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Kulturort in Bremer Hulsberg-Viertel
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Neue Pathologie soll zur Kultureinrichtung werden

Sigrid Schuer 25.09.2019 3 Kommentare

Das Atelier Loidl aus Berlin realisiert die Grünraumplanung des Neuen Hulsberg-Viertels.
Das Atelier Loidl aus Berlin realisiert die Grünraumplanung des Neuen Hulsberg-Viertels. (Atelier Loidl)

Der SPD-Ortsverein Peterswerder/Steintor unternimmt massive Anstrengungen, um das Gelände der Neuen Pathologie aus der geplanten Ausschreibung für das Neue Hulsberg-Viertel herausgenommen wird. Das Grundstück sollte demnach auf Basis des von Geoinformation ermittelten Wertes von der Stadt Bremen angekauft werden, so der Wunsch. In der Folge soll es vorrangig nach Kriterien des besten Konzeptes an Betreiber vergeben werden. Darauf weist der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Arno Gottschalk hin. Ein entsprechender Antrag wurde von dem Ortsverein auf dem Unterbezirksparteitag am vergangenen Wochenende gestellt. Inzwischen wurde er an die Fraktion überwiesen.

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Gottschalk wird sich weiterhin darum kümmern. In dem Antrag heißt es: „Die SPD-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft (Stadt) wird aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass im Zuge der Entwicklung des Neuen Hulsberg-Viertels die Umsetzung von nachhaltigen Kultur- und Sozialprojekten auf dem Gelände der Neuen Pathologie ermöglicht wird“. In der Begründung des Antrages heißt es weiter: „Im Regierungsprogramm der Bremer SPD wird sinnvollerweise deutlich gemacht, dass Grundstücke vorzugsweise in städtischer Hand gehalten werden sollen, um stadtentwicklungspolitische Gestaltungsmöglichkeiten zu erhalten, anstatt Grundstücke zum Höchstpreis zu veräußern.“

Konzepte zur Nutzung bestehen bereits

Nach SPD-Angaben gibt es bereits bestehende Konzepte von Interessenten zur kulturellen und sozialen Nutzung der Neuen Pathologie. Um jedoch in der Neuen Pathologie eine kulturelle und soziale Nutzung zu ermöglichen müsse das Konzept bei der Vergabe deutlich höher gewichtet werden als der Kaufpreis. Dies sei bei aktuellem Stand nicht der Fall.

Florian Kommer, Geschäftsführer der Grundstücksentwicklung Klinikum Bremen Mitte (GEG), hatte auf der jüngsten Sondersitzung des Bau-Ausschusses des Beirates Östliche Vorstadt betont, man setze zu 49 Prozent auf das von Kaufinteressenten vorgelegte Konzept und zu 51 Prozent auf den Preis bei der Entscheidung für ein Gebot.

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Engagement willkommen

Der GEG-Geschäftsführer wisse durchaus bürgerschaftliches Engagement auf dem Gelände zu schätzen, das er vermarktet, sagte er. So begrüßte er auf der Sondersitzung ausdrücklich die Urban-Gardening-Initiative der Anwohner, die aus der Hulsberg Crowd hervorgegangen ist. Solche Initiativen würden sozial verbindliche Strukturen schaffen. „Ich empfinde das als sehr beglückend für die Entwicklung des Neuen Hulsberg-Viertels. Diese Art von Interimsnutzung finde ich faszinierend“, sagte er. Eine Vertreterin der Initiative betonte, dass die Mitglieder der Urban Gardening-Gruppe sehr zufrieden mit dem neuen Standort seien. „Wir haben tolle Rückmeldungen bekommen“, betonte sie.

Auch das Thema Verkehrsinfrastruktur wurde auf der Sondersitzung erörtert. Kommer betonte dabei, dass die Bäume auf dem Gelände ein großer Schatz seien, den es zu schützen gelte. Anfang 2019 sei nun mit den öffentlichen Freiraumplanungen durch das Berliner Planungsbüro Atelier Loidl auf dem Gelände begonnen worden. Es müssten unter anderem Versorgungsanlagen gebaut werden, die auch mit Hansewasser durchdacht werden. Gleiches gelte für die Straßenbeleuchtung, so Kommer.

