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Suppenstraße führt durch viele Länder

Martin Ulrich 24.10.2018 0 Kommentare

Yves Boujong vom Quartierrestaurant Marie Weser hat vegane Tomaten-Kokossuppe gekocht.
Yves Boujong vom Quartierrestaurant Marie Weser hat vegane Tomaten-Kokossuppe gekocht. (Walter Gerbracht)

Eigentlich stammt die Idee ja aus Kattenturm. Marc Vobker, der Huckelrieder Quartiersmanager, gibt es gern zu: „Es ist wahr, wir haben die Idee geklaut.“ Thomas Strothoff, der hauptberufliche Ehrenamtskoordinator der AWO, hat die Anregung nach Huckelriede gebracht. Marc Vobker sagt: „Es gibt ja nach wie Verständigungsschwierigkeiten. Die Neubremer brauchen einfach ihre Zeit, bis sie ausreichend Deutsch gelernt haben, um ein Gespräch zu führen. Aber Suppen sind international. Und die Idee, zehn verschiedene Suppen hier anzubieten, war für uns logistisch noch gut zu handhaben.“

Also wurden Unterstützer zusammengetrommelt, zehn Kochplatten besorgt, Tische und Bänke aufgebaut sowie geschmückt und Leute eingeladen. Das SOS-Kinderdorf machte ein Kinderprogramm und viele Leute brachten Suppen.

Yves Boujong, der gute Geist des Quartierrestaurants Marie Weser, bringt einen großen Topf mit einer veganen Tomaten-Kokosnuss-Suppe. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Normal people scare me (Normale Menschen erschrecken mich)“. Iptisan
Shoushari aus Palästina ist schon lange in Deutschland. Sie ist inzwischen Deutsche, arbeitet für die BRAS und hat eine Linsensuppe aus gelben Linsen gemacht. Der Eintopf ist vegetarisch und enthält noch Zwiebeln und Kartoffeln. Um die deutschen Gaumen nicht zu überfordern, hat ist sie eher zurückhaltend gewürzt.

Scharfes Gewürz für mutige Esser

Sevil hat eine vegane, türkische Linsensuppe aus roten Linsen gemacht. Elke und Hannelore kochen jeden Freitag in der Matthias-Claudius-Gemeinde für ältere Menschen. Heute haben sie eine deutsche Kartoffelsuppe mitgebracht. Neben Kartoffeln sind Möhren, Sellerie und Porree in der Suppe, in der außerdem noch eine türkische Wurst für zusätzliche Aromen sorgt.

Muntahar aus Syrien hat zwei verschiedene Suppen gemacht, eine Gemüsesuppe und eine aus Malva, Fenchel und Knoblauch. In einem weiteren Topf hat sie ein sehr scharfes Gewürz getan, das sich die mutigen Gäste in die Suppe tun dürfen. Muntahars Suppen gelten als legendär. Ihr Mann, Farhan Hebbo, steuert
direkt nach seiner Ankunft erst einmal auf Muntahars Suppentöpfe zu.

Erica aus Ghana kann noch kein Deutsch. Sie erzählt, ihre Suppe sei eine „Lice Soup (Läuse-Suppe)“, eine afrikanische Gemüsesuppe mit Fisch. Tatsächlich gibt es Fischläuse die parasitär an Wirtsfischen leben und sich von deren Blut ernähren. Es war nicht herauszufinden, ob sie wirklich die zirka zehn Millimeter langen Fischläuse bekommen hat oder, stattdessen, doch deren Wirtsfische verarbeitet hat. Die Suppe sieht rötlich aus und duftet sehr angenehm. Einer der Verkoster sagt, die Suppe sei sehr lecker, aber ausgesprochen scharf.

Die Frühberatungsstelle bietet eine Kürbissuppe und eine Süßkartoffelsuppe auf, beide sind vegan. Valnise hat eine albanische Suppe mit Fleisch gekocht. Das Fleisch heißt es, stamme nicht vom Schwein.

Freiwillige Feuerwehr setzt auf Speck

Auch die Freiwillige Feuerwehr der Neustadt hat eine Suppe gekocht – eine Erbsensuppe nach deutschem Rezept. Sie haben die Suppe, wie es sich gehört, auf Speck aufgesetzt. Erst hinterher fiel ihnen ein, dass die Mehrzahl der Bewohner des Übergangswohnheims wohl muslimischen Glaubens ist und Schweinefleisch deshalb ablehnt. In der Konsequenz scharen sich die wohl auf Sicherheit setzenden Bleichgesichter um den Topf der Feuerwehr.

Es sind zwischen 70 und 80 Besucher gekommen, die offensichtlich Spaß daran hatten, exotische Suppen zu probieren und hier und da ein Schwätzchen zu halten. Inga Ridder, Leiterin des Übergangswohnheims, bedauert, dass nicht so viele Heimbewohner gekommen sind. Ihre Erklärung: „Die meisten sind eben doch noch ziemlich schüchtern.“

Das gilt nicht so sehr für die Kinder. Sie freuen sich über die Angebote des SOS-Kinderdorfs und der Zirkusschule Jokes, die eine bunte Plane auf dem Boden ausgebreitet haben und mit den Kindern verschiedene Zirkustricks ausprobieren. Martin Bogus macht Reklame für das circensische Angebot, indem er mit Keulen jonglierend an der Futterständen vorbeigeht. Einmal fällt ihm eine Keule auf den Boden. Er bückt sich nicht danach, sondern befördert sie kunstvoll mit dem Fuß wieder in die Luft. Man kann bei ihm jeden Freitag Jonglieren und Akrobatik lernen oder Diabolo – und andere Spiele spielen.

Die Suppenstraße scheint zu funktionieren. Menschen stehen oder sitzen in kleinen Gruppen zusammen, genießen die Suppen und den sonnigen Nachmittag. Die Sprachbarrieren bleiben allerdings bestehen. Selbst einfache Gespräche über Lieblingssuppen bleiben schnell stecken.

Ausgenommen natürlich mit den neubremer Aktivisten wie Jaffa Momenkhami aus dem Iran. Ihn sieht man auch regelmäßig in den Sprachcafés bei Marie Weser. Farhan Hebbo aus Syrien schreibt regelmäßig einen Text, der die Veranstaltung eröffnet. Er liest ihn auf Arabisch, übersetzt ihn mit Melanie Wille-Bartsch von „Ankommen in Bremen“ ins Deutsche. Sie liest den deutschen Text, und Jaffa übersetzt ihn in Farsi und liest ihn ebenfalls vor. Er sagt, seine Lieblingssuppe sei eine afrikanische Gemüsesuppe.