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Modenschau im Gmeindesaal
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Die Kornstraße dreht mächtig auf

Martin Ulrich 14.11.2018 0 Kommentare

Volle Bühne mit allen Models und Tänzern bei der Modenschau im Saal des Gemeindehauses an der Zionskirche.
Volle Bühne mit allen Models und Tänzern bei der Modenschau im Saal des Gemeindehauses an der Zionskirche. (Hans-Joachim Ratzke)

Vier Monate dauern die Vorbereitungen, die dann in eine knappzweistündige Modenschau münden. Die Zions-Gemeinde stellt ihren Gemeinderaum zur Verfügung. Die Jugendgruppe der Gemeinde stellt Licht- und Tontechnik und hilft dabei, Bühne und Laufwege vorzubereiten. Deshalb geht der Erlös aus dem Verkauf der Eintrittskarten an die Jugendgruppe.

Nicole Lange betreibt in der Kornstraße die Boutique Nila-Fashion. Sie bietet individuelle Mode, die man nicht an jeder Ecke bekommt. Sie legt Wert auf nachhaltige Ware und sagt: „Also, es muss schon etwas besonderes sein. Wir nehmen nicht alles. Wir sind sehr kritisch in der Auswahl: Wo kommt es her? Wie wird es produziert? Das ist uns wichtig. Und natürlich der Wiedererkennungswert.“ Sie möchte, dass ihre Kundinnen gefragt werden: „Wo hast Du das denn her?“ Angefangen hat sie vor fünf Jahren auf 20 Quadratmetern, inzwischen sind es 200. Seit kurzem gibt es außerdem noch ein zweites Ladengeschäft in Findorff.

Melissa Ahrens betreibt das Schneiderwerk. Sie entwirft und fertigt Mode an, normalerweise als Maßarbeit, bisweilen aber auch in kleinen Serien. Außerdem bietet sie Schneiderkurse an. Sie vermittelt den Umgang mit Schnitten, mit der Nähtechnik, auch mit der Nähmaschine und verkauft alles Zubehör, was man zum Nähen braucht. Auch das Schneiderwerk ist in der Kornstraße angesiedelt.

Keine Profi-Models, sondern Kunden

Die beiden Unternehmerinnen bringen rund 20 Models in einer Altersspanne von 18 bis 80 an den Start. Die Models sind keine Profis. Sie wurden durch Aushänge in den Geschäften und Mitteilungen auf den Websites rekrutiert. Sie wie Birgit Trusch, die im Schneiderwerk an einem Nähkurs teilgenommen und dort von der Modenschau gehört hat. „Ich war schon im vorigen Jahr dabei und habe einen selbst genähten Mantel präsentiert. Und für dieses Jahr habe ich ein Tulpenkleid genäht.“ Auch Petra Lehne lernt jeden Freitag im Schneiderwerk schneidern. Sie sagt: „Wir sind die Freitagsgang. Ich habe eine selbst gemachte Hose, eine Bluse und ein Top vorgeführt.“

Auf einen richtigen Catwalk haben die Macherinnen verzichtet. Die Models gehen ebenerdig auf markierten Wegen. So sind sie ganz nahe beim Publikum und präsentieren tragbare Mode auf natürliche Weise. Die Moderation übernimmt Andrée Lange, Musik kommt vom Band. Haarstyling und Make-up organisiert der Salon Senida aus der Kornstraße am Vormittag, die Blumendekoration stellt das Blumengeschäft Ina Griese, ebenfalls aus der Kornstraße.

Unterm Strich wird eine Menge Arbeit allein in die Kleiderpräsentation investiert: Models wollen gecastet werden, die passende Kollektion ist zu bestimmen, die Choreografie der Modenschau muss erarbeitet und eingeübt werden und das alles will koordiniert sein. Dazu kommt ein Rahmenprogramm, dafür konnten die Tanz- und Sals-Arena aus der Stadtmitte gewonnen werden, die gleich auf der anderen Weserseite kurz hinter der Bürgermeist-Smidt-Brücke ihren Sitz haben. Wie auch die anderen Mitwirkenden, bekommen die Tänzer kein Geld, sondern nur die Möglichkeit, sich vor Publikum zu zeigen.

Tanzvorführungen im Rahmenprogramm

So wie Fabienne Marx und Chiara Perrone da Zara. Beide sind erst zehn Jahre alt und tanzen sehr erfolgreich als Latein Duo mit dem Namen „Da me Fuego (Gib mir Feuer).“ Sie sind das erste Latin Duo in Deutschland und werden 2019 an der Meisterschaft in Italien teilnehmen. Dafür trainieren sie 15 Stunden in der Woche. Nicht zu viel, wie Fabienne erklärt: „Nein überhaupt nicht. Es macht sehr viel Spaß und haben auch viele Freunde in der Gruppe. Das ist ganz toll. Und einmal in der Woche tanzen wir auch bei Roberto Albanese im Grün-Gold-Club.“ Außerdem sind sie Videoclip Tänzerinnen, trainieren bei Michele Cantanna in der Tanzarena und sind in dieser Disziplin Deutsche Meisterinnen. Fabienne sagt: „Und wir gehen nächstes Jahr zu ‚Das Supertalent‘“. Ihre Mutter bremst die Euphorie: „Das ist noch nicht raus.“ Aber sie haben wohl gute Chancen.

Jenny de Haas hat mit ihrer Tanzgruppe eine Girling Aufführung gemacht. Girling ist ein Tanzstil, bei dem auf High Heels getanzt wird und den man bei Michele Cantanna in der Tanzarena lernt. De Haas trainiert ihn fünf Mal pro Woche insgesamt etwa zwölf Stunden lang. Christine Hull und Benjamin Schmitter haben erst einen Bachata getanzt und dann einen Salsa vorgeführt. Bachata als Musik und Tanz stammt aus der Dominikanischen Republik. Der Tanz ist sehr erotisch und galt noch vor nicht allzu langer Zeit als verrucht.

Christine und Benjamin zeigten eine ausgefeilte Choreografie, die sie sich selbst erarbeitet haben. Auf der Modenschau von Nila-Fashion und Schneiderwerk regten sie Aufsehen, was nicht nur an Christine kurzem Glitzerkleid lag, sondern auch an beider außerordentlicher Körperkontrolle. Sie tanzen in der Sals-Arena.

Lohnt sich der ganze Aufwand für die Veranstalterinnen? Nicole Lange sagt dazu: „Ach, wir denken nicht immer ans Geld. Wir möchten uns zeigen und die Kornstraße ins Gespräch bringen. Es gibt so viele nette, kleine Läden hier und wir haben ja sonst keine Lobby.“