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In der Bremer Sprechstunde treffen sich regelmäßig Interessierte, um an ihrer Vortragskunst zu feilen
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Die Angst vorm freien Reden überwinden

Margot Müller 08.03.2018 0 Kommentare

SÜD / Rednerclub / Kirchweg
SÜD / Rednerclub / Kirchweg (Walter Gerbracht)

Es sind alle Alters-und Berufsgruppen vertreten: Schüler, Studierende, Berufstätige, Selbstständige und Hausfrauen. Sie alle verbindet eines: Der Wunsch, Redeangst und Lampenfieber abzubauen und die eigene rednerische Wirkung zu verbessern. Die Clubmitglieder lieben das freie Reden, möchten vor Publikum auftreten und ihre Meinung zu einem bestimmten Thema kundtun. Einige wollen Fachvorträge moderieren oder unterhaltsame Hochzeitsreden gestalten oder vielleicht gerne einmal während einer Veranstaltung einen Sketch auf die Bühne bringen.

„Unsere Bremer Sprechstunde ist ein nicht-kommerzieller Rednerclub. Hier lernen wir nach dem Erfolgsprinzip der sogenannten Toastmasters International, unsere Angst vor dem Reden zu besiegen, selbstbewusster und überzeugender aufzutreten“, erklärt Christiane Ohlwein, die aktuelle Vizepräsidentin des Clubs. Sie fördern das freie Sprechen in einer entspannten Atmosphäre und einem geschützten Rahmen.

SÜD / Rednerclub / Kirchweg
SÜD / Rednerclub / Kirchweg (Walter Gerbracht)

„Wir treffen uns, um Reden zu halten, uns auszutauschen und dabei jede Menge Inspiration und auch Spaß zu haben“, sagt Ohlwein. Diese Methode sei eine Schulung nach dem Prinzip der mehr als 10 000 Toastmasters-Clubs in 80 Ländern weltweit. Die gemeinnützige Organisation wurde 1924 in den USA gegründet und fördert die Kunst des öffentlichen Redens, der zielgerichteten Kommunikation und der Menschenführung, so heißt es auf der Homepage. Es gebe regen Austausch zwischen den Clubs in aller Welt. In Bremen gibt es seit Januar 2010 den ersten Toastmaster-Club dieser Art. Der Mitgliedsbeitrag kostet 54 Euro pro Halbjahr.

Strenger Zeitplan

SÜD / Rednerclub / Kirchweg
SÜD / Rednerclub / Kirchweg (Walter Gerbracht)

Jeder Abend wird vorher auf einer Online-Plattform von den Beteiligten exakt vorbereitet, die Zeit von 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr ist mit einer Agenda durchgeplant. Jeder Teilnehmer übernimmt eine bestimmte Rolle. Am Anfang stehen ein Willkommensgruß sowie das „Wort des Abends“, vorgetragen durch einen ausgewählten Moderator. Ziel ist es, dieses Wort spontan in die späteren Redebeiträge einfließen zu lassen. Danach können vier „Prepared Speaker“ ihre Reden vortragen, die anschließend gemeinsam bewertet werden. „Dabei bemühen wir uns, die Zeit genau einzuhalten, denn bei der Kunst der Rede ist es wichtig, mit der zur Verfügung stehenden Zeit gut umzugehen“, sagt Clubmitglied Wladimir Schefner.

So folgen die Reden in der Länge von vier bis zehn Minuten, abhängig von dem jeweiligen Redeprojekt, die chronologisch aus den Toastmaster-Handbüchern ausgewählt werden. „Basis und Leitfaden ist unser Handbuch mit zehn aufeinander aufbauenden Redeprojekten. Zu jedem Projekt gibt es Tipps und Anregungen. Die Reden erhalten immer direkt Feedback mit Verbesserungsvorschlägen, mit dem man von Rede zu Rede besser wird“, sagt Christiane Ohlwein.

Die Projekte befassen sich unter anderem damit, wie man das Eis beim Reden bricht, das Thema richtig auf den Punkt bringt, das Publikum kraftvoll überzeugt, und wie Körpersprache gezielt einsetzbar ist. Man lernt zudem, seine Stimme zu variieren, und welche Hilfsmittel das Reden erleichtern. Nach Abschluss der zehn Redeprojekte aus dem Übungsheft erhält man eine kleine Auszeichnung. Nach den vier Reden an einem Clubabend gibt es eine Pause.

Es folgen die sogenannten Stegreifreden – spontan gehaltene Reden von ein bis zwei Minuten Länge. Hier kann jeder, auch Gäste, seine Spontanität und Phantasie spielerisch testen. Alle Reden werden bewertet, die Zeit genommen, Äh’s und Füllwörter gezählt – jeder erhält im Anschluss ein konstruktives Feedback. „Aber keine Angst, unsere Clubabende sind stets geprägt von hoher gegenseitiger Wertschätzung, und wir pflegen einen offenen, herzlichen Umgang miteinander. Das „Du“ ist bei uns Programm“, versichert Christiane Ohlwein und erklärt gleich den Nutzen: „Du übst gemeinsam mit Gleichgesinnten besseres Reden. Ohne teure Rhetorikseminare. Du bekommst durch das regelmäßige Üben mehr Redepraxis und automatisch mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein.“ Der Bremer Rednerclub erweitert also Schritt für Schritt das Redevermögen. Man findet interessante Gesprächspartner und bekommt durch die Reden der anderen Club-Mitglieder zusätzliche Anregungen. Man wird durch die unterschiedlichen und vielfältigen Redethemen der Mitglieder unterhalten und inspiriert. Regelmäßig werden außerdem Wettbewerbe veranstaltet, der nächste findet im April in Hamburg statt.

Neue Mitglieder sind beim Bremer Rednerclub jederzeit herzlich willkommen. Wer Interesse hat, kann einfach vorbeikommen und an bis zu drei Abenden unverbindlich teilnehmen oder zuhören. Treffpunkt ist am Kirchweg 204, in den Räumen des Bremer Pflegedienstes in der Bremer Neustadt, über dem Bioladen Aleco.