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Neuer Neustädter Revierleiter im Interview
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„Wollen für Bürger da sein“

Karin Mörtel 27.09.2019 0 Kommentare

Ab sofort leitet Ralph Dziemba das Polizeirevier Neustadt.
Ab sofort leitet Ralph Dziemba das Polizeirevier Neustadt. (Roland Scheitz)

Herr Dziemba, willkommen zurück an alter Wirkungsstätte, wo auch Ihre Laufbahn als Streifenpolizist begann. Nun haben Sie im Neustädter Revier den Leiterposten. Hat Ihnen der gleiche Job am Revier in Lesum nicht gefallen?

Ralph Dziemba: Doch, in Lesum hat es mir gut gefallen, aber es war von vornherein angedacht, dass ich dort nur übergangsweise bin und dann in die Neustadt als Nachfolger von Volkmar Sattler zurückkehre. Die Zeit in Bremen-Nord war trotzdem sehr lehrreich. Viele Erfahrungen aus den zurückliegenden Monaten kann ich nun gut gebrauchen.

Im Zuge der Polizeireform haben die Revierleiter deutlich weniger Leute und Gestaltungsspielraum als zuvor. Wofür sind Sie jetzt noch zuständig?

Es stimmt, die regionalen Einsatzkräfte sind jetzt zentral zusammengezogen und wir fahren von den Revieren aus keinen Streifendienst mehr. Doch jetzt konzentrieren wir uns darauf, die Kontaktpolizisten und Verkehrssachbearbeiter gezielt im Stadtteil einzusetzen. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit besteht auch darin, die gute Netzwerkarbeit, die Volkmar Sattler im Stadtteil betrieben hat, weiterzuführen, um immer bei den wichtigen Themen am Ball zu bleiben.

Sie sind aber nicht nur Revierleiter, sondern auch als Referatsleiter zuständig für alle Kontaktpolizisten links der Weser. Was bedeutet das im Alltag für Sie?

Ich will keineswegs in den Revieren in Woltmershausen, Huchting und Obervieland eingreifen. Die sind eigenständig und die dortigen Revierleiter entscheiden, was notwendig ist. Meine Aufgabe wird es sein, gemeinsame Standards für die meist präventiven Aufgaben der Kops zu entwickeln. Und ich identifiziere Bereiche, die die Kops stadtteilübergreifend gemeinsam angehen können, um eine bessere Wirkung zu erzielen. Damit haben wir in Lesum bereits gute Erfahrungen gemacht.

Was wäre so eine Aufgabe?

Zum Beispiel die Verkehrsprävention vor Schulen, so wie wir sie kürzlich in der Steinsetzerstraße zum Thema Rückhaltesysteme durchgeführt haben. Dort waren Beamte aus den Revieren Obervieland und Neustadt beteiligt. Unterstützt wurden wir dabei vom ADAC und dem Präventionszentrum der Polizei Bremen. Damit erreichen wir eher den gewünschten Effekt, als wenn dort nur ein oder zwei Kops daraufhin kontrolliert hätten, ob die Eltern ihre Kinder auch angeschnallt haben.

Werden alle freien Kop-Stellen wie versprochen bis Ende dieses Jahres wieder besetzt sein?

Bis zum Jahresende werden wir mindestens 100 Kop-Stellen wieder besetzt haben. Die Vorbereitungen hierfür laufen. Im Süden wird eine Kop-Stelle sehr zeitnah nachbesetzt, zwei weitere Kop-Stellen sollen bis Jahresende nachbesetzt werden. Weitere Kop-Stellen werden voraussichtlich 2020 in Bremen aufgefüllt, damit wir wieder vollumfänglich für die Bürger da sein können.

Ist das denn zurzeit nicht der Fall?

Alle Kollegen geben ihr Möglichstes. Aber beispielsweise im Bereich Verkehrserziehung an Grundschulen mussten wir klare Abstriche machen. Diese Lücke perspektivisch wieder zu füllen, ist mir sehr wichtig. Denn es hat große Vorteile, wenn die Kinder nicht nur fit für den Straßenverkehr sind, sondern auch ihren zuständigen Kop persönlich kennenlernen. Und umgekehrt ist es gut für die Polizeiarbeit, wenn die Kops die Jugendlichen im Stadtteil schon von Kindesbeinen an begleitet haben.

Wie bewerten Sie denn allgemein die Sicherheitslage in der Neustadt nach Ihren ersten Wochen im Amt?

Die Zahlen, die mir Volkmar Sattler übergeben hat, sehen in fast allen Bereichen sehr gut aus. Es hat mich besonders positiv überrascht, dass die Wohnungseinbrüche bundesweit und bremenweit drastisch zurückgegangen sind und das auch für den Bremer Süden und die Neustadt gilt. Aber wir wollen da trotzdem am Ball bleiben und weiterhin mit Beratung und Information Vorsorge betreiben, damit die Zahlen weiter sinken. Das passt jetzt auch zum Beginn der dunklen Jahreszeit. Auch das Thema Nachsorge von Betroffenen ist uns wichtig.

Was haben Sie sich darüber hinaus noch vorgenommen?

Es ärgert mich, dass ich täglich auf meinem Arbeitsweg von Delmenhorst ins Revier beobachten muss, wie viele Radfahrer sich nicht an die Verkehrsregeln halten. Da wird bei Rot über die Ampeln gefahren, viele sind in der falschen Fahrtrichtung auf den Wegen unterwegs und manche telefonieren dabei sogar noch mit dem Handy am Ohr. Da wären gezielte Verkehrskontrollen ab Frühjahr angebracht, wenn die Fahrradsaison wieder beginnt.

Außerdem haben Sie bereits angekündigt, sich speziell um Delikte kümmern zu wollen, die sich gegen ältere Menschen richten. Da sind die Fallzahlen doch gar nicht so hoch?

Das stimmt, aber mir bereitet die kriminelle Energie große Sorgen, die diese falschen Handwerker, angeblichen Enkel und andere Betrüger an den Tag legen. Wir wollen über die Tricks aufklären und insbesondere auch die Hochbetagten erreichen, die nur noch selten das Haus verlassen. Da müssen wir weitere Partner finden, die unsere Erkenntnisse weiterreichen können.

Wie sehen Sie die Situation am neuen Bordell an der Duckwitzstraße, das einige Bürger als Sicherheitsrisiko betrachten?

Wir haben die Einrichtung fest im Blick und haben eine Null-Toleranz-Strategie, sollte es da zu Verstößen kommen. Bisher haben wir darüber keine Erkenntnisse, aber wir beobachten die weitere Entwicklung sehr genau.

Das Gespräch führte Karin Mörtel.

Zur Person

Ralph Dziemba (59)

leitet seit 1. August das Polizeirevier Neustadt und ist zudem Referatsleiter für die Kontaktpolizei im Bremer Süden. Er hat zuvor unter anderem 15 Jahre im Zivilen Einsatzdienst im Bereich „Straßenkriminalität“ gearbeitet. Zuletzt leitete er das Revier Lesum.