Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Deichverband erstattet Anzeige
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Neues Schöpfwerk in Huchting beschmiert

Karin Mörtel 23.06.2019 5 Kommentare

Das gerade überholte Schöpfwerk in Huchting ist großflächig beschmiert worden. Marcus Winde vom Deichverband am linken Weserufer ist nicht nur sauer über die Beschädigung, sondern auch darüber, dass die Täter die Schwalben vertrieben haben.
Das gerade überholte Schöpfwerk in Huchting ist großflächig beschmiert worden. Marcus Winde vom Deichverband am linken Weserufer ist nicht nur sauer über die Beschädigung, sondern auch darüber, dass die Täter die Schwalben vertrieben haben. (Roland Scheitz)

Ein Schock ist es für Marcus Winde vom Deichverband am linken Weserufer gewesen, als er vor einigen Tagen zum Schöpfwerk in Huchting gekommen ist. Das erst bis wenige Tage zuvor generalüberholte Gebäude präsentierte sich großflächig beschmiert mit gelber Farbe. Die Schadenshöhe: Etwa 30 000 Euro. Ob man die Farbe von der Außenwand jemals wieder herunter bekommt, will Winde noch klären lassen.

Der neue, 2,20 Meter hohe Zaun hatte also offenbar nicht den erhofften Effekt gebracht, das technische Bauwerk am Huchtinger Fleet besser zu schützen als zuvor. „Schon beim Altbau wurden regelmäßig Dachrinnen, Fallrohre und alles andere, was nicht niet- und nagelfest war, abmontiert sowie das Haus regelmäßig von Sprayern verunstaltet“, berichtet Winde. Außerdem war der Mahlbusen, wie das kleine Speicherbecken vor dem Schöpfwerk auch genannt wird, offensichtlich ein beliebter Platz für Einbrecher, um Beweise loszuwerden. „Die Polizei hat hier 2018 während einer gezielten Aktion allein 17 Tresore aus dem Wasser gezogen“, so Winde. Mit derartigem Treiben sollte an dieser einsamen Stelle nun Schluss sein – eigentlich.

Sprayer haben Schwalben vertrieben

Doch die beiden riesigen Lettern „MD“ in gelber und schwarzer Sprühfarbe an der Wand beweisen, dass der Zaun nicht das Ende des Vandalismus am Schöpfwerk bedeuten wird. Besonders schlimm findet Winde nicht den unschönen Anblick, den Bahnreisende zwischen Bäumen hindurch nur für etwa eine Sekunde auf der Strecke Bremen-Oldenburg erhaschen können. „Die eigentliche Katastrophe ist, dass die Sprayer die Schwalben vertrieben haben, das ist ein schwerer Eingriff in den Artenschutz“, ärgert sich der Bauingenieur.

Erst kürzlich hat der Deichverband für die eigens eingerichteten Nisthilfen am Haus eine Auszeichnung von Naturschützern erhalten. „Die waren auch bereits gut angeflogen, doch nun sind die Vögel weg und seit über zehn Tagen nicht zurückgekehrt“, so Winde. Tatsächlich reicht die Farbe bis direkt an die kleinen Einfluglöcher heran. Die Unruhe vor ihren Nestern sowie ein durchdringender Geruch nach Lösungsmitteln habe die Schwalben womöglich dazu gebracht, den Nestbau abzubrechen und das Weite zu suchen, vermutet Winde. Selbst auf den direkt benachbarten Schwalbenturm sind sie nicht umgesiedelt, er ist in diesem Jahr noch gänzlich unbewohnt.

Polizei und Naturschutzbehörde sind über den Vorfall informiert. Zusätzlich hat der Deichverband am linken Weserufer eine Belohnung von 1000 Euro ausgesetzt für den entscheidenden Hinweis, „der zur Durchsetzung unserer Schadensersatzansprüche führt“, erklärt Winde. Wer in der Nacht von Mittwoch, 12. Juni, auf Donnerstag, 13. Juni, etwas Verdächtiges rings um das Schöpfwerk an der Straße „Vor den Seelanden“ in Huchting bemerkt habe, solle sich bei der Polizei melden.

Hochwassersicher dank neuer Technik

Ungeachtet des Ärgers ist der technische Leiter des Deichverbandes am linken Weserufer stolz auf die gelungene technische Erneuerung des Schöpfwerks. Es sorgt dafür, dass die Huchtinger sowie das weitere Hinterland der Ochtum auf etwa 15 Quadratkilometer Ausdehnung bis hin zur A 1 auch bei Starkregen und Hochwasser trockene Füße behalten.

Drei mächtige Pumpen sorgen dafür, dass im Ernstfall das überschüssige Wasser, das sich im Graben- und Fleetsystem hinterm Ochtumdeich sammeln sollte, so schnell wie möglich Richtung Ochtum abgeführt wird. Zwei Kubikmeter Wasser pumpt die größte von ihnen pro Sekunde zwei Meter hoch quasi „über“ den Deich.

In den zurückliegenden eineinhalb Jahren wurden nun die Maschinenhalle neu gebaut, die alten Pumpen gründlich überholt, eine moderne Automatisierungstechnik eingebaut sowie der Außenzaun errichtet. Nur die Entschlammung des Speicherbeckens steht in diesem Jahr noch aus. In den kommenden zwei Jahren sind dann zuletzt noch Instandsetzungsarbeiten an den Spundwänden seitlich des Schöpfwerks sowie die kleine Brücke über das Huchtinger Fleet an der Reihe. 

1,5 Millionen Euro ist in die Modernisierung geflossen, etwa ein Sechstel davon aus EU-Fördermitteln, den Rest hat der Deichverband aus eigenen Mitteln bestritten. „Wir sind mit der neuen Technik nun für alle Extremwetterereignisse gerüstet und können jedes Hochwasser verarbeiten, das hier ankommt“, sagt Winde.