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Bis zum Jahresende solle nun der komplette Plan der öffentlichen Verkehrs- und Technik-Infrastruktur stehen. Für die Fertigstellung werden die Jahre 2021/22 angepeilt. Mit dem Amt für Straßen und Verkehr müsse zudem geklärt werden, wo am Schwarzen Meer Anschlüsse für Ampelschaltungen geplant werden müssten. Von Zuhörerseite kam der Einwurf, dass in einem neuen Viertel mit 1200 neuen Bewohnern die BSAG wohl weitere Haltestellen werde einrichten müssen. Dabei wäre es wohl von Vorteil, wenn der Beirat dazu eine Meinung formulieren könnte, so die Anmerkung aus der Zuhörerschaft.

Dauerthema Parken

Eines sei aber schon mal sicher, berichtet Kommer: Die Parkhauszufahrt unter dem Ärztehaus werde erhalten bleiben. Zum Thema Parken kam dann eine weitere süffisante Anmerkung aus dem Publikum: Der SV Werder Bremen solle doch eine Pauschale von rund einer Million Euro berappen, und zwar als Abschleppgebühr für die Autos, die bei Werder-Spielen regelmäßig die Parkplätze auf dem Klinikgelände zu parken. Auch meldete sich ein künftig auch unmittelbarer Nachbar des neuen Parkhauses, stellvertretend für all jene, die ihre Häuser direkt gegenüber dem geplanten Parkhaus haben. „Ich möchte mich ja mit dem Gelände anfreunden und mich hier nicht als ein Feind outen“, betonte ein Anwohner.

Aber die geplante Höhe von 14 Metern sei ja schon eine Ansage. Da müsse ein intensiver Dialog mit der Nachbarschaft beispielsweise über Sonnenschutz und Fassadengestaltung geführt werden. Die SPD-Stadtteilparlamentarierin Anke Koslowski brachte etwa eine vertikale Begrünung ins Spiel. Aber auch eine Dachbegrünung wäre möglich, warf Kommer ein. Eine weitere Idee: Nach Wiener oder Hamburger Vorbild, auf dem Dach des Parkhauses ein Schwimmbad zu errichten. „Das haben wir auf dem Schirm!“, betonte Florian Kommer. Automatisierte Parkhäuser, in denen sich keine Menschen mehr aufhalten, würde er ohne Frage, schon wegen der damit verbundenen, deutlichen Abgasreduzierung favorisieren. Allein wären sie so unverhältnismäßig teuer, dass sie nicht bezahlbar seien.

Sorge um steigende Mieten

Auch die nächste Sitzung des Bauausschusses verspricht spannend zu werden. Margot Müller von der Hulsberg Genossenschaft brachte das Bauvorhaben an der Hemelinger Straße 45 ins Spiel, das Thema in der nächsten Sitzung sein wird. Mit Sorge sähen die Anwohner, dass hier ein Quadratmeterpreis von 6000 Euro für die Eigentumswohnungen aufgerufen werde, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Neuen Hulsberg-Viertel entstehen sollen. „Und das auf einem Areal, das schließlich einmal der Stadt gehört hat und dann an einen Investoren verkauft wurde“, empörte sich Müller.

Ortsamtsleiterin Hellena Harttung gab ihr Recht: „Das wird sich preistreibend auf das gesamte Quartier auswirken!“ Aber das sei noch nicht alles, sagte Müller. Für 18 Wohnungen seien lediglich vier Stellplätze geplant. Das würde wiederum in den umliegenden Straßen Parkdruck erzeugen. Florian Kommer beschwichtigte die Anwesenden: Eine Nutzung des Parkraums auf dem Gelände des Neuen Hulsberg-Viertels durch Nicht-Anwohner sei nicht vorgesehen.