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Tunnel und Gleispark für Woltmershausen
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Planungshorizont bis nach 2050

Matthias Holthaus 25.09.2019 0 Kommentare

Im Masterplan zeigt ein städtebauliches Konzept schematisch, wie die neuen Häuser angeordnet sein könnten. Vorausgesetzt, die Flächen stehen zur Verfügung. Erst die Feinplanung legt fest, wie die Gebäude genau aussehen.
Im Masterplan zeigt ein städtebauliches Konzept schematisch, wie die neuen Häuser angeordnet sein könnten. Vorausgesetzt, die Flächen stehen zur Verfügung. Erst die Feinplanung legt fest, wie die Gebäude genau aussehen. (Planungsbüros Elbberg, Bruun & Möllers Landschaften, BPR)

„Ein schönes Beispiel für Beiratstätigkeit“, so nennt Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon die Entwicklung des Gebietes „Vorderes Woltmershausen“ – mittlerweile bekannt unter dem Namen Tabakquartier. Denn während der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans habe der Beirat durchgesetzt, dass das 55 Hektar große Areal eine „weiße Fläche“ bleibt: „Ohne Festlegung und mit Möglichkeit zur Diskussion. Und diese Diskussion gibt es heute.“

Groß war daher auch das Interesse der Woltmershauser an der jüngsten Beiratssitzung, während der Stadt und Planer gemeinsam den Masterplan zum Tabakquartier vorgestellt haben. „Eine weiße Fläche muss und soll es nicht bleiben“, betonte Senatsbaudirektorin Iris Reuther. Und Jutta Bettin, Stadtplanerin in der Baubehörde, zeigte sich überzeugt: „Es kommt eine Aufbruchstimmung in Woltmershausen auf.“ Die zentrale Idee des Masterplans sei die Reaktivierung alter Gewerbebrachen, denn es gebe in diesem Gebiet schöne, denkmalgeschützte Gebäude. „Wir haben ein Gebiet, das bereits ein Gesicht hat.“

Landschaftspark entwickeln

Im Anschluss ermöglichte Volker Rathje vom Stadtplanungsbüro „Elbberg“ einen Einblick in den städtebaulichen Teil des Masterplans. „Woltmershausen ist bis dato noch nicht richtig wahrgenommen worden“, meinte er und nannte als einen Grund den Eisenbahndamm zwischen der Neustadt und Woltmershausen. „Da könnte man einen Landschaftspark entwickeln, von dem Woltmershausen und die Neustadt etwas haben.“

Es ist eine Mischung aus unterschiedlichen Höhen und Häusertypen vorgesehen, um Monotonie zu vermeiden. Dazu gehört auch die Erhaltung von alten Gebäuden wie etwa der zentral gelegenen Tonnenhalle der SWB. Diese Halle werde zwar noch fünf bis zehn Jahre weiter genutzt, eine stadtteilbezogene Nutzung sei aber bereits jetzt angedacht, so Rathje. Und zentral soll auch die geplante Grundschule liegen, in Nachbarschaft zum Berufsschulcampus für den Bereich Technik.

Der „Gleispark“ genannte Landschaftspark soll als Bindeglied zwischen den beiden Ortsteilen und der restlichen Stadt dienen und als eine neue grüne Lunge Bremens daherkommen. Freiraumplaner Moritz Möllers vom Büro „Bruun & Möllers Landschaften“ sieht den Gleispark als einen künftigen „Freiraum von stadtweiter Bedeutung“ und als zentralen Bereich zur Vernetzung des Quartiers und zu den Nachbarquartieren. „Gleispark, da stellen wir uns einen aktiv bespielten, lebendigen Park vor.“ Erste Vorbereitungen für den Park liefen bereits, doch Moritz Möllers sagte auch: „Er wird an Tag eins noch nicht vollständig da sein, weil die SWB noch weitere Flächen benötigt.“

Neuinszenierung des Tunnels

Den Bereich „Verkehr“ stellte Jens Wittrock vom Büro BPR vor: „Die Vernetzung mit den umliegenden Stadtteilen ist entscheidend“, sagte er und sprach von einer „Neuinszenierung des Tunnels“, der Verbindung zwischen Woltmershausen und der Neustadt. Dazu gehöre aber auch eine angedachte Rechtsabbiegemöglichkeit in die Carl-Francke-Straße – anerkennender Applaus der Vertreterinnen von Bürger in Wut (BiW) und FDP. Zudem sei das zu entwickelnde Quartier nicht ausreichend vom ÖPNV versorgt, es müsse demnach eine neue Buslinie etabliert werden, so Wittrock. „Und in weiterer Zukunft vielleicht eine neue Straßenbahnlinie?“ Der Masterplan jedenfalls sehe dafür ebenfalls Flächen vor.

