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Stiftungsdorf Ellener Hof
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Neues Bremer Haus in 23 Varianten

Edwin Platt 07.04.2019 2 Kommentare

Reihung mit Varianten von Claudia Gräte und Marion Schonhoven.
Reihung mit Varianten von Claudia Gräte und Marion Schonhoven. (Petra Stubbe)

Rund 200 Besucher füllen die Kultur Aula des Stiftungsdorf Ellener Hof bis auf den letzten Platz. Heute wird es ernst, heute werden sieben Haustypen vorgestellt, die auf 23 Grundstücken des entstehenden Ellener Dorfes gebaut werden können und es werden Bauherren gesucht. „So geht Zukunft“, beginnt der Alterspräsident der Bremer Heimstiftung Alexander Künzel vom Podium herab. Künzel wünscht sich, Bewohner und Besitzer zusammenzubringen, die nicht nur vier Wände zum Wohnen suchen, sondern zugleich aktive Menschen sind, die sich ins Quartier einbringen möchten.

Vorbild der vorgestellten Entwürfe ist das Bremer Haus. Diesen Stadtbild prägende Gebäudetyp aus dem 19. Jahrhundert wird jetzt gewissermaßen neu interpretiert: Drei Stockwerke, unterschiedliche Fassadengestaltung, ebenerdiges Erdgeschoss sowie individueller und flexibler Zuschnitt für verschiedenste Wohnformen und komplett aus Holz – so stellen sich die sieben Gewinner-Entwürfe dar, die die Jury aus Architektenkammer, Wirtschafts- und Bauressort sowie der Bremer Heimstiftung aus 25 Entwürfen ausgewählt hat.

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Oliver Platz, Präsident der Bremer Architektenkammer, erzählt davon, dass es traditionelles Bauen in Bremen kaum noch gibt. Damit meint er einen Bauherr, der sich ein Grundstück sucht und im Dialog mit einem Architekten sein Haus baut – ohne einen Bauträger. Genau dafür stehen nun sieben Entwürfe als Diskussionsgrundlage für den privaten Bauherren auf dem Ellener Hof Gelände zur Verfügung.

Das Konzept sieht Erbpacht-Grundstücke vor. „Im Süden Deutschlands ist Erbpacht sehr verbreitet“, erläutert Künzel. Das bedeutet für den Bauherren, dass er kein Grundstück errwerben muss, sondern einen Pachtvertrag für bis zu 99 Jahre abschließt, der zudem verlängerbar ist. „Erbpacht von uns, von der Heimstiftung ist sicher, eine Stiftung verkauft nicht“, sagt Künzel. Nach seinen Angaben beträgt die Pacht für den Platz eines 130-Quadratmeter-Hauses monatlich 150 Euro - deutlich weniger als die Belastung durch einen Grundstückserwerb.

Viel Glas sorgt für helle Räume

Matthias Rottmann, Architekt aus Köln, der das Projekt Ellener Hof seit Überschreibung des Grundstücks zugunsten der Heimstiftung vor gut vier Jahren begleitet, stellt die Architektenentwürfe erstmals der Öffentlichkeit vor. Gebaut werden sollen diese Haustypen im Südosten des Geländes unter Berücksichtigung bestehender Gebäude und Bäume. So entstehe eine natürlich gewachsen wirkende Dorfcharakteristik, die sich in die Landschaft einfügt.

Der Entwurf des Büro Eilers ist durch gleichberechtigte Flächen in allen Etagen gekennzeichnet. Viel Glas, teilweise über zwei Etagen, sorgt für helle Räume. Daher liegt der Wohnbereich im ersten Stock, um Blicken von außen weniger ausgesetzt zu sein. Bei den Architekten Janßen und Winkler springt das Erdgeschoss vor, Fenster liegen auf drei Achsen, durch die Etagen läuft ein mittiger Versorgungsschacht. Alles ist möglich von Holzinnenausbau bis zu geschliffenem Estrich. Gedacht ist an den Selbstausbauer, der durch die zentrale Versorgung alle Etagen selbst in Räume teilen oder offenlassen kann.

