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Stadtteilparlament fordert Maßnahmenpaket
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Auftakt für schöneres Stadtteilzentrum in Huchting

Karin Mörtel 12.06.2019 0 Kommentare

Der historische Ortskern von Kirchhuchting hat viel Charme, findet Ortsamtsleiter Christian Schlesselmann. Doch der verlassene
Der historische Ortskern von Kirchhuchting hat viel Charme, findet Ortsamtsleiter Christian Schlesselmann. Doch der verlassene "Dorfkrug" hemmt die Entwicklung. (Roland Scheitz)

Verlassene Geschäfte, verfallene Häuser und ungepflegte Freiflächen mitten im Zentrum? Das alles gibt es in Huchting zu sehen entlang der Kirchhuchtinger Landstraße zwischen Huchtinger Kreisel und noch ein Stück am Roland-Center vorbei. Und genau dieser Bereich ist zusammen mit dem Einkaufszentrum selbst sowie ein paar Seitenstraßen das Stadtteilzentrum aus Sicht von Ortsamtsleitung und Lokalpolitikern.

Der Huchtinger Beirat hat nun kürzlich als eine seiner letzten Amtshandlungen vor der Wahl ein ganzes Forderungspaket an die Bau- und Finanzbehörde verschickt, um die Abwärtsspirale im Herzen ihres Stadtteils zu stoppen. „Wenn die Entwicklung so weiter geht, verlieren wir weitere Fachgeschäfte und Huchting wird immer mehr zur Schlafsiedlung ohne wichtige Angebote, die wir vor Ort aber behalten wollen“, warnt der Huchtinger Ortsamtsleiter Christian Schlesselmann während eines Spaziergangs vor Ort.

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Es ist diese Jetzt-oder-nie-Stimmung, die den alten Beirat dazu bewogen hat, das Projekt Zentrumsentwicklung noch anzuschieben. Geschäftsschließungen oder minderwertige Nutzungen der Geschäfte, Brachflächen und die hohe Verkehrsbelastung nennen sie als zentrale Probleme. Denn es gibt auch Lichtblicke und Chancen im Stadtteilzentrum zu sehen, die den erwünschten Aufwärtstrend unterstützen könnten, betont Schlesselmann.

Beispielsweise das neue Gemeindezentrum der St.-Georgs-Gemeinde, das derzeit noch im Bau ist. „Auch das Roland-Center selbst ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, findet Schlesselmann. Auch die neuen Geschäftsstellen der Gewoba und bald auch der Gesundheitskasse AOK würden mit ihren Neubauten gegenüber der Einfahrt zum Roland-Center positive Akzente setzen.

Auf der anderen Straßenseite dominiert aber weiterhin eine mit Unkraut überwucherte Freifläche das Bild, große Werbetafeln, ein Autohändler und graue Verkehrsfläche. Das geht einladender, finden die Stadtteilpolitiker und fordern als Sofortmaßnahme, dass der Stadtteil wenigstens mit einer Zwischennutzung die überwucherte Grünfläche aufwerten darf und die Werbetafeln wegen ihrer „städtebaulich negativen Ausstrahlung“ nach und nach verschwinden.

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Ein paar der vor Jahren noch zahlreichen alteingesessenen Fachgeschäfte entlang der Kirchhuchtinger Landstraße wie der Glaser sind noch da. Aber heute sind auch immer häufiger Nutzungen zu finden, die eher am Siedlungsrand anstatt mitten im Stadtteilzentrum zu erwarten wären: die Spielhalle und der Autohändler beispielsweise. Oder einzelne Häuser stehen gleich ganz leer und haben zugeklebte Fenster wie im alten Schuhgeschäft an der Ecke zur Obervielander Straße.

Seit Jahren schon ein Dorn im Auge ist den Huchtingern auch die längst verlassene Gaststätte „Dorfkrug“, die am Rande des Kirchhuchtinger Dorfplatzes mit ihrer abgeblätterten Fassade das idyllische Bild mit Kirchturm und Schule stört. Die Stadt steht offenbar in Verhandlungen mit dem Eigentümer über den Verkauf der Immobilie, ein Erweiterungsbau für die Grundschule ist an seiner Stelle geplant. Ob man sich auf einen Verkaufspreis für die heruntergekommene Schänke einigen kann? „Das hoffen wir sehr, es liegt den Menschen am Herzen, dass dieser Schandfleck am Ortseingang endlich verschwindet“, sagt Schlesselmann.

„Böses Park“ tadellos gepflegt

Es ist an der Kirchhuchtinger Landstraße ein bizarres Nebeneinander von Schönheit und Verfall, das an der Hauptschlagader des Stadtteils zu sehen ist: Mal weitet sich der Blick in den tadellos gepflegten „Böses Park“, den eine Althuchtinger Bäuerin einst der Stadt vermachte. Dann wieder sind verfallene Häuser und Brachflächen zu sehen.

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Eine dieser Brachflächen – wenngleich grau und nicht grün – ist der erst vor zwei Jahrzehnten hoffnungsfroh als neuer Dorfplatz an­gelegte Platz am Center-Point vor dem ­Roland-Center. Das erwünschte gesellschaft­liche Leben hat sich hier aber nur selten eingefunden. Auch Wochenmärkte konnten sich angesichts der ausbleibenden Kunden nur über einen kurzen Zeitraum halten.

Eine Gruppe Studierender aus Kaiserslautern hatte 2017 konkrete Vorschläge für eine Neugestaltung des Areals erarbeitet. Der Elan der angehenden Stadtentwickler, die mit viel Kreativität Perspektiven für das Stadtteilzentrum erarbeitet hatten, sei einer der Gründe gewesen, den Bereich neu zu betrachten und die Aufwertung in Angriff zu nehmen, blickt der Ortsamtsleiter zurück.

Ob nach dem ersten Aufschlag des Beirates nun letztendlich städtebauliche Wettbewerbe, verschiedene Fördermittel von Bund und Land zum Einsatz kommen oder der Bereich sogar zum Sanierungsgebiet wie im Neustädter Ortsteil Huckelriede erklärt werden könnte, ist noch offen. Christian Schlesselmann: „Der Beschluss ist unser Startschuss. Zentrales Anliegen war, dass wir erst einmal die Aufmerksamkeit der Fachleute auf unsere Probleme und Potenziale lenken.“