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Eisi Gulp klärt in seinem Kabarettprogramm über Gefahren von Drogenmissbrauch auf
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Alkoholprävention mit Humor

Jörg Teichfischer 13.11.2017 0 Kommentare

SÜD /  Alexander v.Humboldt-Gymnasium / Hackedicht mit Eisi Gulp
In seinem unterhaltsamen Programm will Kabarettist Eisi Gulp die Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums zum kritischen Nachdenken über die Risiken des Alkoholkonsums anregen. (Walter Gerbracht)

Jahrgangs des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums für das Thema zu interessieren und zu sensibilisieren, klärte jetzt der Komiker Eisi Gulp die Jugendlichen auf humoristische Art über die Gefahren des Drogenmissbrauchs auf.

Sein Auftritt ist von der Krankenkasse „Knappschaft“ und dem Deutschen Kinderschutzbund organisiert worden. Der Hintergrund: 122 betrunkene Kinder und Jugendliche zwischen zehn bis 17 Jahren mussten 2015 in Bremen wegen der Folgen übermäßigen Alkoholkonsums im Krankenhaus behandelt werden. Dies entspricht einer Steigerung um 9,9 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. „Es gilt, diesem Trend etwas entgegenzusetzen“, erklärt dazu Kristina Gottschlich von der „Knappschaft“.

Gleich zu Beginn des Auftritts des 62-jährigen Kabarettisten und Schauspielers amüsierten sich die Jugendlichen köstlich. Er bewegte sich mit gekreuzten Beinen und wackelndem Po zu lauter Rockmusik und versuchte offensichtlich, den Tanzstil vergangener und gegenwärtiger Generationen nachzuahmen. Dann sprach Gulp einzelne Schüler an und fragte, warum sie zu der Aufführung gekommen seien. „Weil wir mussten!“, antworteten gleich zwei Angesprochene. Auf seine Nachfrage, weshalb Alkohol getrunken werde, kamen Antworten wie „Um die Leiden des Lebens auszuhalten“ und „Ich bin schon auf Entzug“.

Gulp ist solche und auch desinteressierte Meinungsäußerungen von Schülern gewohnt – schließlich hat er die „Hackedicht – Schultour der Knappschaft“, die durch den Suchthilfeverein Condrobs begleitet wird, bereits mehrere hundert Mal in verschiedenen Schulen der Bundesrepublik aufgeführt. Doch die Huchtinger waren nach seiner Einschätzung besonders zäh und zeigten wenig Reaktionen, wie Gulp abschließend bemerkte.

Unbeirrt zog der Künstler dennoch seine Aufklärungskampagne durch. Er erklärte, dass immer mehr Menschen auf der Suche nach Glücksgefühlen seien, die sie allerdings nüchtern immer seltener empfinden.

Rauchen sei dabei das „Dümmste“, was man machen könnte, erklärte der Kleinkünstler. Die Hälfte des Rauchs werde ausgeblasen, die Kosten seien hoch und die Gesundheitsgefahren groß. Eine Folge des Rauchens sei beispielsweise Impotenz, was aus seiner Sicht gerade die Jungen, die durch Drogenkonsum häufig Mädchen imponieren wollten, abschrecken sollte.

Koksen auf der Toilette

Die Tabakindustrie wolle jungen Konsumenten weismachen, dass sie durch das Rauchen erwachsen und cool seien, führte Gulp aus. „Lasst euch nicht verarschen – es geht den Tabakkonzernen nur um Kohle“, appellierte er an seine jugendlichen Zuhörer.

Und Zigarettenrauchen würde ja noch nicht einmal „törnen“, also nicht zu einem Rausch führen, wie etwa das Kiffen, merkte er an. Gulps Darstellung eines bekifften Menschen, der aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt, brachte die jungen Zuhörer zum Grölen. Und seine Erzählungen von einer Toilettenkabine in einer bayerischen Kneipe, aus der sieben Menschen herauskamen, die dort offensichtlich gekokst hatten, brachte die Jugendlichen des 9. Jahrgangs ebenfalls zum Schmunzeln.

Selbst berühmte Persönlichkeiten hätten Kokain zu sich genommen, blickte Eisi Gulp auch in die Historie zurück – zum Beispiel Albert Einstein und ein Papst. „Aber damals gab es reinen Stoff, was heute angeboten wird, ist gestreckt. Und wer will sich schon Ajax-WC-Reiniger durch die Nase ziehen“, fragte er in die Schülerrunde.

Auch vor Ecstasy, LSD und Crystal Meth warnte der Kabarettist. Einen kleinen Schwips oder einen Joint bei einer Feier fände er hingegen okay. Und wer schon Drogen konsumieren wolle, sollte versuchen, die richtige Menge für sich zu finden und nicht exzessiv, sondern „lieber nur die Hälfte“ zu konsumieren, riet Eisi Gulp.

Den zweiten Teil der rund zweistündigen Veranstaltung begann der Schauspieler mit einer Schilderung des „größten Besäufnisses der Welt“, dem Oktoberfest in München. Der „Skandal“ war groß, als dort vor einigen Jahren Koks und andere Drogen gefunden worden sind. Drogen seien auf dem Oktoberfest nicht gewünscht, hätten damals Lokalpolitiker und Wirte gefordert. Dabei hatten sie nach Gulps Worten gar nicht im Sinn, dass der Alkohol die „Volksdroge Nr. 1“ ist. Er stufte die Verharmlosung von Alkohol bei gleichzeitiger Verteufelung anderer Drogen als „Doppelmoral“ und „Heuchelei“ ein.

„Alkohol ist gefährlicher als Marihuana“, stellte der gebürtige Bayer fest. Allerdings wirkten sich Drogen gerade im jungen Alter, wenn sich das Gehirn noch entwickele, äußerst negativ aus, warnte Gulp.

Das Thema Drogenmissbrauch wird am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium weiterhin behandelt, nicht nur im Unterricht. Das pädagogische Fachteam des Suchthilfevereins Condrobs wird die Schüler sowie Lehrer an einem Tag für den Umgang mit dem Thema Alkoholmissbrauch schulen. Darüber hinaus werden die Eltern zu einem Gesprächsabend eingeladen.

Schließlich seien es vielfach die Eltern, die nach Gulps Erkenntnis bei der Drogenprävention nicht immer ein gutes Vorbild seien, weil sie selbst häufig Suchtverhalten aufweisen würden, das die Kinder nicht übernehmen sollten. „Ihr könnt euch heute im Internet über die Folgen informieren“, appellierte er abschließend an die Schülerinnen und Schüler, „und geht hoffentlich differenzierter mit den Drogen um.“ Und dann gestand der Kabarettist ein, seinerzeit als „Hippie“ selbst viele schädliche Substanzen zu sich genommen zu haben. Schulleiterin Peggy Mascher äußerte sich begeistert über das Programm: „Besonders im Jugendalter ist es wichtig, auf die Gefahren von Alkohol- und Drogenmissbrauch hinzuweisen. Deshalb freuen wir uns besonders, dass die ‚Hackedicht – Schultour der Knappschaft‘ diese Aufgabe bei uns an der Schule übernimmt und auf so lebensnahe und gleichzeitig nachhaltige Weise die Jugendlichen für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol sensibilisiert.“