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Fahrräder für Geflüchtete gesucht
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Fahrräder statt Ostereier

Karin Mörtel 12.04.2019 0 Kommentare

Die Huckelrieder Arbeitsgemeinschaft Integration hat schon mal zusammengesucht, was die Spender so alles mitbringen können: Gebraucht werden Fahrräder in allen Größen, Spielfahrzeuge für Kleinkinder sowie Zubehör.
Die Huckelrieder Arbeitsgemeinschaft Integration hat schon mal zusammengesucht, was die Spender so alles mitbringen können: Gebraucht werden Fahrräder in allen Größen, Spielfahrzeuge für Kleinkinder sowie Zubehör. (Roland Scheitz)

Eine Osteraktion der besonderen Art hat sich die Huckelrieder Arbeitsgemeinschaft „Integration“ ausgedacht: Statt bunte Eier zu verstecken, wollen die Netzwerkpartner der verschiedenen Hilfsangebote im Ortsteil gespendete Fahrräder an geflüchtete Kinder, Frauen und Männer verteilen. An zwei Terminen vor und nach Ostern (siehe Infotext unten) können deshalb nun nach vorheriger Anmeldung funktionstüchtige Räder in allen Größen abgegeben werden. Außerdem werden Anhänger, Lauf- und Dreiräder, Bobbycars sowie Fahrradzubehör wie Kindersitze, Helme, Schlösser und Pumpen gerne angenommen.

Das Fahrrad gehört für viele Bremer selbstverständlich dazu, wenn sie innerhalb der Stadt schnell und günstig ans Ziel kommen wollen. „Diese Möglichkeit wollen wir mit der Spendenaktion auch möglichst vielen Geflüchteten eröffnen, die am Niedersachsendamm wohnen“, erklärt Quartiersmanager Marc Vobker die Idee. Daher ist die Annahmestelle zu den genannten Zeiten auch direkt bei den grünen Mobilbauten gegenüber der Roland-Klinik geöffnet. Denn dort besteht ständig Bedarf an weiteren Rädern, weiß Gesa Havekost, die als Fachkraft für Integration im Übergangswohnheim arbeitet. Diejenigen, die bereits ein gebrauchtes Fahrrad erhalten hätten „nutzen das sehr intensiv für ihre Wege zur Arbeit, zu Ämtern oder zu vielen weiteren Zielen“, hat sie beobachtet.

„Mobilitätsoffensive für Neubremerinnen und Neubremer“ nennt Ehrenamtskoordinator Thomas Strothoff von der Initiative „Gemeinsam in Bremen“ daher auch den Aufruf und hofft, „dass wir mit den Spenden dann möglichst alle Menschen, die bislang im Wohnheim noch ein Fahrrad brauchen sowie Geflüchtete, die sich an die Beratungsstellen wenden, versorgen können.“ Das Rad als Mittel der Integration, das die Möglichkeit bietet, auch das weitere Umfeld zu erkunden, selber einkaufen fahren zu können oder als Familie gemeinsam etwas an der frischen Luft zu erleben, das mit keinen Kosten verbunden ist. „Nicht angewiesen sein auf andere ist ein großer Wunsch bei Geflüchteten“, sagt Strothoff.

Nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch besonders bei den Kindern fördere ein eigenes Fahrrad auch die Bewegung und Selbstständigkeit, sind sich die Initiatoren der Spendenaktion sicher. Die Älteren könnten sogar allein zur Jugendfarm nach Habenhausen aufbrechen oder andere Anlaufpunkte für Jugendliche ansteuern, die sie momentan aufgrund der Entfernung nicht nutzen. „Wir waren erschrocken darüber, als wir irgendwann merkten, dass die meisten Kinder die Innenstadt noch nie gesehen hatten“, sagt Vobker.

Die Arbeitsgemeinschaft freut sich zwar darüber, dass hin und wieder bereits Fahrräder für die Geflüchteten abgegeben wurden. Aber offenbar reichen diese Einzelspenden nicht aus, um den hohen Bedarf zu decken. „Außerdem bindet es auch viel Zeit und Energie, wenn wir die Räder einzeln zusammensuchen müssen – auch wenn jede Spende natürlich toll ist“, erklärt Melanie Wille-Bartsch vom Projekt „Ankommen im Quartier“, warum sie große Hoffnungen in die zwei Sammeltermine legt. Sollten mehr Räder als benötigt abgegeben werden, kommen auch Interessenten aus anderen Flüchtlingsheimen zum Zuge.

Damit die Räder nicht unbenutzt in der Ecke stehen, sobald sie mal einen Platten haben, gibt es auch bereits seit längerem eine ehrenamtlich betriebene Fahrradwerkstatt im Wohnheim am Niedersachsendamm. Dort ­leitet eine Fachfrau in ihrer Freizeit Frauen und Männer beim Selber-Reparieren an. „Die Bewohner wissen von dem Angebot und ­nehmen es sehr gut an“, sagt Havekost. Gute Aussichten also für gut erhaltene, aber derzeit unbenutzte Drahtesel, dass sie bei ihren neuen Besitzern noch lange gute Dienste leisten können.

Weitere Informationen

Wer Fahrräder und Zubehör spenden möchte, sollte sich vorab per Mail unter strothoff@gemeinsam-in-bremen.de anmelden. Danach können die Spenden ausschließlich am Dienstag, 16. April, sowie am Mittwoch, 8. Mai, zwischen 16 und 19 Uhr im Flüchtlingsheim am Niedersachsendamm 65b abgegeben werden.