den Erhalt des Medienhauses ein. Allerhand Unmut artikulierte sich auch in den Leserbriefspalten des WESER-KURIER.

Wegen zu starker baulicher Veränderungen hatte die Landesdenkmalpflege eine Unterschutzstellung 2001 verworfen. Eine neuerliche Überprüfung mit abweichendem Ergebnis hält Landeskonservator Georg Skalecki für „ganz schwierig“, seine Behörde sei „ein Stück weit“ gebunden an die damalige Entscheidung. Gleichwohl bedauert er die Abrisspläne. Zumal ihm Böses schwant, wenn er sich die künftige Bebauung ausmalt. „Was dahin kommen wird, wird uns alle erschrecken“, so Georg Skalecki nach Bekanntwerden des Investorenvorhabens an dem exponierten Standort.


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Leserkommentare
Opferanode am 20.10.2019 15:14
@ Bunker
Bei Ihnen weiß ich nicht immer, ob Sie das ernst meinen, was Sie schreiben. Kann ja auch ironisch gemeint sein?
Wenn Sie von ...
alterwaller am 20.10.2019 15:01
INITIATIVEN !!!

Zu hoch, zu flach, zu breit, zu lang. Die Fenster passen nicht zum Umfeld und was ist mit begrünten Dächern ? Da wird ...
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