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Direktanschluss bleibt − Beirat aber weiterhin gegen geplante Buslinienänderung
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Weiter Halt vor Klinik und BGO

Timo Thalmann 14.09.2017 0 Kommentare

SÜD / BSAG-Haltestelle Haupteingang Klinikum Links der Weser
Auch in Zukunft wird der Bus direkt vor dem Haupteingang des Klinikums Links der Weser halten. Nach der überarbeiteten Planung bleibt ebenso das Bürgerhaus Obervieland direkt ans Liniennetz angeschlossen. (Walter Gerbracht)

Die voraussichtlich ab 2019 wirksame Änderung verbessert die Anbindung sogar: Statt alle 20 Minuten mit der Linie 51 sind nun an Werktagen viertelstündliche Verbindungen mit einer ab Huckelriede verlängerten Buslinie 27 vorgesehen. Das bedeutet ein Bus mehr pro Stunde. Außerdem befördern die Busse die Fahrgäste dann ohne den Umstieg in Huckelriede direkt zu zentralen Punkten wie Domsheide, Stadthalle oder Hauptbahnhof. Wer mit Gepäck und Koffern von oder zum Bahnhof will, hat es damit erheblich leichter. Das gilt auch für die heutige Linie 53, die ohne Veränderung der Streckenführung dann als verlängerte Linie 26 fahren soll.

Damit haben sich die BSAG und die Verkehrsbehörde in einem zentralen Punkt auf die Vorstellungen des Beirats in Obervieland zubewegt. Der ursprüngliche Planungsentwurf (wie berichtet) sah noch das Ende der neuen Busroute der Linie 27 am Heukämpendamm vor. Begründet wurde dies in erster Linie mit dem bereits in der Stadtbürgerschaft abgestimmten Verkehrsentwicklungsplan 2025 (VEP) sowie den aus der Streckenverkürzung resultierenden Einsparungen. „Gespart wird jetzt aber kaum noch was“, gestand Michael Rode. Umso unverständlicher war allen Beiratsmitgliedern und großen Teilen der Sitzungsbesucher die weiterhin bestehende Neuplanung der Linienführung entlang der Habenhauser Landstraße. Die heutige Strecke über Fellendsweg und Holzdamm fiele dann weg. Insgesamt fünf Haltepunkte der aktuellen Linie 51 verschwänden.

Vor diesem Hintergrund bekräftigte der Beirat zum einen seinen Beschluss, dass die bestehenden Linienführungen vollständig erhalten bleiben sollen, inklusive der Umsteigeverbindungen in Huckelriede. Zum zweiten übergab Beiratssprecher Stefan Markus (SPD) Wilhelm Hamburger eine Liste mit rund 1000 Unterschriften, die sich gegen die geplante Veränderung aussprechen.

Stadtweit betrachtet ein Gewinn

Der Referent für öffentlichen Personennah- und Radverkehr beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr hatte zum Unmut des Beirates zuvor noch einmal deutlich gemacht, dass sein Ressort die Wünsche aus dem Stadtteil zwar berücksichtige, aber in erster Linie einem verbesserten Nahverkehr für ganz Bremen verpflichtet sei. „Bei jeder Veränderung gibt es für einzelne Gruppen Verschlechterungen und für andere Verbesserungen. Hier gibt es unterm Strich und mit Blick auf ganz Bremen aber mehr Gewinner, was sich auch in steigenden Fahrgastzahlen zeigen wird“, gab sich Hamburger überzeugt. Laut Rode sind das insgesamt rund 90 000 zusätzliche Fahrgäste pro Jahr. Ein Effekt, den er vor allem auf den Wegfall der Umsteigeverbindungen zurückführte: „Umstiege machen ein Nahverkehrsnetz unattraktiv, Direktverbindungen hingegen werden von den Kunden geschätzt.“

Der Beirat mochte einer solchen Prognose nicht folgen. Wie man denn mehr Fahrgäste durch einen Wegfall von Haltestellen gewinnen wolle, fragte etwa Volkhard Sachs (CDU). Und Erich Peters (SPD) monierte, dass die Argumente der BSAG gegen eine Streckenführung über den Holzdamm, dem Beirat ohne Diskussionsmöglichkeit präsentiert werden. „Wir werden hier wieder mal vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Er bezog sich damit vor allem auf Rodes Ausführungen, dass durch die umstiegsfreien Verlängerungen der Linien 26 und 27 künftig längere Gelenkbusse zum Einsatz kommen, für die der Holzdamm baulich nicht geeignet sei. „Dann reden wir doch darüber, was getan werden muss, damit das geht“, meinte Peters und konnte sich beispielsweise den Wegfall von Parkbuchten vorstellen.

Rodes Erläuterungen, dass durch die veränderte Streckenführung nur wenige Betroffene aus fachlicher Sicht insgesamt akzeptable Komforteinbußen hinzunehmen hätten, eine Mehrheit auch vor Ort aber profitiere, stießen im Beirat auf wenig Verständnis. Der Verkehrsplaner rechnete beispielsweise vor, dass durch eine neue Haltestelle „Fontanestraße“ an der Habenhauser Landstraße fast alle Bewohner im Kern des sogenannten Dichterviertels entweder genauso weite oder sogar kürzere Strecken zum nächsten Busanschluss zurücklegen müssen. „Nur für die Anwohner entlang des Holzdamms verlängern sich die Wege“, sagte Rode und verwies auf die Fahrgastzahlen der gleichnamigen Haltestellen, bei der an normalen Werktagen nur rund 40 Ein- und Ausstiege pro Tag registriert werden.

Der Blick in die Bevölkerungsstatistik zeigt tatsächlich ein leichtes Plus bei den Profiteuren: Insgesamt wohnen im Viereck zwischen Fellendsweg, Holzdamm, Habenhauser Brückenstraße und Habenhauser Landstraße rund 1500 Menschen (Stand 2015). Für rund 850 bleibt bei der Planung die Entfernung zur nächsten Haltestelle gleich oder verbessert sich. Knapp 650 müssen künftig weiter laufen, soweit sie nicht zumindest in Teilen auf die Buslinie 22 ab Carl-Carstens Brücke ausweichen. Die endet in Richtung Süden in Kattenturm-Mitte, bietet aber in Richtung Norden als einzige Linie Anschluss an alle Straßenbahnlinien, wie Michael Rode betonte.

Der Einwand aus dem Beirat, dass diese Haltestelle aktuell keinen barrierefreien Zugang erlaubt und vom Dichterviertel aus nur über zahlreiche Treppen erreichbar ist, blieb unwidersprochen. Der Hamburger verwies in dem Kontext darauf, dass in dieser Hinsicht insgesamt über 1400 Haltestellen in Bremen umzubauen seien. Das werde sicher noch einige Jahre brauchen.