Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Interview über Schimmel-Prävention
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

„Regelmäßiges Lüften hilft“

Jörn Hildebrandt 15.09.2019 0 Kommentare

Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch und die Raumtemperatur zu gering, kann Schimmel eine Wohnung ruinieren. Beispielsweise die Fugen im Badezimmer sollten regelmäßig mit medizinischem Alkohol gereinigt werden.
Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch und die Raumtemperatur zu gering, kann Schimmel eine Wohnung ruinieren. Beispielsweise die Fugen im Badezimmer sollten regelmäßig mit medizinischem Alkohol gereinigt werden. (Jörg Teichfischer)

Frau Meier, im Schimmelnetzwerk haben sich das Gesundheitsamt Bremen, der Verein Haus & Grund, die Bremer Umweltberatung, der Deutsche Mieterbund und die Verbraucherzentrale zusammengetan. Die Arbeit dieses Netzwerks wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Welche Aufgabe übernimmt es?

Elke Meier: Die beteiligten Einrichtungen sind alle im Bereich Beratung zum Thema Schimmel tätig. Wir gehen nicht, wie bestimmte Firmen, in die Wohnungen, sondern machen nur eine telefonische Beratung. Unser lockeres Netzwerk deckt ein breites Spektrum ab, von den gesundheitlichen bis zu den rechtlichen Aspekten. Uns lag es daran, die Beratung zu vereinheitlichen, geschäftliche Interessen verfolgen wir nicht.

Ist durch Häuser mit Wärmedämmung die Schimmelbildung zurückgegangen?

Wo die Häuser wärmegedämmt sind, tritt Schimmel in der Tat deutlich weniger häufig auf. Aber es gibt eben auch noch einen großen Baubestand, der Jahrzehnte alt ist, und dort können von Schimmelbefall Gefahren ausgehen. Schimmel tritt zudem besonders dort auf, wo an den Heizkosten gespart werden soll und wo die Belegung der Wohnungen hoch ist – je mehr Leute unter einem Dach, desto größer ist die Gefahr von Schimmelbildung, weil sich dann einfach mehr Feuchtigkeit bildet.

Mehr zum Thema
Auf Schutz achten: Kleine Schimmelflecken selbst entfernen
Auf Schutz achten
Kleine Schimmelflecken selbst entfernen

Der lange Winter zeigt nun seine Folgen: Während der kalten Tagen gedeihen Schimmelpilze besonders ...

 mehr »

An welchen Stellen kommt Schimmel in Häusern besonders häufig vor?

Vor allem in Kellern und im Souterrain, wo die Feuchte meist höher ist. Meist reicht eine relative Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 Prozent an der Oberfläche des Materials, um Schimmel auftreten zu lassen. Diese hohe Feuchte kann durch Kondensation von Wasserdampf, aber auch durch bauliche Schäden entstehen.

Welche Gefahren sind es genau, die von Schimmelpilzen ausgehen?

Gefährlich sind die Sporen, die von den Pilzen freigesetzt werden. Sie können zum Beispiel zu Atemwegserkrankungen, Bindehautentzündungen, Kopfschmerzen oder Allergien führen. Doch es gibt eine unglaubliche große Zahl von Schimmelpilzarten, die in verschiedensten Materialien stecken können.

Wie kann man Schimmelbefall vorbeugen?

Da hilft zum einen regelmäßiges Lüften, und zwar mit Durchzug – und nicht, indem man die Fenster nur in die Kippstellung bringt. Zum anderen sollten die Räume ausreichend beheizt werden. Das gilt besonders für die jetzige Jahreszeit, in der es abends schon kühl ist und tagsüber noch warm – da wird häufig zu wenig gelüftet und geheizt. Besonders wichtig ist es, hohe Luftfeuchtigkeit abzuführen, wenn sie entstanden ist, also besonders nach dem Baden oder Duschen.

Wenn der Schimmel in der Wohnung ist – wie lässt er sich effektiv bekämpfen?

Falsch wäre es, ihn mit Farbe zu überstreichen oder Bekämpfungsmittel einzusetzen, die zum Beispiel Chlor enthalten. Wir empfehlen medizinischen Alkohol, der kostengünstig ist und generell desinfizierend wirkt. Der 70- bis 80-prozentige Isopropylalkohol lässt sich mit einem Lappen oder einer Sprühflasche auftragen und hat zudem den Vorteil, dass er schnell aus der Raumluft verdunstet.

Was erwartet die Besucher auf dem Schimmelaktionstag am 18. September in der Volkshochschule?

Fünf Vertreter des Schimmelnetzwerks werden über gesundheitliche Gefahren, Ursachen für und Maßnahmen gegen Schimmelbefall referieren. Die Bauweise und die Nutzung von Wohnungen werden eine Rolle spielen ebenso wie die rechtlichen Aspekte für Mieter und Vermieter. Beide Parteien ziehen ja beim Thema Schimmel in der Regel an einem Strang und wollen eine möglichst effektive Bekämpfung.

Das Gespräch führte Jörn Hildebrandt.

Mehr zum Thema
So geht's: Igitt Schimmel!: Fliesenfugen reinigen und ersetzen
So geht's
Igitt Schimmel!: Fliesenfugen reinigen und ersetzen

Silikonfugen dichten das Mauerwerk vor Nässe ab und müssen folglich immer gut in Schuss sein. Wenn ...

 mehr »

Zur Person

Elke Meier ist Ingenieurin für Umwelttechnik und seit 2005 für die Bremer Umweltberatung tätig. Sie berät zu den Themenschwerpunkten Bauen, Wohnen, Energie und Klimaschutz.

Zur Sache

Sporen sind allgegenwärtig und kaum vermeidbar

Zu den Schimmelpilzen werden Pilze gerechnet, die typische Pilzfäden und winzige, nur unter dem Mikroskop sichtbare Sporen ausbilden. Schimmelpilze gehören zu unserer natürlichen Umwelt. Sie sind an der Zersetzung von organischem Material beteiligt und spielen damit eine wichtige Rolle im Kreislauf der Natur. Die Sporen von Schimmelpilzen sind daher allgegenwärtig, unter anderem im Boden, in der Luft und kaum vermeidbar auch in jeder Wohnung. Sie können Monate und Jahre auch bei Trockenheit überleben. Zu einem Wachstum von Schimmelpilzen kommt es aber nur, wenn die Sporen auf eine feuchte Oberfläche treffen.

Durch das Wachstum entsteht dann sichtbarer Schimmelbefall. Der Schimmelaktionstag findet am Mittwoch, 18. September, von 13 bis 17 Uhr im Bamberger Saal der Bremer Volkshochschule, Saal 103, Faulenstraße 69, statt. Die Teilnahme am Schimmelaktionstag ist kostenlos. Anmeldungen sind bei der VHS unter der Telefonnummer 36 11 23 45 möglich. Weitere Informationen gibt es bei der Bremer Umweltberatung unter Telefon 707 01 00 oder per E-Mail an schimmelnetzwerk(at)bremer-umwelt-beratung.de. Außerdem an www.bremer-netzwerk-schimmelberatung.de.