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Beirat Obervieland schimpft über Busnetz-Änderung

Karin Mörtel 23.01.2019 2 Kommentare

Senat und Bürgerschaft haben kürzlich einen neuen Streckenverlauf der Buslinien in Obervieland beschlossen. Ziel ist es, unter anderem durch die umstiegsfreie Anbindung an die Innenstadt, mehr Fahrgäste zu gewinnen. Der Start der Änderungen ist ab Herbst geplant. Dennoch beharrt der Beirat nun parteiübergreifend auf seiner uneingeschränkten Ablehnung gegenüber der Veränderung, die insbesondere die heutige Linie 51 betrifft. Diese wird wie berichtet als Verlängerung der 27 künftig von Huckelriede aus nicht mehr wie zuvor über den Holzdamm, sondern geradeaus auf der Habenhauser Landstraße weiterfahren. Neben konstruktiven Lösungsvorschlägen waren auch teilweise sehr unsachliche Wortbeiträge aus den Reihen des Beirates zu vernehmen.

Verkehrsbehörde kam Ortsteil entgegen

Dass die Verkehrsbehörde den Forderungen des Stadtteilparlamentes bereits im Herbst 2018 weit entgegengekommen war, spielte während der Beiratssitzung am Dienstagabend dagegen kaum eine Rolle. „Haken dran“, sagte Beiratssprecher Stefan Markus (SPD) lediglich zu dem Umstand, dass die künftige 27 nun doch über das Bürgerhaus Gemeinschaftszentrum Obervieland bis zum Klinikum links der Weser weiterfahren soll – anstatt wie ursprünglich angedacht, bereits am Heukämpendamm wieder umzukehren. Heftige Proteste aus dem Stadtteil hatten damals die Verkehrsdeputation der Bremischen Bürgerschaft dazu bewegt, eine Überarbeitung der Pläne zu beauftragen.

Doch zwei weitere Kernforderungen sieht der Beirat weiterhin unerfüllt: Zum einen bestehen die Ortspolitiker darauf, den ursprünglichen Streckenverlauf über den Holzdamm durch das Dichterviertel in Habenhausen beizubehalten. Denn andernfalls müssten die Bewohner am Holzdamm teilweise über einen Kilometer Wegstrecke zur nächsten Haltestelle zurücklegen, was besonders bewegungseingeschränkten Menschen nicht zumutbar sei. Zum anderen hatte der Beirat bereits im Sommer 2018 gefordert, dass die auf Brücken gelegenen Haltestellen Karl-Carstens-Brücke der Linie 22 sowie am Heukämpendamm der Straßenbahnlinie 4 zeitnah barrierefrei gestaltet werden.

Die barrierefreie Umgestaltung an vielen Haltestellen in Bremen sei bereits in Planung, erklärte Wilhelm Hamburger aus der Verkehrsbehörde dazu. Kurzfristige Ergebnisse seien allerdings nicht zu erwarten. Derzeit laufe dazu eine Studie, wie der Aus- und Umbau der Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr in Bremen möglich sei. „Diese Ergebnisse müssen wir zunächst abwarten“, so Hamburger. Roman Fabian (Linke) unterstrich dennoch das Anliegen des Beirates, besonders die Haltestelle auf der Karl-Carstens-Brücke mit Priorität zu behandeln.„Wenn es zu der geänderten Linienführung kommen sollte, müssen die Menschen am Holzdamm, die einen barrierefreien Zugang brauchen, diesen möglichst schnell zur dann näher gelegenen Linie 22 bekommen“, forderte er.

Kein Platz für Gelenkbusse

Zum geänderten Streckenverlauf in Habenhausen erklärten Wilhelm Hamburger sowie Andreas Busch von der BSAG ausführlich, weshalb die Gelenkbusse, die bald im Stadtteil unterwegs sein werden, den Holzdamm nicht weiterhin befahren können. Dazu hatte es auch bereits unter Beteiligung einiger Stadtteilpolitiker eine Probebefahrung der fraglichen Strecke gegeben. Nach dieser Erfahrung spreche eine viel zu enge Kurve an der Ecke Fellendsweg/Holzdamm ebenso gegen den alten Linienverlauf wie die zahlreichen parkenden Autos am Straßenrand, die den Holzdamm verengen. Habenhausener Stadtteilpolitiker wie Gisela Rabeler (CDU) schlugen daraufhin einen Umbau der Kurve sowie eine Ampelschaltung und Halteverbote vor.

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„Selbst dann bleibt das Hindernis bestehen, dass dort kein Platz für den Bau barrierefreier Haltestellen ist, daher können wir das definitiv nicht machen“, sagte Hamburger. Damit löste er eine Schimpftirade einiger Beiratsmitglieder aus den Reihen von Christ- und Sozialdemokraten aus, die Ortsamtsleiter Michael Radolla nur mit Mühe unterbinden konnte. „Ich verstehe, dass es schwer ist für einige Menschen, die zuvor die Haltestelle vor der Haustür hatten, nun längere Wege zurücklegen zu müssen“, sagte Hamburger. Dennoch seien die Planer dem Wohl der Gesamtstadt verpflichtet „und unterm Strich zeigen unsere Berechnungen, dass die Mehrheit im Stadtteil von den Änderungen profitieren wird“, so der Behördenmitarbeiter.

Zankapfel Unterschriftensammlung

Weiterer Zankapfel ist die Frage gewesen, was mit der Sammlung von über 1000 Unterschriften geschehen ist, die Anwohner des Dichterviertels, aber auch Besucher des BGO sowie andere Obervielander gegen die ursprünglich geplante Streckenführung bis zum Heukämpendamm zusammengetragen hatten. Diese hatte Stefan Markus im Herbst an Vertreter der Verkehrsbehörde übergeben. „Wir haben die Kritik, die durch die Unterschriften deutlich geworden sind, selbstverständlich in unsere Pläne mit einbezogen“, versicherte Hamburger. Den Wunsch, die Listen auch dem Verkehrssenator Joachim Lohse weiterzuleiten, komme er gerne nach. Dem Beirat war diese Zusage nicht genug. Einstimmig hat das Gremium am Ende der zweieinhalbstündigen Diskussion die Forderung an das Verkehrsressort verabschiedet, genau zu dokumentieren, inwieweit die Unterschriften mit in die Entscheidungsfindung mit einbezogen worden sind.

BSAG-Vertreter Busch machte deutlich, dass vor der geänderten Linienführung im Herbst noch einige  Baumaßnahmen an den sechs neuen Haltestellen sowie an mehreren Kurvenbereichen anstehen. So sind auch Ampeln für die langen Gelenkbusse an zwei besonders engen Kurven im Streckenverlauf geplant, damit sie nicht in den Gegenverkehr geraten können. Um das Linksabbiegen von der Theodor-Billroth-Straße in die Alfred-Faust-Straße möglich zu machen, muss dort zudem die Kreuzung umgebaut werden.