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Gräfe Schonhovens Entwurf ist zwei, zweieinhalb und dreigeschossig realisierbar. Eine Split-Level Treppe führt je eine halbe Etage höher durchs Haus, wodurch im Erdgeschoss und der jeweils obersten Etage zwei sehr luftige, bis zu anderthalb Geschoss hohe Räume entstehen. Dazwischen können Räume für Kinder, Schlaf oder Arbeit liegen. Zudem liegt der Giebel nicht mittig, wodurch ein sehr luftiges Wohnzimmer mit Balkon im Obergeschoss entstehen kann, das zu einer niedrigeren Küche offen ist.

Der Hausentwurf von Püffel ist in drei Breiten zu haben, worauf auch die Heimstiftung eingestellt ist, denn die Grundstücksbreiten sind zwar im Lageplan bisher mit 5,50 Meter Breite angegeben, sind aber nicht festgeschrieben. Bei klassischer Raumaufteilung über drei Etagen ist die an beiden Enden zum Raum hin geschwungene Treppe auffällig. „Wir wohnen und arbeiten in einem Bremer Haus und wissen, wie wichtig die Treppe ist und was ihr Design bewirkt“ sagt der Architekt.

"Wir bieten hohe Nutzungsflexibilität"

Die künftigen Bauherren haben bei allen diesen Entwürfen jede Menge Gestaltungsspielraum, wenn auch jedes, der neuen Bremer Häuser eine eigene Charakteristik mitbringt. Der Entwurf von Bommen zeigt am deutlichsten die Elementbauweise. Die Wände links und rechts tragen die Decken, doch das Balkenwerk gibt etagenweise je neun Elemente vor. Drei dieser Elemente könnten ein Badezimmer oder eine Küche werden, sechs Elemente ein Schlaf oder Wohnzimmer. Die vorgeschlagenen Balkendecken hat man lange nicht mehr im Bremer Neubau gesehen.

Das Büro Vorring Wagner stellt nicht den Giebel straßenseitig, sondern die Traufe. Die Treppe läuft seitlich vom Eingang in jeder Etage in gleicher Richtung bis aufs Dach. Der Effekt ist, dass jede Etage abgeschlossen für sich genutzt werden kann, sogar das Erdgeschoss, das neben dem Treppenhauseingang eine separate Haustür haben kann. Auch eine Dachterrasse ist hier möglich.

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Der letzte Entwurf von Wirth fällt durch ein Souterrain und eine halbe Treppe ins Erdgeschoss auf. „Wir bieten hohe Nutzungsflexibilität“, bewirbt der Architekt sein Haus, das mit Kindern und später ohne große Umbauten für Wohngemeinschaften oder mit Untermietern genutzt werden kann.

Alexander Künzel betont abschließend, dass mit der Bremer Sparkasse Gespräche geführt wurden und keine Kreditprobleme wegen der Erbpacht bestehen. Weiterhin Interessierte und Bauwillige dürfen nun mit den Architekten, die alle vor Ort sind sprechen und sich mit Angabe von Grundstücksnummer, Hausentwurf und Architekt, gewünschter Wohnflächengröße und Personenanzahl bei Erstbezug in eine persönliche Karte eintragen. Damit werden die Bewerber gesammelt. Einen weiteren Vorstellungstermin hat die Bremer Heimstiftung am Sonntag, 28. April, 11 bis 14 Uhr geplant, an dem auch eine Begehung der Bauflächen stattfinden soll. Danach wird anhand der Karten mit den Interessenten Kontakt aufgenommen.


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Leserkommentare
holger_sell am 20.10.2019 15:36
Kultur ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und gerade auch in Bremen ein Magnet für den Tourismus.
Außerdem ist Kulturbewusstsein ein großer ...
holger_sell am 20.10.2019 15:30
Jede Politik hat ihre Klientel.
Wollen Sie im Ernst behaupten, dass Menschen, die sich für Kultur interessieren, keine normalen Leute sind ?
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