Der neue Tunnel, der unter dem Bahndamm hindurchführen und lediglich der neuen Buslinie sowie Radfahrern und Fußgängern vorbehalten bleiben soll, regte Czichon zu der Frage an: „Können wir uns darauf verlassen, dass er relativ zeitnah kommt?“ Der Tunnel sei nicht in drei Jahren fertig, antwortete Wittrock. „Das ist eine Hausnummer und zeitlich nicht voraussehbar“, so der Verkehrsplaner. Eine Anregung aus dem Publikum, man könne doch die Linie 63 durch das Quartier fahren lassen, musste Jens Wittrock zurückweisen: „Die Linie ist bei Schichtwechsel im GVZ so voll, da glaube ich nicht, dass sie geeignet ist.“

Der Bebauungsplan, der auch Wohngebäude erlaubt, soll 2021 fertig sein. Bereits jetzt werden Fabrik- und Speichergebäude zu Büros umgebaut. In drei bis fünf Jahren sollen weitere Areale entwickelt werden. „Diese Zeiträume finde ich sportlich, wenn ich sehe, wie lange andere Projekte dauern“, meinte Nina Schaardt (BiW). Zudem sei sie skeptisch, ob der Autoverkehr langfristig auf 25 Prozent gesenkt werden könne. „Handel und Gewerbe sind auf das Auto angewiesen. Und man muss beim rausfließenden Verkehr darauf achten, dass dieser auch auf die Hochstraße kommt.“ Karin Bohle-Lawrenz von der FDP findet den Radweg parallel zur Bahn unattraktiv.

Beirat gründet eigenen Ausschuss

„Wie komme ich da unter der Hochstraße durch?“, fragte sie, woraufhin Volker Rathje erneut an das Ziel erinnerte, das Tabakquartier besser anbinden zu wollen: „Es ist aber klar, dass das durch die B 6 und die B 75 derzeit nicht möglich ist. Wir wollen aber gewappnet sein für die nächsten 20 bis 30 Jahre.“ Vorausschauend argumentierte auch Iris Reuther: „Der Tunnel durch den Bahndamm ist eine strategische Entscheidung für Woltmershausen“, sagte sie. Ebenso verhalte es sich mit einer zusätzlichen Weserquerung in die Überseestadt, die perspektivisch gewünscht ist.

Björn Döhle aus der Baubehörde betonte, es sei wichtig, aus der Vergangenheit zu lernen: „Wir dürfen die Fehler der Überseestadt nicht machen, da haben wir zu spät mit dem Verkehr angefangen. Wir haben in Woltmershausen nur wenige Zugänge zum Quartier, das ist ähnlich zur Überseestadt.“ Eine Anwohnerin fragte: „Wie kommen wir aus dem hinteren Woltmershausen heraus? Wie soll das perspektivisch gedacht werden?“ Beiratsmitglied Ralf Fasmers (Die Partei) sah das eher entspannt: „Woltmershausen soll so schön werden, da wollen sie gar nicht mehr heraus.“

Fred Radder von der senatorischen Behörde meinte: „Tunnel oder Weserquerung, davon hat doch vor drei Jahren niemand gesprochen. Wann der Tunnel fertig sein wird, kann ich nicht sagen. Wir haben uns in Woltmershausen einen Planungshorizont von 30 bis 50 Jahren gegeben.“ Der Tunnel sei das Schlüsselelement für die weitere Entwicklung, meinte er, „und wir haben heute die Machbarkeitsstudie für den Tunnel in Auftrag gegeben.“ Wolfgang Kumpfer aus der Baubehörde sah diesen jahrzehntelangen Planungshorizont jedoch nicht: „Da ist die Politik gefragt.“

Gefragt ist auch der Beirat, der in einem extra gegründeten Ausschuss bis zum November eine Stellungnahme zum Masterplan erarbeiten wird. Diese wird gemeinsam mit dem fertigen Masterplan dann der Baudeputation vorgelegt.