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Auf dem Stadtwerder in Bremen
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Sicherheit für Wohnmobilstellplatz

Karin Mörtel 17.04.2019 0 Kommentare

Heinz Rocholl und Patrik Kessler (von links) aus dem Sauerland zählen zu den zufriedenen Stammgästen des Stellplatzes auf dem Stadtwerder.
Heinz Rocholl und Patrik Kessler (von links) aus dem Sauerland zählen zu den zufriedenen Stammgästen des Stellplatzes auf dem Stadtwerder. (Roland Scheitz)

Nein, solange der Reifen direkt am Bordstein entlang schrappt, wird es nicht klappen, das Schmutzwasser aus dem Wohnmobil ohne Schaden in den Abfluss zu bugsieren. „Stopp!“ ruft Hans Bahrenburg laut und dirigiert den älteren Herrn am Steuer noch einmal zurück. „Ein bisschen bin ich auch Dompteur“, scherzt der Pächter des Wohnmobilstellplatzes auf dem Stadtwerder. In Sichtweite zur Gaststätte „Der Kuhhirte“ betreibt er gemeinsam mit seiner Frau den größten Stellplatz dieser Art in Bremen. Seit Anfang des Monats hat sich für ihn jedoch ein entscheidender Punkt verändert, auch wenn man auf dem Platz nichts davon sehen kann: Sein Nutzungsvertrag wurde erweitert, sodass er ab sofort offiziell sechs der zehn Spuren des öffentlichen Parkplatzes am Kuhhirten gewerblich nutzen darf. Der Neustädter Beirat hat dem kürzlich einstimmig zugestimmt.

Diesen Raum nimmt der Stellplatz mit wenigen Unterbrechungen zwar seit Jahren bereits ein. Denn das ist mit der Stadt so vereinbart gewesen, weil die ursprüngliche Größe von nur zwei Fahrspuren längst nicht reichte, um die hohe Nachfrage der Wohnmobilreisenden mit den wenigen stadtweit vorhandenen Plätzen abzudecken. Bislang war die Nutzung der zusätzlichen Fläche aber über Sondererlaubnisse geregelt. Nun haben Pächter und Stadt festgeschrieben, was seit Jahren gelebte Praxis ist.

Ende 2006 hatte Bahrenburg den Wohnmobilstellplatz eröffnet, damals noch auf zwei Spuren und etwa 3 500 Quadratmetern. Doch bereits damals war klar, dass das auf Dauer nicht reichen wird. Von Anfang an gab es eine Sondernutzung weiterer Spuren. Im Laufe der Jahre bis 2017 fanden mehrere Erweiterungen statt bis zur sechsten Spur. In den aktuell abgeschlossenen Vertrag wurde diese erweiterte Nutzung nun ebenfalls festgeschrieben. Zusätzlich wird ausgeschlossen, dass der Platz für die Wohnmobile noch größer wird als heute. „Die letzten Spuren bleiben definitiv als Parkplätze für Autos erhalten“, erklärt Iris Bryson aus der Baubehörde.

Dass die Sondernutzung der Spuren drei bis sechs keine Dauerlösung sein konnte, schildern sowohl die Fachleute aus der Baubehörde als auch Pächter Hans Bahrenburg. „Damit lösen wir gleich mehrere Probleme auf einmal“, sagt Bryson. Zum einen seien Sondergenehmigungen nicht für längere Zeiträume gedacht. Zum anderen sei dadurch auch bislang unklar geblieben, wer für Verkehrssicherheit und Baumpflege auf dem erweiterten Wohnmobil-Stellplatz verantwortlich ist. Insbesondere die Versicherungsfragen, die sich im Falle von Schäden ergeben hätten, wären schwierig zu lösen gewesen. „Da gibt es nun endlich Klarheit“, zeigt sich Bahrenburg erleichtert. Die Stadt trägt die Verantwortung für die Bäume außerhalb des Platzes. Um die Pflege und Sicherheit der Bäume zwischen den Fahrspuren auf dem Wohnmobil-Stellplatz muss er sich fortan als Pächter kümmern.

Hätte es mit der erweiterten Nutzungsgenehmigung für sein Gewerbe nicht geklappt, „hätte das das Aus für unseren Stellplatz bedeutet, weil man das auf der kleinen Ursprungsfläche nur als Hobby betreiben kann“, sagt Bahrenburg. Das wiederum will die Stadt nicht, „weil in Bremen keine anderen geeigneten Standorte für Wohnmobile zur Verfügung stehen“, heißt es aus der Baubehörde.

Stammgäste sind zufrieden

Besonders Stammgäste auf dem Platz begrüßen, dass in den vergangenen Jahren weitere Stellplätze hinzugekommen sind. Schließlich lägen Wohnmobil-Reisen im Trend und viele Stellplätze seien daher zu klein geworden – so die einhellige Meinung. „Der Platz liegt schön zentral und wir kommen immer wieder sehr gerne hierher“, sagt Heinz Rocholl aus dem Sauerland. Seine Tochter wohnt in der Stadt, „da bietet es sich an, hier zu übernachten, das ist jedes Mal wie Urlaub für uns“, sagt er und schenkt seinem Wohnmobil-Nachbarn Patrik Kessler einen Kaffee ein.

Der kommt ebenfalls regelmäßig nach Bremen, um Freunde in der Altstadt zu besuchen, und freut sich auf die Ostertage in der Hansestadt. Für Ehepaar Müller geht es an diesem sonnigen Morgen bereits wieder zurück nach Bonn. Sie waren das erste Mal in Bremen und sind hellauf begeistert: „Eine richtig tolle grüne Fahrradstadt, ein schöner Stellplatz und eine aufmerksame Touristeninformation – Bremen hat offenbar erkannt, dass man für seine Gäste etwas tun muss“, meint Karl-Heinz Müller zum Abschied.

„Wir erwirtschaften für die Stadt mit unseren Reisemobilisten mehr als zwei Millionen Euro jährlich“, hat Hans Bahrenburg auf Basis von statistischen Durchschnittswerten ausgerechnet. Etwa 90 Stellplätze hat er zu vergeben. „An Ostern werden wir nahezu voll belegt sein“, so der Pächter. Der erweiterte Nutzungsvertrag gibt ihm Planungssicherheit. Nun muss nur noch der Bauantrag genehmigt werden, der die erweiterte gewerbliche Nutzung enthält, dann kann er in die Zukunft blicken. „Es stehen Investitionen an, die ohne die Sicherheit keinen Sinn gemacht haben“, sagt er und zählt auf: Neuer Schotter, die Grünstreifen aufpäppeln und Geld für eine leistungsfähige Pumpstation ausgeben, die ihm endlich über eine Druckleitung den Kanalanschluss auf Höhe der umgedrehten Kommode ermöglicht. Bahrenburg: „Aber optisch bleibt alles so wie zuvor.“