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Erste Bauarbeiten starten Mitte Oktober
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Im Fahrradquartier geht es los

Karin Mörtel 25.09.2017 4 Kommentare

Vorfahrt für Fahrradfahrer. (Symbolbild)
Vorfahrt für Fahrradfahrer. (Symbolbild) (dpa)

Seit Ende Februar ist klar, dass in der Alten Neustadt – wie berichtet – Deutschlands erste Fahrradzone entstehen soll. Als wilden Ritt umschreibt Michael Glotz-Richter aus der Umweltbehörde das, was seither in den Amtsstuben passiert ist: Denn Eile ist geboten bei Planung und Ausführung, um das Fahrradmodellquartier innerhalb des vom Bund vorgegebenen engen Zeitplans einrichten zu können.

Bereits im Sommer 2019 muss alles fertig sein. Die ersten Bagger werden nun voraussichtlich Mitte Oktober anrücken. „Mit Dienst nach Vorschrift würde das alles nicht klappen, doch zum Glück arbeiten da viele Stellen sehr engagiert Hand in Hand“; so der Referent für nachhaltige Mobilität. Knapp drei Millionen Euro fließen in diesem Zeitraum in die Alte Neustadt. Der Löwenanteil von 2,4 Millionen stammt aus der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums.

Radfahrer haben Vorfahrt

Die Idee ist, in einem klar abgegrenzten Bereich rund um die Hochschule Bremen am Neustadtswall ein ganzes Netz aus Fahrradstraßen miteinander zu verbinden und an weitere Fahrradstrecken zu anderen Stadtteilen anzubinden. Dort haben dann die Radfahrer Vorfahrt, Autos müssten sich unterordnen. Ginge es nach den Ideengebern des Pilotprojektes, soll mit der Umsetzung der geplanten Maßnahmen auch weniger Parkdruck im Quartier herrschen, weil Nutzer auf Leihräder oder neue Car-Sharing-Angebote zurückgreifen können.

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Als Startpunkt der Umbaumaßnahmen haben die Planer nun die Kleine Johannis­straße sowie die Große und Kleine Annenstraße ausgewählt, um Radfahrern mehr Komfort zu bieten. Das Ziel: eine glatte Oberfläche, um besser voranzukommen als auf dem hucke­ligen Kopfsteinpflaster, sichere Abstellmöglichkeiten für Räder im Quartier ­sowie insgesamt eine übersichtlichere ­Gesamtsituation.

„Zunächst wird der alte Kanal unter der Kleinen Johannisstraße saniert, dann folgen wir mit der neuen asphaltierten Fahrbahndecke und den Gehwegen“, erläuterte Glotz-Richter jetzt dem Neustädter Beirat. Mitte Oktober will Hansewasser starten.

Pflaster verschwindet

Die Pflastersteine sollen dort hinterher nicht wieder eingesetzt werden, zum Bedauern der Stadtteilpolitik. Auf sogenannten Gehwegnasen, die am Straßenrand gebaut werden, soll Platz für Fahrradbügel entstehen. „Wir erhoffen uns, damit das derzeit ungeordnete Parken in vernünftige Bahnen zu lenken“, so der Referent aus der Umweltbehörde. Zusätzlich werden die Parkflächen am Straßenrand markiert, um die legalen Stellplätze kenntlich zu machen.

Ähnlich sieht das Maßnahmenpaket für die Große und Kleine Annenstraße aus. Dort ist der Kanal allerdings bereits saniert, die Fahrbahn bleibt daher weitgehend unverändert. Um die Kreuzungsbereiche von parkenden Autos freizuhalten, wird es dort ebenfalls langgezogene Gehwegnasen geben, auf denen entweder Fahrradbügel oder Car-Sharing-Angebote vorgesehen sind.

Geteilte Meinungen zu dem Fahrradprojekt

Aus dem Beirat Neustadt war viel Lob, aber auch Kritik zu hören: „Ich kann nur ein bisschen Komfort am Rande erkennen, aber nicht den großen Wurf für Radfahrer“, kritisierte Wolfgang Meyer von der Linkspartei. Das sei in den Niederlanden bereits viel besser gelöst. Glotz-Richter spielte den Ball umgehend an die Stadtteilpolitik zurück: „Wir wollen dort keine Häuser abreißen und der Platz für Radfahrer ist in den engen Straßen nun mal begrenzt. Anders sähe das aus, wenn der Beirat beschließen würde, Parkflächen aus manchen Straßen wegzunehmen, aber dann haben wir hier eine ganz andere Diskussion.“

Das Bremer Loch ist aktuell wohl Bremens größte Baustelle. Dort soll das City Gate entstehen, ein Gebäudekomplex mit zwei Hotels, Restaurants, Burger-Läden, Supermärkten, Büros und Arztpraxen. (Zum Artikel)
So soll das City Gate einmal aussehen. Fertiggestellt sein soll es Anfang 2019.
In unmittelbarer Nähe befindet sich der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) am Bremer Breitenweg. Die Situation vor Ort ist kritisch: Es fehlt an Unterstellmöglichkeiten für die Fahrgäste, und die Verhältnisse vor Ort sind beengt. Darum plant die Stadt seit zwei Jahren einen neuen ZOB, der am Rande des Güterbahnhofs entstehen soll. Baustart sollte ursprünglich 2018 sein, doch die Pläne stagnieren, weil die Stadt sich bislang nicht mit dem Eigentümer der Fläche einigen kann (siehe Artikel). 
Geplant sind neben dem ZOB mit elf Haltebuchten und Serviceräumen ein Hotel und ein Parkhaus. Sollten die Pläne realisiert werden, müsste die Diskothek Gleis 9 weichen.
Fotostrecke: Wo in Bremen gebaut wird

An der Hochschule Bremen (HSB), unter deren Federführung der Projektantrag beim Bund eingereicht wurde, laufen die Vorarbeiten ebenfalls auf Hochtouren. Wesentliche Bausteine der Hochschule für das Fahrradquartier sind überdachte Abstellplätze, geplante Leihräder sowie Luft- und Ladestationen für E-Bikes.

Repair-Café als Labor und Werkstatt für Studenten

„Seit August arbeitet außerdem ein Architekt daran, unser Repair-Café zu planen“, verkündet Steffi Kollmann. Die Leiterin des Projekts „ClimaCampus“ an der HSB freut sich darauf, schon bald direkt vor der Haustür einen klimafreundlichen Bau mit Gründach, Solar- und Regenwassernutzung vorzufinden. „Das Café ist als Reallabor für unsere Architekturstudenten und Bauingenieure konzipiert, in dem auch Messfühler eingebaut sind“, berichtet Kollmann. Außerdem können Studierende dort künftig ihr Fahrrad reparieren lassen und während der Wartezeit einen biofairen Kaffee genießen. Wer weniger Geld zur Verfügung hat, kann in Selbsthilfeworkshops lernen, wie man auf eigene Faust Löcher im Reifen flickt und andere Reparaturen erledigen kann.

„Wir sind bald angebunden an die Fahrrad-Premium-Routen in der Stadt und bieten hier vor Ort reichlich Komfort, um noch wesentlich mehr Menschen dazu zu bringen, mit dem Fahrrad zu fahren“, zeigt sich Kollmann bereits heute vom Erfolg des Projekts überzeugt.