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Jugendarbeit in Huckelriede
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Fragen zu Zirkusprojekt im Wahlkampf

Karin Mörtel 12.04.2019 0 Kommentare

Das ringförmige Fundament lässt bereits erkennen, wo das Zirkuszelt bald neben der Wilhelm-Kaisen-Oberschule stehen soll. Nun sind die Pflasterarbeiten dran.
Das ringförmige Fundament lässt bereits erkennen, wo das Zirkuszelt bald neben der Wilhelm-Kaisen-Oberschule stehen soll. Nun sind die Pflasterarbeiten dran. (Roland Scheitz)

Die Bauarbeiten für das Zirkuszelt in Huckelriede laufen auf Hochtouren. Ende Juni, also einen Monat später als geplant, soll das Gelände neben der Wilhelm-Kaisen-Oberschule nun so weit vorbereitet sein, dass die lila-gelben Zeltplanen hochgezogen werden können. Stillstand herrscht aber immer noch in der Frage, woher das Geld für einen Großteil der Jugendarbeit des Vereins Jokes – Die Circusschule kommen soll. Für das Huckelrieder Win-Forum ein unhaltbarer Zustand. Daher wollen die darin versammelten Bürger und Vertreter des sozialen Netzwerks vor Ort nun von den Spitzenkandidaten der Parteien, die bei der Bürgerschaftswahl antreten, wissen, wie sie die Zukunft des Projektes sichern wollen. Zusätzlich hat der Neustädter Beirat einen Haushaltsantrag zur künftigen Finanzierung der Jugendarbeit im Zirkuszelt gestellt.

Denn dieses soll wie berichtet dauerhaft die neue Heimat des Vereins sein. Und der will besonders denjenigen Kindern und Jugendlichen offene Freizeitangebote machen, die es im Leben schwerer haben als andere. Für den Umbau des Geländes und das Zirkuszelt fließen insgesamt etwa 680 000 Euro Bau- und Planungskosten. Das Geld stammt aus dem Städtebauförderungsprogramm Stadtumbau West sowie aus Haushaltsmitteln der beiden Senatsressorts Bau und Soziales. Für die offene Jugendarbeit kalkuliert Zirkusdirektor Dietmar Hatesuer pro Jahr mit mindestens 100 000 Euro, um Miete, Nebenkosten, Personal und Planungskosten decken zu können. 

Problem bekannt, Lösung fehlt

In der Sozialbehörde ist das Problem bekannt, dass das Geld für die geplante Jugendarbeit nicht reichen wird, wenn das Zirkuszelt eröffnet hat. Doch Extrazahlungen außer der Reihe seien nicht möglich, um das Angebot für die Jugendlichen auszuweiten, teilt Sprecher Bernd Schneider mit. „Unsere Aufgabe ist es, die von der Bürgerschaft festgelegten Mittel über die Stadtteile zu verteilen. Und dann muss in den Stadtteilen ausgehandelt werden, wie viel Geld davon an die Einrichtungen vor Ort fließt“, so Schneider.

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Solange es keine stadtteilübergreifenden Fördermittel für die offene Jugendarbeit gebe, „haben wir keinen Topf, aus dem wir den Verein bedienen können“, sagt der Sprecher. Allerdings setze sich Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) dafür ein, dass eben solch ein Topf geschaffen werde für Einrichtungen mit Strahlkraft über Stadtteilgrenzen hinweg.

Der Neustädter Beirat hat bereits Anfang des Jahres deutlich gemacht, dass er an den Verein Jokes aus dem Stadtteilbudget für die offene Jugendarbeit nicht mehr Geld zur Verfügung stellen kann als bisher. Daher liegt die Hoffnung des Stadtteilparlamentes nun darin, dass im neuen Bremer Haushalt deutlich mehr Geld für die Jugendarbeit und speziell auch für das Zirkusprojekt zur Verfügung stehen wird.

Ortspolitiker fordern Senatorin auf die Finanzierung sicherzustellen

Diesen Wunsch hat der Beirat mit einem Haushaltsantrag unterstrichen. Darin fordern die Ortspolitiker Senatorin Stahmann auf, gemeinsam mit den Ressorts Kultur, Bildung, Gesundheit und Inneres „möglichst zeitnah eine Finanzierung des Projektes sicherzustellen“, heißt es in dem einstimmig beschlossenen Papier.

Und weiter: Gemeinsam mit den genannten senatorischen Behörden solle die Sozialsenatorin außerdem federführend „bei der Aufstellung ihrer Haushalte für die Jahre 2020 und 2021 einen Betrag von 200 000 Euro jährlich einstellen, um das Angebot der Zirkusschule langfristig abzusichern.“

Genau an dieser Stelle setzt nun der offene Brief aus dem Win-Forum an die Spitzenkandidaten an. Denn am Ende sind es die Bürgerschaftsabgeordneten, die über die Höhe der Haushaltsmittel entscheiden, die für die offene Jugendarbeit in Bremen zur Verfügung stehen. „Wir wollen von den Kandidatinnen und Kandidaten wissen, wie sie im Fall ihrer Wahl das Zirkusprojekt absichern werden“, sagt Wilfried Schleef, der den Brief angeregt hat. Bis Ende April haben die Angeschriebenen nun Zeit, eine Stellungnahme zu dem Konzept des Zirkusprojektes abzugeben und konkrete Zusagen zu machen, ob und wie sie sich für die Finanzierung einsetzen wollen.

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Unterdessen haben die Pflasterarbeiten auf dem Gelände am Rande der Bezirkssportanlage begonnen. Das Ringfundament, an dem das Zirkuszelt später sturmsicher befestigt werden soll, steht bereits. „Durch die Regengüsse war der Grundwasserpegel so hoch, dass die Fundamentlegung später als geplant erfolgen konnte“, teilt der Umweltbetrieb Bremen mit, der von der Stadt mit dem Bau beauftragt wurde. Die Arbeiten könnten daher erst voraussichtlich Ende Juni beendet sein. Bis dahin müssen noch alle Leitungen in den Boden, die Toiletten und Container aufgestellt, die Grünfläche gestaltet und der Holzfußboden für das Zelt gebaut werden.

„Auf dem Platz sieht es schon ein bisschen nach Zirkus aus“, freut sich Dietmar Hatesuer von Jokes über den Baufortschritt. Er bleibt trotz aller Schwierigkeiten optimistisch, dass es auch noch mit der Finanzierung der Jugendarbeit klappen kann und gibt bekannt: „Wir wollen nach den Sommerferien endlich im Zelt starten.“