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Traubenernte in Schwachhausen
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Späte Ernte, guter Wein

Matthias Holthaus 23.10.2017 0 Kommentare

Weinlese Franziusstrasse
„Von den Mostgewichten hat er Prädikatswein-Niveau", sagt Ralph Saxe über die geernteten Trauben. (PETRA STUBBE)

Schwachhausen/Bürgerpark. Es ist ein Wettlauf mit den Amseln, doch Ralph Saxe triumphiert: Auch die diesjährige Traubenernte in Schwachhausen, im Ortsteil Bürgerpark, kann erfolgreich abgeschlossen werden. „Dieses Jahr ist gut bis sehr gut“, kann der Grünen-Politiker und Weinhändler vermelden. „Es gab viel Fäulnis in den klassischen Anbaugebieten, und auch die Kirschessigfliege ist dort momentan eine große Bedrohung.“ Doch als das klassische Anbaugebiet schlechthin zählt das Haus mit dem Rebstock an der Fassade von Horst Beyer in der Franziusstraße nicht, und die Kirschessigfliege ist deshalb derzeit eher in südlicheren Gefilden unterwegs.

Generell gebe es im Weinanbau nur vier Kategorien: Gut, sehr gut, hervorragend und Jahrhundertjahrgang. Der Jahrgang des Jahrhunderts hängt demnach gerade nicht an der Hauswand Horst Beyers, doch Ralph Saxe ist dennoch zufrieden. „Wir haben hier richtig gezockt und wollten eigentlich früher ernten“, sagt er. Der Lohn: „Von den Mostgewichten hat er Prädikatswein-Niveau.“ Das Mostgewicht misst den Zuckergehalt der Trauben, erklärt er dann noch, und der Zuckergehalt sei gut: „Ralph hat Gott sei Dank noch eine Woche gewartet, um die Schönwetterperiode mitzunehmen“, sagt Hausbesitzer Horst Beyer.

Ende der 90er Jahre hat er den Rebstock der Sorte „Regent“ gepflanzt, und diese sei bekannt für ihre feine und dezente Aromatik, beschreibt Ralph Saxe die Charakteristik der Art, „nicht zu viel Säure und erinnert an einen Deutschen Spätburgunder.“ „Deutscher Spätburgunder“, da denkt der geneigte Weinliebhaber oder aber auch der einfache Weintrinker doch zuerst an Baden oder Rheinland-Pfalz. Aber Schwachhausen? „Ja, Schwachhausen“, sagt Saxe, „denn früher wurde in Schwachhausen bei jedem Hausneubau auch ein Rebstock gepflanzt, denn das bedeutet ein langes Leben.“ Zudem sei solch ein Weinstock Klimaanpassung pur: Wärmedämmend im Winter, kühlend im Sommer. Und außerdem auch ein Biotop für Vögel. „Die freuen sich“, sagt Saxe, „Amseln schlucken die Beeren sogar ganz.“ Wobei die Beeren aus der Franziusstraße wesentlich kleiner sind als die Weintrauben aus dem Supermarkt, dafür aber auch aromatischer. „Trauben aus dem Supermarkt gehen nicht für Wein, das würde furchtbar schmecken“, erklärt Saxe.

Es freuen sich außerdem: Ohrenkneifer, Spinnen, Marienkäfer. Und Wespen. „Wespen gibt es viel weniger als noch vor einigen Jahren“, hat Saxe beobachten müssen. Da flogen noch Tausende von ihnen um ihn herum und er habe sich auch zwei Stiche abgeholt, erzählt er, während er auf ganze drei Wespen schaut, die sich auf der bisherigen Ernte tummeln.

Die in der Franziusstraße erzielte Ernte wird später der zehnte Jahrgang werden, bereits seit 1997 währt das Schwachhausen-Weinprojekt. Damals habe ihn eine Nachbarin aus der Wachmannstraße angesprochen, ob er nicht 30 Kilogramm Trauben haben wolle, „und da kam die Idee, nicht nur Wein zu verkaufen, sondern ihn auch herzustellen.“ Damals war es Weißwein, doch inzwischen sind es 80 Prozent Rotwein, der jährlich von den Schwachhauser Reben in die Flaschen kommt. Als „Wachmann-Wein“ wird er in einer Auflage von 130 bis 150 Flaschen zu kaufen sein, ein halber Liter für 15 Euro. Nach Abzug der Kosten werden die restlichen Einnahmen dem „Notruf für vergewaltigte Frauen“ übergeben. Und es gebe auch Stammkäufer für den Wein, sagt Ralph Saxe, während er Horst Beyer beobachtet, der im oberen Stockwerk aus dem Fenster hängt und Trauben vom Rebstock schneidet. Der nicht ganz schwindelfreie Saxe ist kurz erfreut, diese Arbeit nicht machen zu müssen, und fährt dann fort: „Jürgen Trittin hat auch eine Flasche bekommen, der war ganz perplex, dass es hier Wein gibt.“ Als Geschenk sei der Wein übrigens auch gut geeignet, findet er, weil es doch recht skurril sei, Wein aus Bremen.

Schon wieder eine Amsel im Rebstock, Ralph Saxe muss sich beeilen, möchte er auch noch etwas abbekommen. Er habe auch schon erlebt, dass die Amseln alles aufgegessen hätten. Doch der Abgeordnete der Grünen ist den Vögeln nicht böse: „Das ist ein lustiges Projekt, das macht mir Spaß.“


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Leserkommentare
darkstarbremen am 21.10.2019 19:36
Endlich ein richtiger Ansatz in der Ausbildung. Das ist sehr zu fördern. Und was wird mit den anderen Studiengängen in der Pflege in Bremen?
darkstarbremen am 21.10.2019 19:31
Inwiefern wurden denn die Gehälter der Pflege in Kliniken gedrückt? Der TVÖD Pflege in den Kliniken wurde nicht gesenkt. Das ist auch richtig so. Nur ...
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