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Neues Mischgebiet an Kornstraße
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Visionen für Autohaus-Gelände in der Neustadt

Karin Mörtel 09.08.2019 0 Kommentare

Zwischen Wohngebiet, Bezirkssportanlage, Supermärkten und kleinteiligem Gewerbe soll die
Zwischen Wohngebiet, Bezirkssportanlage, Supermärkten und kleinteiligem Gewerbe soll die "neue Mischung Neustadt" entstehen. (Studio B Bremen)

Wo heute nur noch leerstehende Lagerhallen und die unansehnlichen Reste des ehemaligen Autohauses Brinkmann an der Kornstraße zu sehen sind, soll sich schon bald etwas bewegen: Eine Investorengemeinschaft der beiden Bremer Projektentwickler „Plankontor Projekte“ und „Tektum Holding“ haben in Huckelriede das Gelände sowie angrenzende Bereiche erworben (siehe Luftbild) und veranstaltet derzeit gemeinsam mit der Stadt einen städtebaulichen Ideenwettbewerb, um die beste Lösung für die Gewerbebrache zu finden.

Nur ein einziger etwas größerer aktiver Betrieb wirtschaftet derzeit noch auf dem etwa drei Hektar großen Gelände. Die Straßenbaufirma direkt neben dem Aldi-Markt ist das, die aber perspektivisch Richtung Sielhof umziehen könnte. Danach wäre der Weg frei für ein neues Mischgebiet, auf dem neben Gewerbe auch Wohnen seinen Platz findet.

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Aktuell noch stark heruntergekommen

Klingt erst einmal nicht neu, dieses Ziel verfolgen schließlich mittlerweile viele Investoren in der Stadt, seitdem die strikte Trennung von Wohnen und Gewerbe stadtplanerisch als veraltet gilt. Doch die Grundstücksinhaber der neu gegründeten Gesellschaft „Projektentwicklung Kornstraße“ äußern Visionen, die hellhörig machen. Ihre Gedankenspiele und Wünsche für das nicht gerade große Areal gehen zumindest weit über das reine Nebeneinander von verträglichem Gewerbe und Wohngebäuden hinaus.

„Im Kern geht es um eine sehr enge Verzahnung vieler Lebensbereiche“, fasst es Jost Paarmann zusammen. Er ist Geschäftsführer der Projektentwicklung Kornstraße und ist überzeugt davon, dass der derzeit noch stark heruntergekommen wirkende Standort in Huckelriede das richtige Experimentierfeld für Ideen ist, die gleichzeitig zukunftsweisend, aber auch lebensnah für die künftigen Bewohner und Nutzer des Geländes sein sollen.

„Diese vernachlässigte Gewerbeseite an der Kornstraße schreit förmlich nach einer Erneuerung“, sagt Paarmann. Für die Projektentwickler sei das Vorhaben ein besonders reizvoller Fall, „weil die Neustadt ein aufstrebender sympathischer Stadtteil ist und Huckelriede als Bindeglied zwischen dem Kernbereich und den Außenbereichen der Stadt viele Chancen bietet.“

Wie kann es also gelingen, auf dem kleinen Raum ein urbanes, lebendiges Quartier zu schaffen, das Lebensbereiche wie Wohnen, Familie, Arbeiten, Pflege älterer Menschen, Kinderbetreuung und viele weitere Dienstleistungen auf möglichst kurzen Wegen in Einklang bringt? Diese Frage gilt es aus Sicht der Investoren städtebaulich zu beantworten. „Aber mit visionären Ideen für eine wirklich enge Verzahnung und keinem reinen Nebeneinander schön gestalteter Blöcke, denn das wollen wir nicht“, betont Paarmann.

Neue Wege vom Werdersee zum Flughafen

Deswegen haben die Investoren Mitte des Jahres gemeinsam mit der Wirtschafts- und Baubehörde einen Ideenwettbewerb ausgelobt, an dem momentan vier Architekturbüros aus Bremen und Hamburg arbeiten. Während einer öffentlichen Präsentation haben Anwohner des Grundstücks bereits erste Ideen der Büros zu Gesicht bekommen. „Und ich habe sowohl zuvor im Ortsbeirat als auch unter den Anwohnern eine große Zustimmung dafür verspürt, dass auf dieser Brachfläche etwas Neues entsteht und der Ort eine Adresse bekommt“, so Paarmann.

Auch den Wunsch aus dem Ortsteil, das Gebiet zu öffnen und damit neue Wegebeziehungen zwischen Werdersee und Flughafen möglich zu machen, kann er nachvollziehen. Das ist ohnehin eines der Ziele, die die Architekturbüros verfolgen sollen. Wobei es nicht einfach werden wird, das Gebiet zwischen Kornstraße und Bezirkssportanlage zu öffnen, ohne sich auch unerwünschten Straßenlärm einzuhandeln.

Als weiteres Leitziel benennt Paarmann, die vorhandenen Ressourcen im Gebiet möglichst gemeinschaftlich zu nutzen. Seien es neue Formen des gemeinsamen Wohnens oder die gemeinsame Nutzung von Waschmaschinen oder Büros sowie weiterer Dinge, auf die viele Menschen regelmäßig zurückgreifen müssen. 

Unter den bisher vorgelegten Ideen der beteiligten Architekturbüros habe er bereits gute Ansätze gesehen, „aber wir erhoffen uns im Verlauf des Wettbewerbs, dass die Büros noch mutiger und weniger vorsichtig an das Thema Verzahnung herangehen“, so Paarmann. Bis Ende August verfeinern die Architekten nun ihre Ideen und stellen sie dann Ende September erneut der Öffentlichkeit vor.

Sehr genau zuhören werden dann auch wieder die Mitglieder des Begleitgremiums, die kurze Zeit später den Siegerentwurf küren werden. Darin sitzen unter anderem neben den Investoren auch Vertreter der Bau- und Wirtschaftsbehörde, geladene Experten für Städtebau sowie Mitglieder aus dem Neustädter Beirat und Ortsamt.

Langfristige Planung

Erst im Anschluss kann dann die Bauleitplanung beginnen, kurzfristig ist also noch nicht damit zu rechnen, dass neue Gebäude auf dem Areal hochgezogen werden. Dass nahezu alles, was heute noch dort zu sehen ist, abgerissen werden muss, gilt schon heute als sehr wahrscheinlich. Es gibt schlicht keinen erhaltenswerten Gebäudebestand, der identitätsstiftend wirken könnte wie es in Woltmershausen im Tabakquartier der Fall ist mit den markanten Backsteingebäuden der Zigarettenfabrik oder der ehemaligen Gaswerke.

Um so gespannter dürften die Neustädter sein, wie sich das neue Quartier in die Umgebung einfügen wird in direkter Nachbarschaft der beschaulichen Wohnstraßen auf der anderen Seite der Kornstraße sowie den umgebenden Grünzügen, den vorhandenen Supermärkten sowie dem verbleibenden Gewerbe auf den Nachbargrundstücken.

Hochpreisiger Wohnraum sei dort übrigens nicht geplant, beteuert Paarmann dann noch, sondern Miet- und Eigentumswohnungen „im mittleren Bereich“. Außerdem werde ein Anteil von 30 Prozent geförderter Wohnungen errichtet. Und auch dabei gelte das Prinzip: „Wir wollen das mischen und kein getrenntes Nebeneinander.“